Henny Lang

Henny Lang "Mein Tagebuch"

Verstehen lernen, was unsere Kinder wirklich meinen - meinefamilie.at
6. Juli 2017

Wie wir verstehen lernen, was unsere Kinder wirklich meinen


Dies ist eine Geschichte über zwei Geschichten, aus denen wir Eltern nur lernen können. Denn es ist schon eine Kunst, die Sprache der Kinder richtig zu verstehen.

Bei seinem ersten Besuch im Kindergarten schaute sich ein Kindergarten-Kollege meiner Töchter die Zeichnungen an der Wand an und fragte dann mit lauter Stimme die Tante: „Wer hat diese hässlichen Bilder gemalt?“

Man konnte die Mutter vor Verlegenheit rot werden sehen. Sie beeilte sich, ihrem Sohnemann zu erklären: „Das ist aber nicht nett, die Bilder von anderen hässlich zu nennen. Jeder malt halt, so gut er kann.“

Wahrscheinlich hätte ich ebenso reagiert, doch in dem Fall wurde ICH eines Besseren belehrt. Denn die Kindergartenpädagogin verstand den Sinn der Frage genau richtig. Sie lächelte und meinte: „Hier musst du nicht schöne Zeichnungen machen. Wenn du Lust hast, kannst du auch hässliche Bilder malen.“

Und da strahlte der Bub, denn er hatte die passende Antwort darauf erhalten, was er mit seiner Frage eigentlich wissen wollte. Nämlich: Was passiert mir, wenn ich nicht so gut zeichnen kann?

Keines der Kinder, diese Bilder gemalt hatten, wurden bestraft. Im Gegenteil, die Bilder wurden so aufgehängt, dass jeder sie sehen kann.

Was passiert, wenn ich Fehler mache?

Die zweite Geschichte spielte in einem Ferienlager mit Indoor-Spielraum. Als ich meine Kinder dort abgegeben hatte, hörte ich einen Bub seine Mama ganz entrüstet fragen: „Wer hat da dieses Feuerwehrauto kaputtgemacht? Wer war das?“ Die Mutter gab zur Antwort: „Das geht dich doch nichts an. Du kennst doch hier niemanden.“

Aber der Bub war gar nicht am Namen des Schuldigen interessiert. Wer das war, das war ihm eigentlich egal. Die Frage war nur missverständlich formuliert. Die Leiterin der Spielegruppe aber verstand zum Glück, was er wirklich meinte und sagte:

„Spielzeug ist zum Spielen da. Und manchmal geht es kaputt. Das kann vorkommen.“

Und siehe da, der Bub war zufrieden und ging mit der Frau mit zum Spielen. Er hatte durch ihre Antwort herausgefunden: Die Frau ist nett, sie wird nicht schnell böse, sogar dann nicht, wenn man ein Spielzeug zerbricht. Also brauch ich mich hier nicht zu fürchten. Da bleib ich gern.

Ich für meinen Teil habe aus diesen Geschichten eine Menge dazu gelernt.

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EIN ARTIKEL VON
  • Henny Lang

    Ich bin Mutter zweier Mädchen (5 und 7 Jahre alt), lebe in Wien und arbeite seit 2001 als freie Journalistin und TV-Redakteurin. Hobbymäßig bin ich Malerin, veranstalte Vernissagen zu meinen Bildern und Bastelnachmittage mit Kindern ganz privat bei mir zuhause.


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