Regina Magdalena Smrcka

Regina Magdalena Smrcka "Mein Tagebuch"

warum erziehen wir kinder - meinefamilie.at
7. Oktober 2018

Warum erziehen wir unsere Kinder so wie wir sie erziehen?


Kindererziehung ist Schwerstarbeit! Grenzen setzen, konsequent bleiben, das alles kostet Kraft. Manchmal frage ich mich, warum ich mir das überhaupt antue? Doch ein Gespräch unter Freundinnen hat meinen Blickwinkel verändert. Nun sehe ich wieder den Sinn dahinter, die Werte, die mich antreiben und das Geschenk, das ich meinem Kind letztendlich damit mache. Auch wenn es das jetzt noch nicht schätzen kann.

Fasziniert hänge ich an den Lippen meiner älteren Freundin, die mir von ihren Enkelkindern erzählt. Mittlerweile erwachsen geworden ist eine völlig neue Gesprächsebene mit diesen möglich. Eine Offenheit und Bewusstheit im Gespräch, die völlig unerwartet kommt. „Ein Geschenk“, meint meine Freundin nur. Ihre Schwiegertochter hat die Kinder im Laissez-Fair-Erziehungsstil erzogen. Doch obwohl meiner Freundin das Herz blutete, konnte und wollte sie sich aus persönlichen Gründen nicht einmischen und ließ die Familie ihren eigenen Weg gehen.
Ohne ihrer Mutter Vorwürfe zu machen erzählen die Enkelkinder von ihren Problemen und Lösungsansätzen, mit denen sie versuchen, viele Dinge zu lernen, die ihnen nie mitgegeben wurden. Eine Arbeitsstelle längere Zeit zu halten beispielsweise, ohne dauernd zu wechseln, weil sie nie gelernt haben, Regeln einzuhalten. Sparen, den Umgang mit Geld. So erzählte die Enkeltochter meiner Freundin, dass sie begonnen hat einen Teil ihres Gehaltes zu sparen, was ihr bis jetzt völlig unbekannt war.

Erste Erfolge

Neben dem Stolz, den ich aus den Erzählungen meiner Freundin heraushöre, der Freude über diesen Wandel, und vor allem über das Vertrauen, das ihr damit entgegengebracht wird, wird mir einiges bewusst. Mir wird klar, welche Werte mich antreiben, warum ich manche Dinge von meinem Sohn einfordere, was ich ihm damit mitgeben möchte. Ich sehe die ganz kleinen ersten Erfolge, wenn er zum Beispiel nach oftmaligem Einfordern nun schon ganz automatisch Händewaschen geht. Er lernt damit auf sich und seine Gesundheit zu schauen. Ich freue mich über seinen Stolz auf seine Schulbücher, anstatt mich zu ärgern, weil er mich ermahnt, vorsichtiger damit umzugehen. Er hat gelernt auf seine Sachen aufzupassen.

Wenn ich in der Früh müde in der Küche stehe und seine Schuljause vorbereite, hält mich das Wissen aufrecht, dass es für ihn selbstverständlich ist, dass wir immer frische Lebensmittel verwenden. Wenn er die Wahl hätte, würde er Süßigkeiten natürlich den Vorrang geben, welches Kind tut das nicht? Aber ich weiß, dass er sich später gesund ernähren wird, dass der gesäte Samen – derzeit in Form von einem Stück Obst pro Schuljause – langfristig aufgehen wird.

Jede Handlung eine Wertweitergabe

Hinter jeder mühseligen Alltagshandlung steckt ein Wert, eine Entscheidung, warum wir dies tun, die uns antreibt. Diese Erkenntnis gibt mir die Kraft gerade dann durchzuhalten, wenn meine Grenzen ausgetestet werden, ich absolut keine Lust auf die Wäsche habe, schlicht gesagt, wenn der Alltag wieder einmal schwierig ist.

Der Laissez-Faire Erziehungsstil zeichnet sich durch Gleichgültigkeit und Passivität aus. Es gibt keine Regeln, keine Vorgaben und damit auch keine Orientierung und Sicherheit. Das Kind wird sich selbst überlassen. Die Erziehungsarbeit wird im wahrsten Sinn des Wortes so gering wie möglich gehalten. Im Jugend- und Erwachsenenalter haben solche Kinder oft große Probleme, da sie nie gelernt haben mit Vorschriften und Regeln umzugehen und Beziehungen aufzubauen.

(Dieser Artikel soll keine Verurteilung anderer Erziehungsstile sein, sondern eine Ermutigung und Anerkennung, was viele Mütter auf der ganzen Welt leisten, ohne sich dessen bewusst zu sein.)

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EIN ARTIKEL VON
  • Regina Magdalena Smrcka

    Als Sozialarbeiterin spezialisierte ich mich auf die Betreuung von schwerstbehinderten Kindern. Als Ausgleich unterrichtete ich Kinderturnen. Jetzt unterstütze ich meinen Lebensgefährten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam haben wir einen Sohn.


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