Maria Lang

Maria Lang "Mein Tagebuch"

coronaterrorangst meinefamilie.at
1. Dezember 2020

Terror, Angst, Coronakrise – Kindern helfen, damit umzugehen


Wir leben in einer Zeit, wo die Angst verstärkt zunimmt und im Alltag spürbar wird. Es ist nicht mehr wie früher, wo die Leute vielleicht Angst vor dem dunklen Keller oder vor Räubern im düsteren Wald hatten. Nein, die Bedrohung, wie wir sie heute erleben durch Covid-19 ist überall präsent, schleicht sich in alle Lebensbereiche und wird auch ständig thematisiert. Dazu kommen auch noch die jüngsten Ereignisse in Wien, die ordentlich eins raufsetzen. Hier am Land scheint das Thema Terrorismus zwar weit weg zu sein, doch für Menschen in der Großstadt gehört dies nun zur traurigen Realität. Das Misstrauen wächst, man vermeidet unnötige Wege und Kontakte. Das soziale Leben wird auf ein Minimum reduziert. 

Umgang mit der Angst

So sehr man versucht, diese schwierigen Themen von Kindern fernzuhalten oder sie ihnen auf kindgerechte Weise zu vermitteln – die Angst ist überall spürbar, sie ist einfach da und sie bleibt. Sie lässt sich nicht wegerklären oder wegwünschen. Der einzige Weg, damit fertigzuwerden ist es, die Angst konkret zu benennen und auf ein lebbares Maß zu reduzieren. Das ist natürlich nicht ganz einfach.

Wie erkläre ich es den Kindern? 

Auch bei uns in der Familie ist Angst immer wieder ein Thema. Ich hab zwar keine ganz kleinen Kinder mehr, meine beiden Jüngsten sind 8 und 11. Und ich merke, dass sie sehr viel mehr mitbekommen als man vielleicht annehmen würde. Meine elfjährige Tochter Sara hat einen viel genaueren Informationsstand als ich damals in ihrem Alter hatte. Sie besitzt seit einem Jahr ein eigenes Handy und hat somit direkten Zugang zu verschiedenen Informationen bzw. auch die Möglichkeit, sich mit Freundinnen über die neuesten Ereignisse auszutauschen.

Gregor, mein Jüngster, kommt immer wieder mit sehr klaren und existentiellen Fragen, sodass ich manchmal verwundert bin, woher er das hat. Aber er schnappt eben manches auf, in den Nachrichten, Zeitungen etc. und macht sich so seine Gedanken. Nun geht es darum, liebevoll und weise mit den Ängsten meiner Kinder umzugehen und den Alltag so zu gestalten, dass die Angst in angemessenen Schranken bleibt.

Hilfestellungen bei der Angstkommunikation

Eine meiner Strategien ist es, die angstmachenden Themen so weit als möglich wegzuschalten. Das heißt konkret, ich höre nur sehr wenig Radio und lasse mich nicht ständig mit den neuesten Corona-News bombardieren. Das hat nichts zu tun mit „Kopf-in-den-Sand-Stecken“, wie die Strauße das tun. Ich halte mich sehr wohl auf dem laufenden, aber ich bevorzuge es, mir die News im Internet durchzulesen. Und auch das nicht stündlich. Einmal pro Tag oder alle zwei Tage reicht.

Ängste dürfen nicht die ganze Zeit alles dominieren

Die restliche Zeit höre ich entspannende Musik oder positive Vorträge, um meinen Geist mit Gutem zu füllen. Immer wieder setze ich mich zum Klavier, spiele und singe dazu. Das finde ich entspannend. Mein Jüngster hat neulich gesagt: „Mama, ich mag es, wenn du singst, vor allem wenn du Lieder über Gott singst.“ Ja, für mich ist aktiver Lobpreis eine große Kraftquelle und hilft mir, meinen inneren Frieden zu bewahren.

#Die Angst in die Schranken weisen

Mir hat einmal ein Seelsorger einen sehr weisen Tipp gegeben im Bezug auf starke negative Gefühle. Er meinte, sie seien wie ungezogene Hunde, die immer wieder laut bellen und um Aufmerksamkeit ringen. Es gibt Zeiten, da passt es auch, sich mit ihnen zu beschäftigen, aber sie dürfen nicht die ganze Zeit alles dominieren. Da heißt es dann: Sitz! Platz! Ruhe jetzt! Und sie müssen gehorchen. Nicht die Angst darf uns kontrollieren, sondern wir kontrollieren die Angst. Sie bekommt nur genau so viel Platz und Aufmerksamkeit, wie wir ihr geben. Das gilt allerdings für Erwachsene. Bei Kindern ist das nochmal eine andere Sache, weil bei ihnen viel mehr auf der emotionalen Ebene geschieht.

#Wie geht es mir selbst mit der Angst?

Bevor ich mir nun konkret überlege, wie ich das alles meinen Kindern erklären soll, ist es meiner Meinung nach wichtig, mir selbst darüber klar zu werden, wie es mir damit geht. Ich muss/sollte als Erwachsener meine eigenen Gefühle und Ängste kennen und ernst nehmen und lernen, damit gut und wohlwollend umzugehen.

Selbstreflexion ist notwendig im Umgang mit Angst.

Nur so kann ich in gesunder Weise mit den Gefühlen meiner Kinder umgehen. Wenn ich das nämlich nicht tue, kann es passieren, dass ich unabsichtlich meine unbewussten Ängste auf meine Kinder projiziere und alles dadurch noch schlimmer mache. Selbstreflexion finde ich also notwendig im Umgang mit der Angst.

#Das „persönliche Schreckgespenst“ und Arbeit mit dem inneren Kind

Ich habe mich also hingesetzt und konkret überlegt: welche Arten von Angst machen mir zu schaffen? Ist es eher die Angst, selbst krank zu werden, die Angst, geliebte Menschen zu verlieren, die Angst vor Einsamkeit im Fall einer Quarantäne, die Existenzangst aufgrund meiner unsicheren berufliche Situation? 

Je mehr ich darüber nachdachte, desto klarer konnte ich mein persönliches „Schreckgespenst“ definieren. Manches, so wurde mir bewusst, hatte auch mit kindlichen Ängsten zu tun, die durch die aktuellen Umstände neu ausgelöst wurden. Also stellte ich mir vor, ich sei wieder ein kleines Kind. Ich wusste genau, was ich mir damals gewünscht hätte. Als Erwachsene konnte ich mich nun um dieses kleine verschreckte Kind kümmern, so wie es das brauchte. Man nennt das therapeutisch die „Arbeit mit dem inneren Kind“ und es gibt viel wertvolle Lektüre dazu, z.B. einige Bücher von Stefanie Stahl, die ich sehr empfehle. 

Ich bin natürlich selbst keine Therapeutin und erzähle nur von meinen eigenen Erfahrungen. Aber es gibt durchaus ein paar Dinge, die man selbst tun kann, um in gesunder Weise mit den eigenen Ängsten umzugehen.

#Achtsamkeitsübung

In einem nächsten Schritt setzte ich mich dann hin, machte die Augen zu, atmete ruhig und versuchte, zu spüren, wie es mir in diesem Moment gerade ging. Achtsam erspürte ich die verschiedenen Körperpartien und meine Gefühle. Und ich merkte, eigentlich geht es mir gut. Ich bin satt, gesund, mir ist warm, ich bin in Sicherheit, im Hier und Jetzt geht es mir gut. Das war für mich eine ganz wichtige Erkenntnis. Und von dieser sicheren Basis aus konnte ich mein persönliches „Schreckgespenst“ in die Schranken weisen und hatte Kraft für weitere Schritte.   

#Darüber reden ist wichtig!

Wenn wir selbst einen Weg gefunden haben, mit den eigenen Ängsten umzugehen, ist es wichtig, die Kinder auf ihre Ängste anzusprechen und sie darin ernst zu nehmen. Jedes Kind reagiert ganz anders auf äußere Umstände. Ich denke, Kinder brauchen es grundsätzlich, über solche belastenden Dinge zu reden, auch wenn sie nicht von selbst damit anfangen. Wir setzen uns dazu meist auf die Couch und kuscheln. Um sie nicht zu überfordern, frage ich mal vorsichtig nach, ob und was sie z.B. von dem Vorfall in Wien gehört haben.

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Sie beginnen dann meist selbst zu erzählen. Wir versuchen Antworten zu finden, warum jemand wohl so etwas macht. Auf manche Dinge gibt es allerdings keine zufriedenstellenden Antworten. Das Böse hat leider vor langer Zeit auf der Erde Einzug genommen und das sind die Folgen davon.

#Gottvertrauen stärken

Was mir in solchen Krisenzeiten wie jetzt Kraft und Halt gibt, ist mein persönlicher Glaube an Gott. Es ist für mich ok, mich manchmal schwach und hilflos zu fühlen, denn ich weiß, ich bin nicht allein.

Ich weiß mich getragen und geführt von einem allwissenden und liebenden Gott und das schenkt mir Zuversicht.

Ich weiß mich getragen und geführt von einem allwissenden und liebenden Gott und das schenkt mir Zuversicht. Auch meine Kinder dürfen das mitbekommen, dass ich als Mutter manchmal ratlos bin und Gott um Hilfe bitte. Es gibt wunderbare Geschichten in der Bibel, in der es um bedrohliche Situationen geht, z.B. die, wo Jesus im Boot schläft, während es stürmt. Die Jünger bekommen Angst und wecken ihn und er gebietet schließlich dem Sturm, dass er aufhören muss. Wenn wir Eltern das Vertrauen in Gott haben, dass er uns in den Stürmen des Lebens beisteht, können wir auch unseren Kindern dieses unerschütterliche Gottvertrauen weitergeben. 

#Das Leben feiern

Was neben Gesprächen, Kuscheln und gemeinsamer Lektüre der Kinderbibel auch nicht zu kurz kommen sollte, sind bewusste Feier-Aktionen. Einfach mal spontan Maroni braten oder Bratäpfel zubereiten. Oder einen leckeren Vitamin-Cocktail… das Leben ist zu schön, um es sich von Sorgen und Ängsten vermiesen zu lassen!


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