Gottfried Hofmann-Wellenhof

Gottfried Hofmann-Wellenhof "Mein Tagebuch"

Unsere Buben mögen Puppen - meinefamilie.at
26. Mai 2017

Unsere Buben mögen Puppen – mit Schraubenzieher


In unserer Familie haben sich im Laufe der Jahre viele Spielsachen angesammelt. Puppen lagen neben Autos, Legosteine neben Diddl-Mäusen, Eisenbahnen neben Stofftieren. Für alle waren sie gleich zugänglich, und dennoch haben unsere Buben nie die Puppen in den Arm genommen und unsere Töchter nicht zu den Autos gegriffen.

Eines Tages begab sich freilich Seltsames. Die Söhne legten ihr Taschengeld zusammen: „Wir gehen eine Puppe kaufen.“ Kurzfristig brachte dieser Vorsatz mein Weltbild ins Wanken, dass Buben von Natur aus anders sind als Mädchen. Als Dominik, Benedikt und Nikolaus zurückkamen, hielt der Älteste eine Puppe in der Hand, die „Mama“, „Papa“ und „Ich habe Hunger“ sagen konnte.

Statt sie mit einem Fläschchen zu füttern und ihr einen neuen Strampler anzuziehen, gingen sie flugs daran, den technischen Mechanismus zu erforschen. Mit einem Schraubenzieher montierten sie die Beinchen ab, um einen Blick in den Bauchraum werfen zu können. Sobald ihre Neugierde befriedigt war, lag die namenlose amputierte Puppe achtlos neben dem Schraubenzieher. Sie wurde von Antonia adoptiert und liebevoll in ihre Puppenfamilie aufgenommen.

Lieblingswörter Auto, Ball, Motorrad

Mindestens einmal in der Woche kommt unser Enkel Daniel zu uns auf Besuch. Seine spanische Mutter spricht nur Spanisch mit ihm, Dominik, der einige Jahre in den USA verbracht hat, nur Englisch. Wir Großeltern sprechen mit ihm Deutsch.

Daniels erstes Wort, das er einwandfrei artikulierte, war „nein“, knapp gefolgt von „Auto“, „Ball“ und „Motat“ (Motorrad). Warum ausgerechnet diese Begriffe seine Lieblingswörter sind, weiß ich nicht, er sagt sie nach wie vor bei jeder Gelegenheit mit Inbrunst.

Wenn er bei uns die Kiste mit den Duplosteinen sieht, beginnt er wie wild zu graben, schiebt Kinderwägelchen, Eisbären und Sessel unwillig zur Seite, bis er endlich in der linken Hand ein Auto und in der rechten ein Motat hält.

Jubelnd kommt er damit zu mir gelaufen und stellt die Fahrzeuge auf den Tisch: „Auto, Motat!“

Vielleicht sollte ich alle Autos durch Puppen ersetzen, damit er sich nicht so extrem klischeehaft verhält. Andererseits denke ich mir, wenn er lieber mit Autos spielt, ist das doch ganz okay.

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EIN ARTIKEL VON
  • Gottfried Hofmann-Wellenhof

    Mit meiner Frau habe ich fünf Söhne, drei Töchter und einen Adoptivsohn aus Kamerun. Die Erfahrungen mit meiner Großfamilie teile ich in Kolumnen und Büchern. Meine Hobbys: Hometrainer, Fußballmatches meiner Söhne, Kochen und Lesen.


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