Regina Magdalena Smrcka

Regina Magdalena Smrcka "Mein Tagebuch"

10. Januar 2018

Was brauchen Kinder wirklich, pädagogische Konzepte oder liebevolle Aufmerksamkeit?


Auf der Suche nach guten Kindergärten und Schulen hörte ich mir unzählige pädagogische Konzepte an. Doch mit wem sollte ich sie besprechen? Denn mein Mann reagiert inzwischen allergisch auf meine Erzählungen.

Für ihn sind dies alles aufgesetzte Konstrukte, die doch selbstverständlich gelebt werden müssten. Oder gar nur Modeerscheinungen. So versteht er zum Beispiel überhaupt nicht, warum mir die gemeinsamen Konzepttage aller vier Volksschulklassen zusammen in der Schule meiner Wahl so gut gefallen. Das Argument, dass die Kleinen von den Großen lernen können schmettert er mit den Worten ab, dass eine gemeinsame Volksschulklasse früher am Land überall üblich war, um dann von den getrennten Klassen abgelöst zu werden.
Auch wenn ich oft genervt bin, tief in meinem Inneren muss ich ihm Recht geben.

Wertigkeiten vorleben

Nehmen wir einmal die Bewegung. Unser Kind hat zuhause mehr Bewegungsangebot als im angebotenen Yogaunterricht des Kindergartens. Denn als Pädagogin für Mutter-Kind-Turnen mache ich das unbewusst täglich mit ihm. Genauso wie unser Sohn jeden Ton richtig trifft, weil ich einfach nach jahrelangem Gesangsunterricht immer noch gerne singe. Als wir bei einem Familienfest sahen, dass eine Organisation das Spiel “Nägel einschlagen” als gut besuchte Attraktion anbot, wandten wir uns gelangweilt und vor allem verwundert ab. Doch das lag nur daran, dass mein Mann Tischler ist und unser Sohn bereits im Alter von 2 Jahren lernte mit Hammer, Nägeln und Bohrmaschine richtig umzugehen.

Dies soll keine Selbstbeweihräucherung sein, sondern eine Anerkennung dessen, was in jeder Familie bereits an natürlichem Potential vorhanden ist. Wir alle haben Lebenserfahrungen, Werte, besondere Interessen und Begabungen, die wir unseren Kindern weitergeben. Unabhängig von irgendwelchen pädagogischen Konzepten. Sie alle bieten ihren Kindern mehr als Ihnen bewusst ist.

Bauchgefühl vertrauen

So fiel meine Wahl letztendlich zwar auf einen Kindergarten, der halbwegs in der Nähe war und auch eine bilinguale Betreuung anbot. Aber den Ausschlagpunkt, warum ich mich spontan ohne Nachzudenken anmeldete, gab die Kindergartenleiterin. Denn ihre Liebe zu den Kindern war nicht nur förmlich spürbar, sondern im gemeinsamen Umgang auch zu sehen. Und seitdem habe ich diese Entscheidung nie bereut, denn diese Achtsamkeit spürt man in jeder Gruppe und unser Sohn kommt täglich ausgeglichen und glücklich nach Hause.

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EIN ARTIKEL VON
  • Regina Magdalena Smrcka

    Als Sozialarbeiterin spezialisierte ich mich auf die Betreuung von schwerstbehinderten Kindern. Als Ausgleich unterrichtete ich Kinderturnen. Jetzt unterstütze ich meinen Lebensgefährten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam haben wir einen Sohn.


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