Maria Lang

Maria Lang "Mein Tagebuch"

22. Dezember 2015

Überraschungen beim Geschenkekauf


Heute habe ich mich selbst mit der wunderbaren Aufgabe belohnt, Weihnachtsgeschenke im Geschäft eines Glasbläsers auszusuchen. Sobald ich den Laden betrat, tauchte ich in eine andere Welt ein. Hauchdünne Glaskugeln und feenähnliche Figürchen, lustige Tiere und schlanke Vasen waren in Gruppen auf Regalen und Tischen angeordnet. Fasziniert und neugierig wanderte ich von einem Raum zum nächsten. Winzige Glöckchen und Engelchen hingen an künstlichen Christbäumen, Kerzenleuchter in Form von kleinen Häusern und Kirchen entzückten mich. Doch als ich schließlich filigrane Schneeflocken aus Glas erblickte, konnte ich meine Begeisterung nicht mehr zurückhalten. Ich rief: „Schaut euch das an! Sind die nicht wundervoll?“ Niemand sonst war im Raum, der mir zugehört hätte. Aber ich musste das einfach sagen.

Glitzernde Handarbeit, glitzernde Natur

Als ich die Preisschilder genauer betrachtete, verflüchtigte sich meine Begeisterung schnell wieder. Natürlich, echte Handarbeit ist teuer. Aber so teuer? Kurz kämpfte ich innerlich mit mir und kaufte schließlich nur einen kleinen Kerzenleuchter, um danach wieder in die „normale“ Welt zurückzukehren. Da ich bis zu meinem nächsten Termin noch fast eine Stunde lang Zeit hatte, beschloss ich, einen Spaziergang zu machen. Es war eisig kalt und ich hatte warme Stiefel und Handschuhe angezogen. Ich schlenderte auf einem mir unbekannten Pfad, der mich rund um ein altes Schloss zu einem kleinen Teich führte. Seine spiegelglatte Oberfläche erinnerte mich ein wenig an die glitzernden Glaskreationen, die ich gerade erst betrachtet hatte. Wieder begann ich in eine andere Welt einzutauchen. Ich stellte mir vor, wie die Kinder auf diesem natürlichen Eislaufplatz ihren Spaß hatten, sobald das Eis dick genug dafür wäre. Beim Weitergehen bemerkte ich einen kleinen Bach, der zum See führte. Plötzlich blieb ich wie angewurzelt stehen. Ich traute meinen Augen nicht. Sah ich da wirklich das, was ich dachte zu sehen? Langsam näherte ich mich dem leise dahingurgelnden Bach, der über einen kleinen Hügel floss.

Glaskunstwerke und Naturschauspiel

Voller Freude stellte ich fest: „Ja, es ist wirklich so!“ Wieder war ich die einzige Person weit und breit. „Einfach himmlisch!“, rief ich aus. „Ein gefrorener Wasserfall!“ Ganz fasziniert und voller Ehrfurcht stand ich da wie ein kleines Kind und konnte von dem Naturschauspiel nicht genug bekommen. Die kleinen Säulchen und Eiszapfen, die in der Sonne glitzerten, erinnerten mich an die Glaskunstwerke in dem Geschäft von vorhin. „Du bist wirklich der allerbeste Künstler, Gott!“, jubelte ich. „Deine Werke sind so wunderbar, dass kein Künstler dieser Welt sie nachmachen kann. Danke, dass du mir diese Schönheit zeigst – gratis noch dazu!“ Mit dieser besonderen Erinnerung – einem Extra-Geschenk für mich selbst – tanzte ich fröhlich zurück zum Auto.

1 Kor. 2.9: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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