Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

Wie der Schulstart nach der „Quarantäne“ gelaufen ist
19. Mai 2020

Wie der Schulstart nach der „Quarantäne“ gelaufen ist


Zumindest die letzten Tage haben wir als Familie auf den Schulbeginn am 18. Mai hin gefiebert. Wie würde es sein, wie würde es sich für die Kinder anfühlen? Jetzt wissen wir mehr. Die Informationen aus den Schulen prasseln schon seit geraumer Zeit auf uns ein. Wir wissen schon seit Wochen, in welcher Gruppe unsere Mädels sind, wann sie „Präsenz-Schule“ haben und wann die Hausaufgaben zu erledigen sind.

In den letzten Tagen sind, zumindest bei unserer Jüngeren (8 Jahre) Videos hereingeschneit, in denen das genaue Verhalten in und außerhalb der Schule dargestellt wird. Es spricht die Direktorin, die die Sache über die letzten Wochen wirklich sehr gut gemanagt hat. Unsere „Kleine“ nimmt das Video gut an. Es ist ihr soweit alles verständlich. Als es von der grauen Theorie des Videos in die Umsetzung ging, also am Montag, war zumindest mir etwas mulmig zumute. Schließlich bin ich der, der sie ansonsten Tag für Tag in die Schule bringt. Zumindest bisher und in Normalzeiten.

Am ersten Tag des Schul-Neustarts

Trotz genauester Information bleiben für mich Unklarheiten. Wo weit darf ich meine Tochter begleiten? Zum Glück klärt sich diese Frage schnell. Da der Eingang für die Gruppe A hinter die Schule auf den Pausenhof verlegt wurde, ist die Situation selbsterklärend. Die Umzäunung des Pausenhofes ist die „Grenze“ für die Eltern. Alle halten sich daran.Von der Ferne aus sehe ich zu, wie alles abläuft. Jedes Kind kann sich eine kleine, auf den Straßenboden des Pausenhofs aufgemalte Blume aussuchen. Da das schon im Video erklärt wurde, funktioniert das reibungslos. Klar ist jedenfalls, dass der notwendige Sicherheitsabstand damit auch spielerische Weise vermittelt wird.

Am hinteren Schultor stehen eine Lehrerin und die Direktorin selbst. Sie begrüßen die Kinder und tragen dabei eine Schutzmaske. Dass die Begrüßung verbal vollzogen und auf den Handschlag verzichtet wird, versteht sich von selbst.

Nachdem die Schülerinnen und Schüler dann schließlich die Hände desinfiziert hatten, durften sie schrittweise und einzeln in die Schule gehen.

Es war komisch …

Bei unserer Großen (11) hatte ich naturgemäß weniger Einblick. Sie hat sich selbst auf den Weg in die Schule gemacht. Nur zögerlich komme ich zuhause zu Informationen, wie es heute bei dir gelaufen ist. Es sei „sehr komisch“ gewesen, meint sie schließlich. Vor allem, dass man immer, wenn man aufsteht, die Schutzmaske anziehen musste, hat sie zumindest irritiert.

Auch der Start mit den Lehrern scheint nicht durchgehend gelungen zu sein. Während unsere Kleine erzählt, dass die Lehrerin sehr freundlich war und viel mit ihnen geredet hat, berichtet die Große zum Teil davon, dass Lehrer Kritik an der Corona-Zeit geübt haben und ihre Art und Weise der Schüler-Online-Mitarbeit kritisiert haben.

Bei der Kleinen haben sich zumindest die Spiele verändert. In der Pause habe man „Schattenfangen“ gespielt, was dank dem guten Wetter und strahlenden Sonnenschein möglich war. Berührt hat man sich dadurch nicht. Wie es in der Schule war, wissen wir zu wenig. Unsere Mädels schweigen dazu zu manchen Aspekten. Weil sie uns nicht alles erzählen wollen? Oder weil sie nicht über alles reden können?

Haben sie ihre Freundinnen nach einem Wiedersehen nach so langer Zeit gedrückt oder nicht? Haben sie Lehrer dazu aufgefordert Abstand zu halten? Das alles entzieht sich unserer Kenntnis.

Und: Jeden Teilaspekt müssen wir wohl auch nicht wissen. Wir wollen aber verstehen, ob sich die sogenannten „Neue Normalität“ für sie so normal anfühlt, dass die Schule zu einem Teil des Alltages wird. So sehr, dass auch freudige Aspekte daran wieder zugelassen werden können. Oder ist es mit den ewigen Sicherheitsabständen und den vielen Regeln einfach nur eine verkrampfte und mühsame Sache, die niemals selbstverständlich und normal werden wird?

Die Maßnahmen sind jedenfalls gesetzt und auch notwendig. Die Umsetzung der theoretischen Vorschriften auf die praktische Ebene eines Schulbetriebes scheint weitestgehend gelungen und ist von viel Mühe und Eifer getragen.

Dennoch, rein emotional berührt es mich, Kinder mit Schutzmaske von der Schule kommen zu sehen. Unter den zwar meist liebevoll gestalteten Masken schauen die meisten Kinder dennoch nicht glücklich ist. Sie scheinen aber, bei unserer Tochter ist es mir klar, den Grund dafür verstanden und verinnerlicht zu haben. Schwieriger wird es wohl dann sein, dann wieder zur Normalität zurückzukehren. In eine Zeit, in der man sich wieder ganz normal berühren darf.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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