Regina Magdalena Smrcka

Regina Magdalena Smrcka "Mein Tagebuch"

Achtung vor dem Leben vermitteln - meinefamilie.at
21. Dezember 2017

Wie lehre ich mein Kind die Achtung vor dem Leben?


Wir sitzen am Küchentisch und hören lautes Plätschern aus dem Badezimmer. Puppengeschirr abwaschen, minutenlang mit voll aufgedrehtem Wasserstrahl Hände waschen, dass Wasser rinnen lassen beim Zähne putzen, all das macht unserem Kind großen Spaß. Doch innerlich warte ich schon auf den Tadel meines Mannes. Denn als ehemaliger Entwicklungshelfer in einer Gegend, in der sauberes Wasser nicht selbstverständlich ist, ist ihm unnötige Wasserverschwendung ein Gräuel.

Wie merkt mein Kind, was nicht selbstverständlich ist?

Meine Mutter – die den Krieg noch miterlebt hat – mag es nicht, wenn unser Sohn mit dem Essen spielt.

Ich dagegen frage mich manchmal, wie ich unserem Kind beibringen soll, dass es nicht selbstverständlich ist, in Frieden und Reichtum zu leben.

Denn im Vergleich zu anderen Ländern sind wir reich, auch wenn wir noch immer auf 50m² zusammengepfercht wohnen. Einerseits beneide ich mein Kind um diese unbesorgte, glückliche Kindheit, anderseits sorge ich mich, wenn ich an die Welt da draußen denke. Doch noch überwiegt der Gedanke an Schutz und Geborgenheit. Schließlich geht es hier nicht um lebensbedrohliche Dinge wie das Lernen, sich im Straßenverkehr richtig zu bewegen.

Spenden und für Obdachlose sorgen

Als es kälter wird und die Aufrufe der Obdachlosenheime nach Spenden immer öfter erfolgen, finde ich eine Antwort auf meine Fragen. Zuerst bringen wir dem Augustin-Verkäufer, der mich täglich freundlich grüßt, gemeinsam einen Nikolo-Sack. Dann sortiere ich alte Handtücher, Bettwäsche und Decken aus, bringe sie ins Obdachlosenheim und erkläre unserem Kind, dass es Menschen gibt, die kein Zuhause haben. Und wir beginnen, ihn spielerisch in die Mülltrennung einzubeziehen.

Die Achtung vor dem Leben zu lehren beginnt mit kleinen Schritten. Und irgendwann wird der Samen aufgehen!

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EIN ARTIKEL VON
  • Regina Magdalena Smrcka

    Als Sozialarbeiterin spezialisierte ich mich auf die Betreuung von schwerstbehinderten Kindern. Als Ausgleich unterrichtete ich Kinderturnen. Jetzt unterstütze ich meinen Lebensgefährten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam haben wir einen Sohn.


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