Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

gesellschaft kinder - meinefamilie.at
29. April 2019

Was sagt es über eine Gesellschaft aus, wenn Kinder aus Restaurants verbannt werden?


Jetzt ist schon wieder was passiert. Eine Café-Besitzerin in Deutschland wünscht sich die Abwesenheit von Kindern unter 6 Jahren in ihren Räumlichkeiten. Dafür hat sie einen veritablen Shitstorm geerntet. Doch was bedeuten solche Verbote wirklich?

Es liegt nahe an dieses Phänomen mit den Werkzeugen der Marktlogik heranzugehen. Menschen, die in diesem System agieren, zumeist sind es Consulting-Führungskräfte, Marketing-Denker und natürlich Unternehmer selbst, beackern nämlich einen Markt, den es zu analysieren gilt. Die größte Anstrengung dieser Analyse gilt der Vermeidung von Amorphie. Je mehr man über die Konsumenten weiß, desto maßgeschneiderte können Produkte oder Dienstleistungen an Mann und Frau gebracht werden.

Eine weiterer Logikaspekt des Marktes ist die Generierung von Unterscheidungsmerkmalen. Wer das Gleiche wie andere anbietet, der geht tendenziell unter, weil er eben keinen sogenannten „USP“ zur Hand hat.

Daraus resultieren oft Nischen, die punktgenau beworben werden können. Ein gutes Beispiel diesbezüglich sind Kinderhotels bzw. Familienhotels oder auch Orte ohne Kinder. Letztere sind Lokalitäten oder auch Hotels, an denen Eltern sich eine Auszeit von ihren Kindern nehmen könne, die zwar zuckersüß und unendlich wertvoll sind, aber von Zeit zu Zeit auch an den Nerven der Eltern zerren.

Unschärfe

Warum erntet die Café-Betreiber in einer deutschen Großstadt also einen Shitstorm? Die Antwort darauf ist eigentlich recht simpel. Das Kaffeehaus wird gemeinhin als ein Ort der Inklusion gesehen. Vor dem Konzept Kaffeehaus ist jeder gleich: Singles, Jugendliche, Kinder, Eltern. Ein Kaffeehaus bemüht sich den verschiedensten Bedürfnissen der Kunden, egal ob groß oder klein, gerecht zu werden.

Sie stellt also die Idee von Kaffeehaus, die so viele von uns haben, mit diesem Ausschluss der Kinder in Frage. Außerdem darf man ihr Inkonsequenz vorwerfen. Warum, wenn man schon mal den Grundfesten der Idee rüttelt, nicht gleich ALLE Kinder aus ihrem Kaffeehaus ausschließen? Gut möglich nämlich, dass sich auch Kinder über 6 so benehmen, dass sich ihre ruhesuchenden Gäste davon irritieren lassen könnten. Es wäre an ihr, diesbezüglich eine Entscheidung zu treffen. Ihr Konzept ist in dieser jetzigen Form, strikt marktlogisch gedacht, unscharf.

Kippmomente

All diese Überlegungen wimmeln natürlich gerade vor Kippmomenten. Wann hat es eigentlich begonnen, dass viele Menschen nur mehr in marktlogischen Kategorien denken und sich nicht auch hin und wieder „Unschärfen“ gönnen und Inklusion über Logik stellen?

Anders gesagt: Was unternehmerisch auf den ersten Blick als unvernünftige Haltung erscheint, eben das bewusste zulassen von völlig heterogenen „Zielgruppen“ im eigenen Lokal, kann auch eine große Stärke sein. So wird das Nicht-Konzept zum Konzept, in dem sich alle Menschen, egal welcher Herkunft, welchen Alters oder welcher Bedürfnisse, mit Respekt begegnen und somit Ausschlüsse zur Irritationsvermeidung obsolet werden.

Fazit

Was also sagen uns solche Ausschlüsse von Kindern über eine Gesellschaft? Offenbar, dass „Marktdenken“ sehr viele Segmente unseres alltäglichen Lebens übernommen hat. Zum anderen natürlich auch, dass wir wohl generell mit Irritationen immer schlechter umgehen können. Kinder können, aufgrund ihres Verhaltens, das oft nicht in die Schemata der Erwachsenen passen, eine solche Irritation sein.


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