Elisabeth & Johannes Hackl

Elisabeth & Johannes Hackl "Mein Tagebuch"

16. August 2019

Warum Kinderkrankheiten wie Vollbremsungen sind


Gestern, es war kurz vor 22 Uhr, passierte es: ein klägliches „Mamaaaa, Papaaaa!“ und ein paar unheilverkündende Laute. Ja, es war wieder einmal soweit! Unsere große Tochter hat uns mit den Symptomen eines Magen-Darm-Virus überrascht.

Wir sind uns einig: das ist als Eltern so ziemlich das Grauslichste, was es an Kinderkrankheiten gibt. Die letzten Male hat es fast immer zumindest drei Viertel unserer Familie erwischt. Natürlich, es gibt Kinderkrankheiten, die wesentlich heftiger sind, bei denen wir uns wegen hohem Fieber oder seltsamer Symptome mehr Sorgen machen. Aber alle gemeinsam sind sowas wie eine ungewollte Vollbremsung.

Plötzlich steht der Alltag still

Ja, eigentlich hätte ich heute Vormittag einen wichtigen Termin gehabt. Der musste nun in letzter Minute abgesagt werden – eine unangenehme Sache.

(c) iStock

Immerhin, Tochter Nr. 2 möchte trotzdem in den Kindergarten, denn heute kommt die Feuerwehr! Also schnell fertig machen, die quietschvergnügte aber eigentlich kranke Tochter Nr. 1 noch einmal mit ein paar Büchern ins Bett verfrachten, schnell am Heimweg bauchfreundliche Nahrung mitnehmen.

Und nun ist mein Mann in der Arbeit, und ich habe einen freien Vormittag – mit krankem Kind zu Hause.

Das besagte kranke Kind kann so krank nicht sein, denn es ist alles furchtbar langweilig. Außerdem von Müdigkeit oder Übelkeit keine Spur! Der nächtliche Krankheitsüberfall ist scheinbar schon wieder  vorbei und munter wird Saft mit Darmbakterien (ein Lob an OmniBiotic und nein, das ist keine Werbung) geschlürft, das zweite Salzstangerl genüsslich verspeist und Soletti vertilgt.

Anfangs bin ich verärgert: jetzt sitze ich zu Hause und irgendwie wirkt das gar nicht mehr wie eine echte Krankheit. Hätte sie in die Schule gehen sollen?

Aber dann meldet sich die Vernunft

Mögliche Ansteckungsgefahr, prinzipiell sollte sie in zwei Tagen wieder fit sein, und obwohl sie geschlafen hat wie ein Stein sei ihr die Erholungszeit vergönnt.

Was mache ich jetzt?

Ein gemütliches Frühstück! Das ist unter der Woche eine Riesenausnahme und freut mich.

(c) iStock

Dann drehe ich den Laptop auf und da sitzt sie, die Mail auf die ich längst antworten wollte. Jetzt habe ich Zeit! Ich kann in Ruhe überlegen, denn das ist der Vorteil an nicht-so-kranken Schulkindern: sie beschäftigen sich selber und sind zufrieden, wenn sie das Kinderzimmer, ihre Bücher oder das Lego einmal ein paar Stunden nur für sich haben. Zwischendurch bringe ich neuen Saft hinauf und wir plaudern ein bisschen, dann kann ich mich wieder dem Mail-Schreiben widmen.

Dann fällt mir ein, dass ich ja den Kolleginnen versprochen habe, einen gemeinsamen Brief zu verfassen. Das dauert zwar etwas, aber ich kann ihn schließlich abschicken und weiß, dass das mein Wochenende entstresst.

Dann gönne ich mir einen Artikel, den ich schon länger lesen wollte.

Erstaunlich entspannt

Mir fällt eines auf dabei: ich bin erstaunlich entspannt. Immer wieder klappert es im Kinderzimmer oder ich höre ein paar Worte, die meine Tochter ihren Stofftieren vorliest. Die Sonne scheint nach einigen Regentagen zur Terassentür herein und ich habe Zeit und Ruhe um wieder einmal zu schreiben.

Kaum zu glauben, eigentlich wäre ich noch mitten in meinem Termin und würde vermutlich immer wieder auf die Uhr schauen, ob sich das Kinder-Abholen danach ausgeht.

Ich weiß, ich werde jetzt dann eine Waschmaschine einschalten, den Geschirrspüler ausräumen und mit dem Kochen beginnen, bevor ich Tochter Nr. 2 wieder abhole. Eigentlich hätte ich das alles nachher „nebenbei“ erledigt, aber ich empfinde es gerade als geschenkte Zeit, nicht mehr als störend.

Manchmal sind diese notwendigen „Vollbremsungen“ im Alltag Ruhepausen, die unerwartet gut tun. Noch dazu, wenn die Krankheit nur halb so schlimm ausfällt. Na, hoffentlich denke ich auch noch so, wenn es mich dann selbst erwischt…



EIN ARTIKEL VON
  • Elisabeth & Johannes Hackl

    Elisabeth und Johannes Hackl leben mit ihren Kindern, Hunden und Hühnern in Niederösterreich. Sie sind begeisterte Familienmenschen, Kindergartenpädagogen, Referenten für Natürliche Empfängnisregelung, Teilzeit-Selbstversorger, im Glauben verwurzelt und noch immer sehr verliebt ineinander!


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