Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

videospiele - meinefamilie.at
20. Oktober 2018

Warum Kinder Videospiele spielen sollten


Als Erwachsener hat man oft Horrorszenarien im Kopf. Videospiele führen entweder direkt in die soziale Isolation oder machen im schlimmsten Fall Gewalttäter aus den Kindern. Doch das stimmt so nicht. Das ist kein wissenschaftlicher Essay. Vielmehr gehe ich von der eigenen Biographie aus und reflektiere damit einhergehend meine aktuelle Rolle als Vater.

Damals, ich muss wohl so 13 oder 14 Jahre alt gewesen sein, habe ich mich oft stundenlang im Kinder bzw. Jugendzimmer verschanzt. Gespielt habe ich vornehmlich “Super Mario” oder “Zelda”. Ein paar Jahre später, so mit 15 oder 16, sind dann die so verpönten „Gewaltspiele“ a la „Wolfenstein“ oder „Doom“ dazugekommen.

Was ich lernte

Bei “Super Mario” habe ich Geschicklichkeit geübt und gelernt, mit Frustrationen umzugehen und Situationen immer und immer wieder anzugehen, so lange bis die gelingen. Bei “Zelda” habe ich meinen mittlerweile sehr guten Orientierungssinn in so manchem ausweglos scheinenden Schloss geschärft und insgesamt logisches Denken trainiert. Bei den hier genannten „Ballerspielen“ trainierte ich Reaktionsvermögen und schnell zu „schalten“.

Spielen verbindet

Isoliert oder abgeschottet habe ich mich dabei nie gefühlt. Im Gegenteil: Die Spiele, deren Rätsel und Kniffe waren stets auch eine Möglichkeit, mit anderen, Gleichgesinnten, ins Gespräch zu kommen. Ähnlich wie bei so manchem Mann der Fußball funktioniert das Übereinkommen und die a priori Harmonie in ersten Gesprächen bei „Game-Nerds“ durch das Spielen. Später leiht man sich dann gegenseitig Games und zockt dann zuhause oft auch gemeinsam. Spielen verbindet.

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Schädlich?

Was mir bei alldem nie in den Sinn kam: Das Spielen schädlich für die Persönlichkeitsentwicklung sein sollte oder man die in den Spielen erlebte Gewalt 1:1 auf die Realität überträgt und in ebendieser auslebt. Eher wirkt die Gewalt in Spielen kompensatorisch, man kann seine Wut und Aggression quasi kanalisieren und dort, im virtuellen Raum, förmlich loswerden. Eine Unterscheidung zwischen Realität und Fiktion ist mir jedenfalls nie schwergefallen.

Die „Tradition“ weitergeben

Mittlerweile gehören die langen Game-Sessions der Vergangenheit an. Und ich weiß auch nicht, ob ich in Jubelschreie ausbrechen würde, wenn ich bemerkte, dass meine Töchter ab sofort mehr und mehr in ihre Zimmer zurückziehen und nur mehr Computerspielen spielen würden. Außerdem gibt es natürlich ein „zu früh“. Ein Kind mit sechs oder darunter gehört ganz sicher nicht vor die Konsole und vor dem Laptop. Und wenn dann, nur um erste Schritte vor diesen zu unternehmen und wenn dann nur für wenige Minuten.

Aber ja: Ich habe begonnen mit meiner Großen, 10 Jahre alt, hin und wieder “Super Mario” oder “Zelda” zu spielen. Sie ist begeistert, sowohl von den Spielen als auch von der Papa-Zeit. Und ja: Wir reden miteinander. Viel mehr als wir beispielsweise beim gemeinsamen Filmschauen reden würden. Wir diskutieren über Spiel-Probleme, wie wir das Level anders angehen und wie wir diese Plattform endlich problemlos erreichen könnten.

Und ja: Ich würde mit ihr wohl darüber reden, wenn sie „Gewaltspiele“ für sich entdeckt. Ich würde nach ihrer Intention fragen, warum sie das spielt und wie sie sich dabei fühlt. Von vornherein verteufeln würde ich diese Spiele aber nicht.

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EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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