5. August 2016

Taufzeuge: Wenn der Taufpate nicht katholisch ist

Taufzeuge - meinefamilie.at

Ein Taufpate hat die Aufgabe, das Kind auf seinem Glaubensweg zu begleiten. Wenn jemand nicht katholisch ist, kann er das Kind als Taufzeuge unterstützen.

Ein Zeuge hat die Aufgabe, über eine bestimmte Handlung oder einen bestimmten Akt anderen Personen Rechenschaft zu geben. So ist dies auch in der katholischen Kirche. Hierbei werden Frauen und Männer berufen, um den Empfang eines Sakraments, wie beispielsweise die Taufe, zu bezeugen. Bei der Taufe deines Kindes ist wahrscheinlich ein Taufpate anwesend, der gemeinsam mit den Eltern und der versammelten Gemeinde die Taufe deines Kindes vor der Welt bezeugt.

Wozu braucht man einen Taufzeugen?

Nicht jeder kann Taufpate sein. Mit diesem Amt sind Verpflichtungen verbunden, die über die Feier der Taufe hinaus- und in das Leben deines Kindes hineinreichen. Eine der Grundvoraussetzungen ist, dass der Pate katholisch ist.

Es kann den Fall geben, dass ein besonders guter Freund oder jemand aus der Familie zwar eine sehr gute Beziehung zum Kind hat, aber nicht katholisch, sondern bspw. evangelisch ist. Diese Person kann gemeinsam mit einem katholischen Paten Taufzeuge sein.

Dadurch kommt einerseits eine besondere Wertschätzung der Eltern für diese Person zum Ausdruck. Zum anderen achtet man dadurch auch die wichtige Funktion, die das Patenamt innehat. Dies heißt jedoch keineswegs, dass diese Person als Taufzeuge nicht ebenso in vielen Lebenslagen eine große Stütze für das Kind sein kann. Sie hat auch die Möglichkeit, später einmal als Firmzeuge bei einem weiteren wichtigen Sakrament dabei zu sein. Eine Unterstützung im Leben ist aber etwas anderes als jemanden auf seinem Glaubensweg zu begleiten. Da muss man die eigenen Traditionen und Feiern kennen und leben.

Warum sind meist evangelische Christen Taufzeugen?

Ist man katholisch und erfüllt alle weiteren Kriterien für das Patenamt, ist es nicht notwendig, sich nach einem Taufzeugen umzusehen. Evangelische Christen feiern ebenso wie wir Katholiken das Sakrament der Taufe. Egal ob ein Kind in einer katholischen oder in einer evangelischen Kirche getauft wird, ist es in beiden Fällen und im gleichen Umfang Kind Gottes. Jedoch unterscheiden sich die beiden Konfessionen (evangelisch und katholisch) in einigen Punkten voneinander. So glauben evangelischen Christen an zwei, wir Katholiken aber an sieben Sakramente. Da ist es nicht sehr sinnvoll, jemanden als Taufpaten zu wählen, dessen Glaube sich vom katholischen unterscheidet. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass ein evangelischer Christ die Taufe eines Kindes bezeugt. So wird die Person nicht in eine Rolle als Pate gedrängt, die sie nicht erfüllen kann, und erfährt doch eine beachtliche Wertschätzung von Seiten der Familie des Kindes.

Auch für orthodoxe Christen, also jenen, die den sogenannten Ostkirchen angehören, besteht die Möglichkeit, Taufzeuge zu sein.

In gewissen Fällen ist es hierbei sogar möglich, dass orthodoxe Christen neben einem katholischen Paten als weiterer Taufpate fungieren. Dies sollte aber im Vorfeld immer mit dem Spender des Sakraments, dem Priester oder Diakon, geklärt werden.

Es empfiehlt sich generell, vor der Feier der Taufe, bspw. beim Taufgespräch, gegenüber dem Diakon oder Priester zu erwähnen, dass man beabsichtigt, die Möglichkeit eines Taufzeugen in Anspruch zu nehmen. Diese Person kann im Rahmen der gebotenen Möglichkeiten in die Feier miteinbezogen werden und bspw. ein besonderes Gebet für den Täufling sprechen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Stephan Fraß

    Ich bin Theologe und arbeite bei der Katholischen Jugend der Erzdiözese Wien. Dort bin ich als Bildungsreferent unter anderem für die thematischen Schwerpunkte Firmung, Weiterbildung und Ökumene zuständig. Auf meinefamilie.at darf ich mein Fachwissen über die Taufe einbringen.



5 Kommentare
  • Norbert Weiß email:norbert_weiss@web.de, 10. Oktober 2017, 11:04 Antworten

    Zu Ihrem obigen Artikel: Kann ein getaufter Kath. Christ, der aber aus der Kirche ausgetreten ist bei einem röm. kath. zu taufenden Neffen Taufpate, bzw -zeuge werden? Besten Dank

    • meinefamilie.at, 10. Oktober 2017, 14:44 Antworten

      Lieber Herr Weiss, Taufzeuge können Sie sein. Wenn Sie Taufpate werden möchten, treten Sie bitte wieder in die Kirche ein. Infos unter http://www.eintreten.at/.

  • Tanja Oberacher, 18. März 2018, 18:17 Antworten

    Wir hätten gern 3 taufpaten für unseren sohn, ist dies möglich?

    • meinefamilie.at, 19. März 2018, 10:31 Antworten

      Hallo Tanja! Grundsätzlich darf es nur einen Taufpaten oder eine Taufpatin geben. Unsere Kollegen der Erzdiözese Wien haben hier die FAQs zur Taufe zusammengestellt: https://www.erzdioezese-wien.at/fragen-zur-taufe Liebe Grüße, meinefamilie.at

  • Natascha Fischer, 8. August 2018, 19:40 Antworten

    Wir sind eine patchworkfamilie und mein grösser Sohn und ich sind katholisch. Mein lebensgefährte ist evangelisch. Jetzt wollen wir unseren gemeinsamen Sohn katholisch taufen lassen . Allerdings ist die Schwester meines Lebensgefährtin evangelisch und meine Freundin die auch patin werden soll ist leider nicht getauft und gehört keiner Kirche an. Wäre allerdings bereit in die Kirche einzutreten damit sie ihr Amt ausführen kann als patin . Frage geht das und muss sie sich dafür taufen lassen....

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