Vali Schwarzbauer

Vali Schwarzbauer "Mein Tagebuch"

Urlaub ohne Kinder - meinefamilie.at
30. Juni 2016

Urlaub ohne Kinder: Nichts zu tun!


“Seat-belts on, please!”, ruft mir die Flugbegleiterin zum wiederholten Male zu. Ja, ja, nur kein Stress, bitte! Wir sind doch auf Urlaub, äh, auf Fortbildung, meine ich. Also mein Mann ist beruflich auf Fortbildung, und ich bin … mitgekommen. Aber eigentlich bin ich auch auf Fortbildung. Ich bin von zu Hause fort und ich habe vor mich in dieser Woche zu bilden. Und das kann man auch in Miami, auch in einem schicken Hotel, auch am Pool und auch mit einem netten Buch, in dem KEINE pädagogischen Ratschläge stehen. Nicht, dass hier jemand glaubt, dass ich nur faul in der Sonne liegen werde.

Obwohl man mir eingebläut hat, mich gefälligst zu erholen, einfach mal nichts zu tun. Wehe ich komme nicht völlig entspannt zurück. „Du schaust so fertig aus!“, „Puh, deine Augenringe erzählen Geschichten!“ „Du bist echt geschlaucht, gell?!“ – die letzten neun Monate Homeschooling haben offensichtlich ihre Wunden hinterlassen.

Entspannungsprogramm Flugzeug

Also sitze ich nun hier im Flugzeug und versuche schon jetzt mit dem Entspannungsprogramm zu beginnen. Film läuft, der obligatorische Flugzeug-Tomatensaft in der Hand, Essen kommt gerade angerollt und die Füße frieren. Ich hätte doch Socken anziehen sollen.

Ein komisches Gefühl, einfach nur für sich selbst sorgen zu müssen.

Normalerweise wäre ich jetzt schon mindestens 17 Mal mit unseren Buben aufs Klo gehetzt, was im Flugzeug immer eine besondere Freude ist. Vor allem, wenn man ein Kind hat, das im 20-Minutentakt aufs Häusl muss, und sich die Dringlichkeit besonders beim Starten und Landen ins schier Unendliche steigert.

Einpack-Chaos, Glücksgefühle, Panikattacken

Apropos Buben: Ja, die zwei haben wir tatsächlich bereits gestern Abend abgegeben. Wo und bei wem sie gerade sind, weiß ich ehrlich gesagt nicht so ganz exakt, aber ich weiß, dass Jonathan ein Unterhosenproblem bekommen wird, denn die hat er im gestrigen Abschieds-Einpack-Chaos schön gefaltet neben seinem Bett liegen gelassen. Während unser Vierjähriger permanent damit beschäftigt war, seinen neuen Trolley auf- und zuzusperren (der Schlüssel wurde ihm nach zehn Minuten dann doch abgenommen. Zu groß die Gefahr, dass er eine Woche lang aus einem versperrten Koffer leben müsste. Wobei weder die dann fehlende Zahnbürste noch die einseitige Kleidung das Problem wären, sondern der eingesperrte Hugsi, sein Stofftausendfüßler, ohne den es sich kaum einschlafen lässt – vor allem für alle anderen Beteiligten), schwankte unser Siebenjähriger wie eine Pendeluhr ruhelos zwischen euphorischen Glücksgefühlen und schweren Panikattacken hin und her.

Freude, weil er endlich bei seinen Kumpels und seinen Großeltern übernachten darf, Verzweiflung, weil Mami und Daddy sooo lange weg sind.

Deshalb der neue Koffer, den er eigentlich erst zum Geburtstag bekommen hätte sollen, deshalb am Vorabend bis tief in die Nacht aufgeblieben, um kleine Überraschungssbriefchen für jeden Tag bis zum Wiedersehen zu schreiben, deshalb all die Schokolade und Zuckerln eingepackt, die ihn über diese schweren Momente hinwegüberzuckern sollen.

Abschmiedsschmerz? Von wegen!

Als ich sie dann bei unseren Freunden abgegeben habe, war vom Abschiedsschmerz keine Rede mehr. Bei den Buben zumindest. Ein letztes Bussi konnte ich noch aus ihnen herausquetschen. Meine kleine dramatische Abschiedsrede bekam dann nur mehr meine Freundin zu hören, die netterweise ganz gerührt war und im Namen meiner Kinder versprach, sich gut zu benehmen und immer Danke und Bitte zu sagen.

Noch fünf Stunden und acht Minuten bis zur Zieldestination. Essen aufgegessen, Tomatensaft hinuntergewürgt, Film zu Ende, Ehemann eingeschlafen, in 10 668m Höhe nicht viel zu besichtigen – es gibt nichts zu tun. Die Erholung kann beginnen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Vali Schwarzbauer

    Nachdem ich als Vierling aufgewachsen bin und unsere Söhne (3, 6) großziehen darf, kenne ich die Höhen und Tiefen einer Familie. Darüber zu schreiben, ist neben dem Homeschooling unserer Kinder eine willkommene Abwechslung. Was mich noch begeistert: Gott, mein Mann, Laufen, Erdnussbutter und ein gutes Buch.


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