Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

als man nicht kochen - meinefamilie.at
27. Oktober 2018

Wenn man als Vater nicht kochen kann


Die Rollen haben sich verschoben. Schon längst nicht mehr steht die Frau tagein und tagaus mittags hinter dem Herd und verpflegt den hungrigen Nachwuchs. Das stellt Männer vor ganz neue Herausforderungen.

Heimlich träumt wohl auch der Mann davon, der mit Gleichberechtigung überhaupt kein Problem hat und diese sogar ausdrücklich propagiert. Und zwar davon, dass man gegen Mittag nach Hause kommt, warmes und frisch gekochtes Essen auf dem Tisch steht, man selbst nur noch schnell in die Hauspatschen schlüpfen muss und dann nur noch zu Messer und Gabel greifen muss.

Natürlich ist das ein reaktionäres Szenario mit 50erJahre-Mief. Eigentlich sollte man sich als Mann ein solches Frauenbild ja eigentlich verkneifen. Das ändert aber nichts daran, dass es hin und wieder hochkommt – und man sich ja eh ohnehin augenblicklich dafür schämt und die sprichwörtliche Schere im Kopf ansetzen möchte. Der Grund dafür ist einfach: Die eigenen Kochkünste sind nur rudimentär vorhanden.

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Selbst zum Kochlöffel greifen

Dabei kollidieren auch die eigenen Ansprüche an die Kochkunst mit den eigenen verkümmerten bzw. unterentwickelten Kochfertigkeiten. Regional soll es sein, frisch geschnitten und gekocht, mit ganz viel Liebe und kleinen Raffinessen zubereitet und auf den Teller gezaubert. Besondere Herausforderungen stellen sich freilich noch zusätzlich, wenn man für Kinder kocht: Neben den genannten Eigenschaften soll das Essen auch noch auf kindgerechte Weise gesund und abwechslungsreich sein.

Man fühlt sich schlecht, wenn man kein gesundes Essen für die Kinder kochen kann.

All das ist schwer zu halten, wenn man in seinem Gericht-Portfolio lediglich Spaghetti mit Fertigsauce, Toast und Artverwandtes stehen hat. Bei den langen Minuten, die Vater dann am Herd verbringt, laufen regelrechte innere Dramen-Monologe ab. Wieder besseren Gewissens kocht man dann doch zu oft Essen für die Kinder, das der eigenen Faulheit und Koch-Unwilligkeit denn dem Anspruch geschuldet ist, für die eigenen Kinder nur das Bestmögliche zu kredenzen zu wollen. Man fühlt sich schlecht dabei und entkommt dieser Situation dennoch nicht. Denn zum Kochen-Lernen fehlt wiederum dann rein faktisch die Zeit.

Zum Glück gibt es Schulkantinen?

Nun könnte die Sache rational angegangen werden. Im Wissen, dass es Schulkantinen gibt, bei denen man das Essen vorab bestellen kann, ließe sich von einer nachträglichen Balance sprechen. Kocht der Vater zuhause eher mittelmäßig und mittelmäßig-gesundes, dann lässt man den Sprösslingen wenigstens in der Schule gesundes Essen zukommen. Im Großen und Ganzen würde sich alles die Waage halten und die Kinder würden bestens genährt und quietschvergnügt durchs Leben hüpfen.

Über den eigenen Schatten springen

Tatsächlich ist aber gut und frisch kochen keine Kunst mehr. Man muss sich eigentlich nur Zeit nehmen. Sinnvoll ist es womöglich am Wochenende, bevor der Stress der Arbeitswochen über einen hereinbricht, wichtige und frische Zutaten einzukochen. Denkbar auch, dass man sich einen Wochenplan macht, was wann von wem gekocht auf den Tisch kommen sollte. Als Vater darf man sich, sofern man es eben nicht gelernt hat, auch langsam an die wunderbare Welt des Kochens herantasten.

Als Vater darf man sich auch an die wunderbare Welt des Kochens herantasten.

Dass es mittlerweile APPs gibt, die einen unterstützen, sollte auch nicht unerwähnt bleiben. Mann muss sich nicht mehr lange durch Kochbücher blättern, sondern kann sich mit den im Kühlschrank vorhandenen Zutaten machbare Gerichte empfehlen lassen.

Also, liebe Männer: Ihr müsst euch eigentlich nur ein bisschen interessieren, informieren, organisieren und über euren eigenen Schatten springen. Dann klappt das auch mit dem Kochen und der Erfüllung der eigenen hohen Ansprüche an gesundes Essen.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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