Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

23. April 2021

Wege aus der Erschöpfung


Es gibt Licht am Ende des Tunnels. Die Impfungen scheinen zu greifen und letzten Endes sind auch die Sommerferien schon in einer gewissen Sichtweite. Dennoch macht sich bei uns als Familie eine absolute Erschöpfung breit.

Ist es die Erschöpfung auf den letzten Metern? Oder doch eine Erschöpfung und absolute Müdigkeit, die sich deshalb einstellt, weil man diese „Meter“ dazu nutzt, um zurückzublicken und dabei sieht, was alles geleistet wurde und woran man sich alles gewöhnt hat? Dabei sind Dinge dabei, die einem früher fast unmöglich erschienen: Maskenpflicht an vielen Orten, Homeschooling an allen Ecken und Ende und vor allem auch Kontaktbeschränkungen, die sehr viel von uns als Familie abverlangt haben.

Ist es also ein (vorläufiges) Ende der Kräfte, die kollektiv aufgeboten wurden oder auch einfach nur ein Straucheln auf den letzten Metern? Gut möglich auch, dass wir diesen letzten Metern nicht trauen oder dass wir einfach überladen und überfordert sind mit den all den nach wie vor auf uns einprasselnden Nachrichten.

Neue Fertigkeiten

Beim Thema Corona wollen wir umschalten, uns stattdessen lieber ein Sonntagsmärchen ansehen. Aber so ganz wegzusehen gelingt uns doch nicht. Wir schauen es uns an, diskutieren, hoffen. Etwa auf die Rückkehr des Präsenz-Unterrichts an allen Tagen vor den Sommerferien. Zugleich aber fällt uns auf, dass die Mädels (9 und 12 Jahre alt) merken, dass auch der sogenannte Schichtbetrieb so seine Vorzüge haben kann. Längeres schlafen ist nur einer davon. Die selbstständigere Zeiteinteilung ist ein weiterer Aspekt.

Doch auch das hat uns, vor allem uns Eltern, Kraft gekostet. Es galt in dieser Schulbetriebs-Art mehr als je zuvor Flexibilität und Motivationskünste zu beweisen.

Zu bemerken, dass unsere größere Tochter diesen Schulbetrieb zwar schätzt, aber dabei Gefahr läuft alles etwas zu sehr „laufen“ zu lassen und dabei den Blick für das Wesentliche zu verlieren forderte von uns Projektmanagement-Fertigkeiten heraus, die wir uns erst aneignen mussten.

Auswege

All das belastet. Die Summe des Erlebten und Erlernten ist im Moment weniger positiv, denn ein Zuviel. Der Abstand fehlt uns, die leichtfüßige reflexive Ebene. Eher ist es ein Zustand des Zuviels, das Zeitpunkts, dass ab jetzt wieder alles normal und wie früher sein sollte. Aber selbst dann wären die letzten Monate nicht einfach so von der Bildfläche verschwunden.

Das ist es aber wohl, was wir tun sollten. Abschalten. Vergessen. Neu anfangen. Und das Absolute dieser um sich greifenden Müdigkeit abschütteln. Das war relativieren aber nicht verharmlosen.

Gut möglich, dass dann ein Neustart gelingen könnten. Denkbar, dass es auch wichtig sein wird, dass man nicht mehr in jedem Gespräch mit Freunden oder Bekannten zum Thema Corona zu kommen. Auch das werden wir wieder lernen müssen: Das unbeschwerte Reden über unbeschwerte Themen. Über persönliche Interessen. Über Nichtigkeiten. Über weniger als über das Thema, das uns alle so bewegt hat und noch immer bewegt.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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