15. April 2015

Das Wandern ist der Kinder Lust


Kindern Lust aufs Wandern zu machen ist gar nicht so schwer, wenn man ein paar Dinge nicht aus dem Blick verliert.

Alle Eltern kennen sie: Sätze wie „Wie lange noch?“, „Bergauf gehen ist ur langweilig“, „Warum muss ich da jetzt mit“ … sie kommen, wie das Amen im Gebet oft schon am Beginn einer Wanderung oder im schlimmsten Fall schon zu Hause. Dabei ist es gar nicht so schwer, Kindern Lust am Wandern zu machen, wenn man ein paar Dinge nicht aus dem Blick verliert.

Wir wollen nicht wandern gehen!

Ich kann mich an ein Jungscharlager erinnern, das ich gemeinsam mit ein paar Freunden geleitet und organisiert habe. 40 Kinder hatten wir mit und es war großartig – bis auf den Wandertag oder halt, um bei der ganzen Wahrheit zu bleiben, den Beginn des Wandertages. An dem nämlich stand schon in den frühesten Morgenstunden eine Abordnung vor meinem Zelt: „Wir wollen nicht wandern gehen“ war die klare Botschaft. Mein mehr oder weniger autoritäres „Wir gehen aber!“ hatte ein offensives „Das werden wir ja sehen!“ zur Folge. Und tatsächlich probten die jungen Damen und Herren bei der Morgenversammlung noch einmal und um einiges lauter den Aufstand. Angenehm war das nicht, das könnt ihr mir glauben. Aber irgendwie haben wir Lagerleiter es geschafft, sie alle in den Bus zu „scheuchen“ und bis zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zu bringen. Und dort war es dann so schön und der Weg so einladend und die Aussicht auf Walderbeeren und einen kleinen Bergsee, in den man die Füße tauchen kann, so verlockend, dass dann doch alle wandern waren. Und wisst ihr was: Alle waren am Ende glücklich und zufrieden, weil es „so genial“ war – der Bergsee, die Almrosen, die sattgrünen Wiesen – von den Walderbeeren red ich gar nicht!

Kindgerechtes Wandern?

Warum Kinder zwar echte „Bewegungsjunkies“ sind, kaum von der Fußballwiese oder dem Klettergerüst weg zu bringen sind, aber gleichzeitig mit dem Spazierengehen oder Wandern nicht so viel am Hut haben, ist für uns Eltern ja oft ein Rätsel. Dabei ist die Lösung dieses Rätsels bei genauerem Hinschauen und vielleicht ein wenig Erinnerung an die eigene Kindheit gar nicht so schwer: Wer etwas tut, das ihm Spaß macht, tut es mit Freude und vor allem auch einer gewissen Ausdauer. Das A und O des Wanderns mit Kindern ist es daher, Wanderwege auszusuchen, die eben nicht „ur langweilig“ sind. Klingt einfach, aber ist es das auch? Ratsam ist es in jedem Fall, die Tour mit Kinderaugen zu sehen: Ein wunderbarer Ausblick vom Berggipfel mag das Herz eines Erwachsenen höher schlagen lassen, für das Kind ist die Aussicht auf einen Kaiserschmarren, viele essbare Beeren auf dem Weg dahin, auf einen Spielplatz oder einen klaren Bergsee, bei dem man ein wenig herumpritscheln kann, bestimmt wesentlich motivierender.

Beim Wandern ist der Weg das Ziel

Generell gilt: Wer mit Kindern wandert und frei nach Konfuzius mit dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ im Gepäck marschiert, ist bestimmt gut beraten. Das bedeutet natürlich auch: aufmerksam sein, das Kind gut beobachten und vielleicht sogar früher als geplant umkehren. Ein Rückweg mit einem müden Kind kann sehr anstrengend werden. Außerdem: Versuchen sie mal, ein Kind, das schon einmal eine Wanderung als anstrengend und langweilig empfunden hat, zur nächsten Tour zu motivieren…

Und um noch einmal zu meinem Jungscharlager zurückzukommen: Wir Lagerleiter hatten eigentlich vorgehabt, ein Stückchen weiter zu gehen. Aber das war irgendwann nicht mehr wirklich wichtig – viel wichtiger war, dass alle am Wandern, an dieser gemeinsamen Unternehmung, Spaß hatten.

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EIN ARTIKEL VON
  • Andrea Harringer

    „Meine Mami schreibt das auf, was ihr andere Leute erzählen.“ Das sagte mein Sohn, als man ihn fragte, was seine Mama beruflich mache. Seit 2001 bin ich Redakteurin in der Erzdiözese Wien, schreibe für den „Sonntag“ und versuche, Themen wie Familie, Kinder und Erziehung auch aus einem christlichen Blickwinkel zu beleuchten.


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