Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

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7. August 2020

Wenn das Kind zu einem Elternteil tendiert


Es ist sowohl für Mutter als auch Vater schwer, wenn das Kind eindeutige Tendenzen zu einem Elternteil zeigt. Noch komplexer wird es, wenn der offenbar bevorzugte Elternteil in einer bestimmten „Funktion“ steht.

Bisher war alles relativ einfach. Natürlich war es von Zeit zu Zeit so, dass ein Elternteil der „Böse“ war und eine gewisse Zeit links liegen gelassen wurde. Aber bei unserer Tochter (12) ist es mittlerweile eindeutig, dass Mama zu oft die „Böse“ ist und Papa zu oft die Rolle des „Guten“ übernimmt. Im Alltag, also unterm Jahr mit Schule und Co., ließ sich dieses Problem noch einigermaßen kompensieren. Da gab es von Zeit zu Zeit Mama-Tochter-Ausflüge, die die Beziehung untereinander wieder veränderte und verbesserte. Zudem glaubten wir, dass es bis zu einem gewissen Grad normal sei, dass sich Töchter eher an Müttern reiben als an Vätern. Das glauben wir zwar immer noch, aber es hat in den letzten zwei Wochen eine neue Qualität erreicht.

Das Anbrechen von anderen Zeiten

Und das kam so: Für gewöhnlich sind unsere Mädels im Sommer einige Wochen auf „Sommerfrische“ bei Oma und Opa. Und zwar mit Mama, die das große Glück hat, dass sie ihre Überstunden und sonstigen freien Tage im Kontext der Sommerferien abbauen kann. Das tat allen Seiten gut: Papa konnte ruhig arbeiten und fand auch die eine oder andere freie Minute für sich, Mama konnte Abstand zu ihrem oft anstrengenden Job gewinnen.

Auch unseren Mädels (8 und 12) tat diese Zeit gut. Es war auch klar definiert, dass die Zeit exklusiv bei Oma und Opa verbracht wurde. Natürlich durchaus mit der Option, dass etwas gemeinsame Papa-Zeit möglich war. Meist kamen die Mädels eine Woche gemeinsam nach Innsbruck und genossen diese Abwechslung von der Abwechslung. In diesem Jahr war und ist es anders: Die Große (12) findet immer wieder Möglichkeiten, um allein von Oma und Opa nach Innsbruck zu reisen. Ihr Busticket ermöglich ihr das. Immer wieder vereinbart sie was mit Freundinnen in Innsbruck und übernachtet bei ihnen.

Ausflüge in die Heimat mit klarer Absicht

An sich wollten und wollen wir ihr das natürlich nicht verbieten. Unsere Tochter wird langsam „erwachsen“ und trifft eigene Entscheidungen. Dass sie ihre Freundinnen auch im Sommer treffen will, ist zudem absolut normal. Nur ist die „Funktion“ dieser Ausflüge problematisch. Meine Frau hat mir beispielsweise schon oft erzählt, dass sie sagte, wenn sie wütend war, dass sie „dann einfach zu Papa nach Innsbruck fährt“. Offenbar ist Innsbruck in dieser Zeit mit dem „Guten“ konnotiert, als ein Ort, an dem sie ihren Frust hinter sich lassen und kann und relativ frei schalten und walten darf. Sie benutzt den Ort als „Drohung“: Wenn ihr nicht so tut wie ich will, dann fahre ich eben anderswo hin.

Nun ist es wohl tatsächlich so, dass ich ein wenig weniger streng bin. Aber es ist weit davon entfernt, dass man bei mir regellos und frei leben könnte. Ich stelle klare Bedingungen an ihre Aufenthalte und an ihre Übernachtungen bei Freundinnen.

Die Freiheiten nimmt sie sich einfach, in dem sie den Ort in Innsbruck als den Ort begreift, der ihr lange Aufenthalte bei ihren Freundinnen erlaubt. Das sind dann tatsächlich Orte der Freiheit, die sich dem Zugriff sowohl der Mutter als auch des Vaters vollständig entziehen. Auch das erscheint uns legitim, verständlich und absolut nachvollziehbar. Kinder bzw. Jugendliche in einem gewissen Alter brauche solche Freiräume. Die Art und Weise, wie sie uns mit solchen Entscheidungen bei einer Freundin zu übernachten und folglich nach Innsbruck zu reisen oftmals fast schon überrumpelt gefällt uns allerdings weniger. Zudem tue ich mir schwer damit, zumindest tendenziell, in er Rolle als Vater zu stehen, der ihr diese Freiheit ermöglicht, während die Mutter in der Rolle steht es schon alleine örtlich zu verhindern.

Was können wir tun?

Den Rahmen enger definieren und mehr Strenge walten lassen? Solche Ausflüge, zumal wenn sie sich häufen sollten, auch zu unterbinden? Über Tipps in dieser Hinsicht wäre ich sehr dankbar.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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