Henny Lang

Henny Lang "Mein Tagebuch"

Wenn sich zwei streiten - meinefamilie.at
11. August 2017

Wenn sich zwei streiten, braucht’s Kompromisse


Wenn eine 3-Jährige zwei 6-Jährigen erklärt, was Kompromisse sind, dann ist das nicht nur beachtlich, sondern grenzgenial.

„Die Playmobil-Insel gehört zwar dir, Maxi, aber wenn die Mia grad damit spielt, darfst du sie ihr doch nicht einfach wegnehmen. Du hast gar nicht gefragt!“ So oder ähnlich hat alles begonnen.

Die beiden Großen schauen die Kleine verdutzt an. „Man muss immer fragen vorher, gell Mama?“, fragt die Kleine.

Braves Kind, ich bin sowas von stolz.

Maxi sagt: „Okay. Also: Darf ich’s haben, Mia?“

Mia sagt: „Nein.“

Maxi sagt: „Aber ich hab doch jetzt gefragt!“

Mia sagt: „Na und? Mir doch egal. Ich geb’s trotzdem nicht her.“

Maxi schreit: „Es gehört mir!! Mir!! Das ist mein’s! Und ihr seid bei uns zu Besuch. Alles Spielzeug gehört uns, und das da ist meins!“

Mia brüllt: „Du bist kacka! Ich hab’s zuerst gehabt!“

Kacka – das ist zu viel. Maxi hält die Wut im Bauch nicht mehr aus und greift nach dem Objekt der Begierde. Die Rauferei geht los. Jeder zieht an der Playmobil-Insel. Beide brüllen und heulen.

Die 3-Jährige Zoe steht daneben, schaut mich an, und wir schütteln die Köpfe. „Was mach ma jetzt, Zoe?“ frag ich. „Hast du eine Idee?“

„Klar“, sagt Zoe. „Zuerst zählen wir.“

Wir zählen laut: „1…2…3…“ Bei 10 gibt’s immer eine Bestrafung, das wissen alle Kinder bei uns. Eisverbot, Schokoverbot, kein Fernsehen heute, sowas eben. Bei 7 war endlich Ruhe. „Hinsetzen, zuhören“, sage ich. Jeder sitzt in seiner Ecke auf den Stiegen, die Tränen fließen immer noch über die Wangen.

Zoe findet die Lösung

„Du bist dran, Zoe!“

Zoe baut sich vor den beiden auf, stützt die Hände auf die Hüften und erklärt: „Könnt ihr nicht zusammen damit spielen?“

Beide Großen: „Nein, neeiieen!“

Zoe legt los: „Und wenn zuerst der Maxi damit spielt, dann gibt er’s der Mia, und ihr spielt nacheinander damit?“

„Ich könnte ja am Handy den Wecker stellen“, schlage ich vorsichtig vor. „Und wenn er läutet, müsst ihr tauschen. Das ist doch fair, oder?“

Die Großen überlegen.

„Nein!“

Zoe ist wieder dran: „Können wir uns aus deinem Zimmer etwas anderes zum Spielen nehmen, Maxi, und du behältst die Insel?“

Maxi überlegt. „Schauen wir mal.“

Im Zimmer entdeckt Mia sofort die Playmobil-Piraten-Burg. „Die will ich.“

Maxi: „Nein! Die nicht!“

Zoe schreitet wieder ein: „Okay, dann nimmst du halt die Piratenburg, dafür kriegt Mia die Insel.“

Kompromiss Nummer zwei. Klasse, Zoe-Maus!

„Du kannst ja nicht mit beidem spielen, oder?“ meint die 3-Jährige altklug und verdreht die Augen.

Schlaues Kind.

Maxi weiß zwar, dass die Kleine Recht hat, aber sich für ein Spielzeug zu entscheiden, ist ganz schön ungemütlich.

Maxi: „Ok, du kriegst die Insel und ich die Burg.“

„Großartig“, sag ich. Es geht also auch ohne Brüllen, Heulen und Kratzen. Jetzt habt ihr euch alle ein Stück Schokolade verdient. Das war anstrengend. Habt ihr toll gelöst.“

Schokoladenpause – und weiter geht’s

5 Minuten nach der Schokoladenpause, ich hatte mich grad wieder an den Computer gesetzt, geht das Gezanke erneut los.

Mia will partout nicht, dass Maxi in ihrer Nähe spielt und sie stört. Er soll verschwinden. Allein seine bloße Anwesenheit mache ihr Spiel kaputt, meint sie. „Und Krieg spielen mag ich sowieso nicht!“

Maxi antwortet mit: „Peng! Peng! Los, kämpfen wir! Oder bist du ein Kacka-Feigling?“ – „Maaamaa!!“, schreit Mia.

Zoe und ich schauen uns an. „Was mach ma, Zoe?“ Die 3-Jährige überlegt wieder. Sie ist sichtlich begeistert davon, dass ich nicht gleich ein Urteil fälle, sondern erst sie nach einer Idee frag. Außerdem warten die Großen immer gespannt, was Zoe sagen wird. Und das ist für die Kleine doppelt toll.

„Wie wär’s, wenn ich die Wache spiele?“ – „Wache?“ – „Ja, der Maxi spielt oben auf der Treppe und die Mia unten, und ich steh in der Mitte und pass auf.“

Noch ein Kompromiss

Kompromiss Nummer drei. Das mit der Wache finden alle spitze.

„Und wenn du fertig bist mit Wache-Sein, dann spielst du mit mir, okay Zoe?“ fragt Maxi. Wow, der 6-Jährige hebt die 3-Jährige in den Adelsstand. Ein Bub, ein älterer Bub, spielt lieber mit ihr als mit der großen Schwester.

Mia schmeckt das dagegen gar nicht. Maxi ist ihr Freund, er ist gleich alt.

„Nein! So geht das nicht! Ich spiel mit Maxi und dann vielleicht mit dir!“

„Ich will aber lieber mit der Zoe spielen“, sagt Maxi, „geh weg!“

Die 3-Jährige schaut wieder zu mir rüber. Sie zuckt mit den Schultern und flüstert mir zu: „Jetzt kann ich mir nix mehr ausdenken, Mama.“

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EIN ARTIKEL VON
  • Henny Lang

    Ich bin Mutter zweier Mädchen (5 und 7 Jahre alt), lebe in Wien und arbeite seit 2001 als freie Journalistin und TV-Redakteurin. Hobbymäßig bin ich Malerin, veranstalte Vernissagen zu meinen Bildern und Bastelnachmittage mit Kindern ganz privat bei mir zuhause.


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