24. Oktober 2016

Wir feiern den Tauftag als Festtag

Tauftag feiern - meinefamilie.at

Wir feiern nicht nur die Taufe als wichtiges Fest, auch den Tauftag begehen wir wie den Geburtstag als Festtag.

Als Großeltern haben wir zu unseren Enkeln eine ganz besondere Beziehung. Im Gegensatz zu den Eltern müssen und wollen wir unsere Enkel primär nicht erziehen. Wir möchten für sie da sein, sie ein bisschen verwöhnen und ganz einfach unsere Zeit mit ihnen verbringen. Wenn es einmal „dicke Luft“ zu Hause gibt, haben die Enkelkinder bei Oma und Opa immer einen Ort, an dem sie ein Gefühl der Geborgenheit empfinden.

Das hat schon bei der Taufe begonnen. Bei unserem ersten Enkel Michael schöpften wir Wochen vorher an den Jordanquellen bei Caesarea Philippi frisches Taufwasser. Gilt doch dieses Wasser  als geheiligt, da schließlich Jesus von Johannes im Jordan getauft wurde.

Einladung zur Taufe

Am festgelegten Tauftermin in Jerusalem waren wir jedoch mit einer Pilgergruppe auf den Spuren der Bibel engagiert. Nach kurzem Überlegen trafen wir einen Entschluss: Wir laden einfach die Gruppe mit zur Taufe ein. Der Reiseleiter, ein deutscher Pfarrer, reagierte begeistert: „Wenn ihr wollt, kann ich dazu die Orgel spielen.“ Unserer Tochter Mirjam und ihrem Mann Hanna war dieser Vorschlag mehr als recht. Und so kam es. Bischof Younan, der Onkel unseres Schwiegersohns, spendete die Taufe. Mit den beiden Paten und den Eltern sprachen wir  zusammen mit 35  Pilgern im Namen des Täuflings das Glaubensbekenntnis und widersagten damit in seinem Namen allen Verlockungen des Bösen.

Als das Taufwasser dem Kind dreimal mit den Worten „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ über die Stirn gegossen wurde, erhielt unser Enkel das unauslöschliche Siegel der Gotteskindschaft in seiner Seele. Denn durch diese unauflösbare Gemeinschaft mit Jesus Christus hatte nun die Erbsünde ihre Macht über den Täufling verloren. Zum Zeichen dafür wurde Michael ein weißes Kleidchen angelegt, war doch seine Seele jetzt so weiß wie Schnee.

Erinnerung an die ersten Taufen

In diesem Moment erinnerte ich mich an die Taufliturgie der ersten Christen. Auch ihnen wurde ein weißes Gewand übergestülpt, sobald sie nach dem Ganz-Tauchbad im Baptisterium auf den sieben Stufen der Taufkapelle herausgestiegen waren. Ein Zeichen für die sieben Gaben des Heiligen Geistes: die Gaben der Weisheit und der Einsicht, des Rates und der Erkenntnis, der Stärke, der Frömmigkeit und der Gottesfurcht. Anschließend reichte man damals den Neugetauften Milch und Honig, die Speise der „Kinder Gottes“, in Erinnerung daran, dass die Israeliten das „Gelobte Land“ betraten.

Anschließend trug man ihnen die Mahnung des Apostels Paulus an die Philipper auf: „Euer Wandel sei allezeit im Himmel.“ Diese Worte hatte der Völkerapostel in abgewandelter Weise bei den römischen Legionären gehört. Während diese die Hauptstadt verließen, wurde ihnen zugerufen: „Euer Wandel sei immer in Rom!“ Sie sollten sich stets bewusst als römische Bürger verhalten, wo immer sie sich in der Fremde aufhielten. Mit einem ähnliche Code im Herzen – „Euer Wandel sei allezeit im Himmel“ – sollten sich die ersten Christen aus dem Taufbewusstsein heraus in jeder Lebenssituation als Bürger des Himmels erweisen und sich von den Bürgern dieser Welt unterscheiden.

Damit sie diesen Lebensspruch nie vergaßen, wurde ihnen ein Christus-Symbol als Tattoo in die Haut eingebrannt.

Tauftag ein Festtag wie unser Geburtstag

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Das „aus der Taufe gehobene“ Gotteskind Naomi in ihrem Taufkleidchen. © Emmanuel Fleckenstein

In Anlehnung an diesen urchristlichen Brauch gaben wir unseren Kindern und Enkelkindern eine Ikone in Bezug zu ihrem Namen mit einem entsprechenden Wahlspruch mit auf den Weg. Unsere jüngste Enkelin Naomi Marie Louisa erhielt eine Marienikone mit dem Text „Liebe Naomi Marie Louisa, zu deinem Tauftag am 06. August 2016 schenken wir dir diese Ikone, die wir an unserem Hochzeitstag vor 35 Jahren am 8. Dezember 1981 erhielten. So wie Maria ihr göttliches Kind auf ihrem Armen trägt, so möge auch dich die Gottesmutter in allen Lebenslagen schützend an ihr Herz drücken, auf dass du immer mehr Jesus ähnlich wirst und so vielen Menschen Trost, Freude und Hoffnung schenken kannst“.

Bei all unseren vier Enkelkindern markierten wir mit einem dicken Stift ihr Taufdatum in unserer Familienchronik. Dabei erinnerten wir uns an die Hausaufgabe, die Papst Franziskus uns Christen bei einer General-Audienz am 8. Januar 2014 aufgegeben hat:

Wir sollten den Tauftag wie unseren Geburtstag als ein Festtag begehen. Weil wir als Christen berufen seien, unsere Taufe jeden Tag als aktuelle Wirklichkeit in unserem Leben zu bezeugen.

 

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EIN ARTIKEL VON
  • Karl-Heinz Fleckenstein

    Als ich das erste Mal 1981 eine Pilgergruppe ins Heilige Land führte, fand ich meine Ehefrau Louisa. Seit dieser Zeit führen wir gemeinsam Pilgergruppen auf die Spuren der Bibel. Als Theologe und Reiseleiter fand ich hier auch meine “wahre” Heimat.


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