Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

schulverweigerer - meinefamilie.at
11. November 2018

Was tun, wenn die Schule keine Freude bereitet?


Irgendwie merkt man es selbst. Solche oder ähnlichen Sprüche sind auch ein bisschen heiße Luft. Reine Bildung, vor allem im Bereich der schönen Künste, der Geschichte und der Kultur bringen einem später im Berufsleben wenig bis nichts. Dass man in der Schule darüber hinaus auch einiges an Unnützem lernt und, ob der großen Menge an Informationen, auch vieles wieder vergisst, liegt auf der Hand. Dennoch ist die Schule in dieser Form ein Teil unseres Systems. Wer in diesem System nicht funktioniert, das zudem auch noch nach strengen Leistungskriterien aufgebaut ist, der fällt irgendwann aus dem System heraus. Dann ist von Schulabbrechern, später von Bildungsverlierern die Rede. Eigentlich wäre in diesem Kontext aber der Begriff Bildungs- oder Schulverweigerer aber treffender.

Was wird da eigentlich verweigert?

Bildung ist Wissen. Wissen ist Macht. Nämlich die Macht, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Wer Begriffe, Theorien, Erzählungen und geschichtliches Wissen hat, kann das Hier und Jetzt anders und besser begreifen, anders einordnen und vergleichen. Einiges im Umfeld kann berechnet und analysiert werden. Dieser analytische Blick hilft beim rationalen Denken.

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Bildung bereitet uns bestenfalls auch auf das Berufsleben vor. Wir lernen zunehmend Diskurse und Sprechweisen kennen, die beispielsweise im Bereich eines Unternehmens vorherrschend sind. Dadurch wird klar, wie dieses Segment, als zentraler Teil unserer Gesellschaft, tickt und was dort von einem erwartet wird.

Kinder verweigern die Schule, wenn diese neue Weltwahrnehmung nicht mit ihrer bisherigen übereinstimmt.

Natürlich sind das Erwachsenen-Worte und Erwachsenen-Überlegungen. Aber es ist wohl deutlich zu sehen, dass sich Kinder verweigern, wenn der Bruch von ihrer eigenen Weltwahrnehmung hin zur Weltwahrnehmung durch schulisches Wissen zu rasch vonstatten geht und daher nicht nachvollziehbar ist. Anders formuliert: Sie sehen den „Sinn“ des schulischen Wissens schlicht und einfach nicht. Sie wollen an der „Welt“ und an ihrem Umfeld lernen und begreifen nicht, dass sich die Welt und ihr Umfeld durch Wissen verändert. Womöglich ist es auch genau das, was Kinder intuitiv befürchten.

Nicht allein Schuld des Kindes

Allein diese Überlegungen zeigen schon, dass die „Schuld“ nicht allein beim Kind zu suchen ist. Oftmals wirkt die Schule abgehoben, hermetisch, von der „Welt“ des Kindes insoliert. Ein bisschen scheint es manchmal eine Vertreibung aus dem „Paradies“ zu sein, hin zum sogenannten „Ernst des Lebens“. Dieser „Ernst des Lebens“ behauptet, dass das vermittelte Wissen wichtig sei, während das Kind manchmal ganz anderer Meinung ist. Zug um Zug ordnet es sich aber dieser Behauptung unter – zumal wenn es im Schulsystem funktioniert und bereit ist, das zu tun.

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Tut es das nicht, dann wird es aufmüpfig, unzufrieden, frustriert sein. Es wird vor allem deshalb frustriert sein, weil es seine ureigene Kreativität und seinen kreativen Weltzugang und Weltumgang nicht mehr einsetzen darf. Das Kind wird in ein Denken eingeübt, das ihm fremd ist.

Was tun?

Die Schule müsste da eigentlich (auch) in die Pflicht genommen werden. Aber auch den Eltern obliegt es, den Kindern die Notwendigkeit von schulischer Bildung nachzubringen. Und sei es auch nur aus „pragmatischen“ Gründen. Womöglich sollten sich Eltern, falls nicht anders möglich, die „Praxistauglichkeit“  gewährleisten und das oftmals abstrakte Wissen in der „Praxis“ überprüfen. Dann ist vielleicht der „Schock“ im Übergang des kindlichen Wissen-Systems zum schulischen Wissen-System nicht ganz so stark.

Also: Hinausgehen und das Wissen überprüfen! Man kann beispielsweise Pflanzen benennen, Musiktheater ansehen. Bei zweiterem eröffnen sich dem schon etwas älteren Kind womöglich durch die Schule vermittelte Bezugsräume. Klingt die Musik eher nach Beethoven oder nach Mozart? In welchem Stil malt ein Maler?

Was verändert sich, wenn englischsprachige Musik höre und die Texte plötzlich verstehe? Auch das wäre eine mögliche „praktische“ Anwendung des Schulwissens.

Natürlich kann man „Wissen“ auch vorleben. Wie oft greift man zu Büchern, welches Wissen generiert man als Erwachsener daraus. Wie ist Bildung im Alltag integriert? Was wird im Fernsehen geschaut?

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EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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