Maria Lang

Maria Lang "Mein Tagebuch"

skifahren - meinefamilie.at
25. Februar 2018

Vier Fliegen auf einen Streich…


Heute hab ich seit längerem wieder einen ganzen Nachmittag frei bekommen. Mein Mann hat sich bereit erklärt, die fünf Kinder (unsere eigenen vier und ein Kind, das zu Besuch kam), zu bekochen und zu beaufsichtigen. Das ist meine Gelegenheit, endlich mal meine Langlaufschi einzupacken und zum Schnee zu fahren… Bisher war es ein besonders schneearmes Jahr und nur wenige Tage war es in unserer Gegend weiß. Die Berge, die nur etwa eine Autostunde entfernt sind, locken täglich mit verschneiten Hängen, doch nur selten nehme ich mir die Zeit, ihrem leisen Ruf zu folgen… Immer ist irgendwas zu tun, zu erledigen, fertigzumachen…

Aber heute ist der Tag

Ich packe eine Jause ein, eine Thermosflasche mit Tee, Schi und Stöcke… Im letzten Moment fällt mein Blick auf die Altölbehälter in der Garage, die schon voll sind und einige leere Spraydosen. Eigentlich könnte ich sie auf dem Weg bei der Müllsammelstelle abgeben! Gedacht, getan! Na, das passt ja perfekt. Nun erledige ich sogar noch etwas bei meinem Ausflug. Da freue ich mich gleich doppelt. Die Sache ist schnell getan und ich setze meinen Weg fort in Richtung der Berge. Mein Ziel ist einer meiner Lieblingsplätze nahe am Ötscher, unserem Hausberg, ein Stück fast unberührte Natur.

Ich genieße die Zeit allein…

Kein Kind, das irgendwas will… Kein Telefonanruf, denn hier habe ich keinen Empfang.  Nur die Natur, ich und Gott. Wenn ich allein in der Natur unterwegs bin, kann ich am besten beten – bzw. mit ihm reden. Das ist für mich nicht so förmlich. Ich erzähle ihm von meinen Herausforderungen, aber auch den schönen Momenten der letzten Tage. Ich danke ihm für vieles. Dann lasse ich die verschneite Landschaft auf mich wirken. Noch mehr Dankbarkeit durchströmt mich, während ich mein Gesicht von der Sonne wärmen lasse. Wie ruhig! Wie herrlich unberührt und still! Mit meinen Langlaufschiern ziehe ich die erste Spur durch den jungfräulichen, glitzernden Schnee. Es kostet mich eine gewisse Überwindung, als Allererste Spuren hier zu hinterlassen. Plötzlich kreuzt eine Hasenspur meinen Weg. Dann eine Fuchsspur. Also bin ich doch nicht die Einzige…aber anscheinend der einzige Mensch weit und breit!

… zum Kraft tanken

Nach etwa eineinhalb Stunden Schnee und Sonne bin ich innerlich aufgetankt und trete den Heimweg an. Munter möchte ich auf’s Gas steigen, da zeigt die Tankanzeige Ebbe an. Nur noch einige Kilometer soll der Diesel reichen… Oje… das hab ich übersehen! Schön stetig und spritsparend fahre ich bis zum nächsten Ort. Hier, in der “Zivilisation”, reagiert mein Handy wieder auf die Außenwelt und zeigt  einen verpassten Anruf an. Die Bekannte, bei der ich regelmäßig Kleidung reparieren lasse, informiert mich auf der Mailbox, dass die Sachen fertig sind. Meist sind das Hosen, Pullis etc. Diesmal sind zwei Lieblingspullis von Benni dabei und eine Lieblingsweste von Sara. Das fällt unter “dringend”! Wunderbar, dann kann ich das auch gleich von meiner To-Do-Liste streichen! Schnell tanke ich und mache einen kurzen Abstecher zu ihr. Das wären dann drei erledigte Dinge, die ich gar nicht eingeplant hatte! Und dazu noch der wichtige Punkt:

Erholung für mich. Also vier Fliegen auf einen Streich… Nicht schlecht für einen freien Nachmittag!

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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