Regina Magdalena Smrcka

Regina Magdalena Smrcka "Mein Tagebuch"

Vergessen wir als Eltern auf uns selbst - meinefamilie.at
19. September 2017

Vergessen wir als Eltern auf uns selbst?


Einen Tag in der Woche habe ich frei. Das heißt, mein Mann kümmert sich den ganzen lieben Tag lang um den Sprössling. Ich kann ausschlafen, bummeln, zum Fitnesstraining gehen, einfach tun, worauf ich Lust habe. Immer öfter ertappe ich mich jedoch dabei, dass ich an meinem freien Tag doch etwas für die Familie tue anstatt für mich. Mit der Ausrede, ich brauche kurz Pause und Bewegung, gehe ich zum Beispiel einkaufen und unterbreche meine schriftliche Hausarbeit, die ich gerade für die Uni verfasse.

Beim letzten Einkauf klingelt mein Handy. Ich soll eine Brandsalbe von der Apotheke mitnehmen, es sei zwar nicht viel passiert, aber sicherheitshalber könnten wir eine zu Hause haben. Da läuten bei mir alle Alarmglocken. Was genau ist denn „nicht viel passiert“? Nun, unser Sohn zog neugierig einen Liter heiße Suppe vom hintersten Eck der Arbeitsplatte herunter, den mein Mann absichtlich zum Schutz so weit nach hinten stellte. Die Küche schwimmt und der Arm ist verbrüht. Als ich mit dem Gewünschten nach Hause komme, leert unser Sohn schnell meine Tasche aus, schnappt sich die Salbe und versucht sich selbst einzucremen. Anschließend beginnt er lauthals zu schreien, weil er den Aufwischfetzen nicht erhält, dabei wischt er doch so gerne den Boden auf.

Also, so schlimm kann die Verbrühung nicht sein, denke ich mir im Stillen.

Eltern sind auf die Kinder ausgerichtet

Als ich nach der Erstversorgung alles Wissenswerte über Verbrennungen nachlese, wird mir bewusst, wie sehr wir Eltern schon auf die Bedürfnisse unserer Kinder ausgerichtet sind und uns selbst darüber völlig vergessen.

Wann habe ich zum Beispiel zum letzten Mal selber eine Sonnencreme zum Schutz aufgetragen? Von der Tages- und Körpercreme brauchen wir gar nicht reden.

Mein Mann vergisst immer zu trinken, seit wir unseren Sohn haben und beschwert sich regelmäßig darüber, dass er nicht zum Essen kommt, wenn ich meinen freien Tag habe. Also Haushalt, kochen, Kind beschäftigen und selber essen, das habe ich schon im Griff. Aber 30 Mal kaue ich meinen Bissen nicht, es ist eher ein Hinunterwürgen, während ich die Suppenschüssel meines Sohnes halte und den Aufwischfetzen bei der Hand habe. Denn seit Sohnemann groß ist, heißt es nur mehr „Selbermachen“!

Eigentlich bin ich eine Mutter, die den Ansatz lebt, „geht es der Mutter gut, geht es dem Kind gut“.

Dieser Zwischenfall jedoch macht mich wieder darauf aufmerksam, dass ich noch besser auf mich schauen könnte.

Vielleicht sollte ich die Empfindsamkeit von Babys und Kleinkindern als Anstoß sehen, auch meine eigene Einmaligkeit mehr zu pflegen, meine Grenzen mehr ernstzunehmen und mich selbst liebevoller zu umsorgen. Nur aus diesem Vorbild heraus kann auch mein Kind lernen, besser mit sich selbst und somit auch mit den anderen umzugehen.

Daher die Aufgabe an uns Eltern: ein Verwöhnpaket mit Frisör, Gesichtspflege oder Maniküre. Was euch gut tut!

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Regina Magdalena Smrcka

    Als Sozialarbeiterin spezialisierte ich mich auf die Betreuung von schwerstbehinderten Kindern. Als Ausgleich unterrichtete ich Kinderturnen. Jetzt unterstütze ich meinen Lebensgefährten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam haben wir einen Sohn.


    Zum Tagebuch des Autors

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at