Regina Magdalena Smrcka

Regina Magdalena Smrcka "Mein Tagebuch"

taschengeld - meinefamilie.at
7. März 2019

Taschengeld – Wie animiert man zum richtigen Umgang?


Seit Schulbeginn bekommt unser 6-Jähriger Taschengeld. Wie man Kinder zum richtigen Umgang mit Geld animieren, und ihnen dennoch die Freiheit geben kann ihr Geld so auszugeben, wie sie es möchten. Ein Erfahrungsbericht.

Neue Möglichkeiten für das Kind

Beginnend mit der Auszahlung des Taschengeldes tat sich für uns eine neue Welt auf. Unser Sohn machte die positive Erfahrung nicht mehr auf Geschenke angewiesen zu sein, sondern selbst bestimmen zu können, was er sich kauft. Und wir stellten überrascht fest, wie schwer es eigentlich ist, ihm diese Selbstbestimmtheit auch wirklich zu gewähren. Ohne sich einzumischen, ohne gut gemeinte Ratschläge, ihm einfach nur helfend zur Seite zu stehen.

spielzeuggeschäft - meinefamilie.atSeit einer geschlagenen Stunde stehe ich schon im Spielzeuggeschäft und langsam aber sicher geht mir die Geduld aus. Doch noch ist kein Ende in Sicht, denn mein Sohn hat noch nicht sein ganzes Geld ausgegeben. Ein Problem, das ich absolut nicht nachvollziehen kann.
All meine Versuche ihn dazu zu animieren, es doch für ein andermal zu sparen, scheitern kläglich. Denn sein Ritual sieht folgendermaßen aus: Zuerst spart er wochenlang diszipliniert sein Taschengeld an, bis er einen Betrag von ca. € 10,- bis € 20,- zusammen hat, um diesen dann bis auf den letzten Cent auszugeben. Und genau das ist sein Problem! Er hat bereits ein Spielzeug um € 10,- gefunden, jedoch noch € 8,- über. Es gibt jedoch kein Spielzeug um € 8,-. Gefühlt jede zweite Schachtel haben wir bereits umgedreht und den Preis abgelesen, doch es gibt nichts um den Betrag, den er noch zur Verfügung hat. Verzweifelt versuche ich ihm klar zu machen, dass er ja mehre kleine Spielzeuge kaufen kann. Und endlich – dem Rechenunterricht sei Dank – versteht er, was ich meine. Wir finden zwei Playmobilmännchen um je € 4,-, die ihm gefallen, zu dem Spielzeug dazu passen, das er bereits hat, und die Welt ist gerettet.

Angebot

Familienberatung finden

Bei jedem Besuch im Spielzeuggeschäft bin ich hin und her gerissen. Einerseits geht es mir gegen den Strich, dass immer alles ausgegeben werden muss, obwohl wir schon so viel Spielzeug haben. Anderseits habe ich keinen Grund mich aufzuregen, da unser Sohn ja freiwillig sein Geld wochenlang anspart, um es dann ausgeben zu können. Das Prinzip, dass man nicht mehr Geld ausgeben kann, als man hat, hat er also verstanden. Ebenso akzeptiert er brav, dass das Geld, welches ihm beide Omas zu besonderen Anlässen zustecken, immer noch in ein Sparschwein wandert, welches regelmäßig geleert und auf ein Sparbuch eingezahlt wird. Ebenso wie das Kleingeld aus unseren Geldbörsen, welches regelmäßig ausgeleert und für ihn angespart wird.

Altes Spielzeug ausmisten und verkaufen

Eines Tages erzählte mir unser Sohn, er wolle sich das große Playmobil Spielzeug um zirka € 50,- kaufen. Da dies bei einem Taschengeld von € 3,- pro Woche ungefähr eine Ansparzeit von 4 Monaten ergab und auch der Geburtstag noch in der Ferne lag, kam ich plötzlich auf eine Idee, mit der ich gleich zwei Effekte gleichzeitig erzielen konnte: Altes Spielzeug ausmisten und dieses anschließend zu verkaufen.
Bisher waren alle Versuche altes Spielzeug auszumisten kläglich gescheitert. Denn kaum hatte ich das „Babyspielzeug“ aussortiert, wurde es plötzlich für kurze Zeit wieder interessant und es hieß, „das brauche ich noch!“. Doch basierend auf unseren positiven Erfahrungen, selber bei willhaben.at einzukaufen, erklärte ich unserem 6-Jährigen das Modell des „Verkaufens“.

Bisher hatten wir gebrauchtes Spielzeug immer in der Verwandtschaft weitergeschenkt, doch da unsere Sachen noch in sehr gutem Zustand waren, entschieden wir nun gemeinsam, was wir verkaufen wollen und was wir weiterhin verschenken. Und das Anfängerglück war uns hold. Kaum hatte ich die Fotos eines Brio-Eisenbahn-Sets auf willhaben.at gestellt, schrieb eine andere Mutter zurück und holte ein paar Tage später die Sachen ab. Dieses Geld durfte er nun behalten, anstatt es in die Spardose zu werfen. Wichtig war mir nur, dass er lernt, dass man auch etwas hergeben muss, wenn man etwas erhalten möchte. Genauso wie es am Kinderflohmarkt üblich ist, bei dem wir bereits eingekauft hatten.
Geld für kleine Hausarbeiten zu bezahlen ist bei uns nicht üblich, da wir der Meinung sind, dass dies, genauso wie Aufräumen, selbstverständlich sein sollte. Auch wenn dies nicht den allgemeinen Empfehlungen entspricht.

Wie viel Taschengeld ist angebracht?

Die Empfehlung von RataufDraht lautet:

6 – 8 Jahre: € 0,50 – 2 (wöchentlich)
8 – 10 Jahre : € 2 – 3 (wöchentlich)
10 – 12 Jahre: € 8 – 14 (monatlich)
12 – 14 Jahre: € 12 – 20 (monatlich)
14 – 16 Jahre: € 18 – 35 (monatlich)
16 – 18 Jahre: € 30 – 60 (monatlich)

Weitere Tipps zum Taschengeld

– Regelmäßig auszahlen, das Kind muss sich darauf verlassen können.
– Keine Vorauszahlungen oder Zuschüsse auszahlen.
– Bis zum 12. Lebensjahr wird die wöchentliche Auszahlung empfohlen, anschließend die monatliche Auszahlung.
– Die Grundbedürfnisse des Kindes müssen von den Eltern erfüllt werden (Nahrung, Kleidung).
– Taschengeld ist kein Erziehungsmittel. Der Betrag bzw. die Auszahlung sollte nicht mit dem Verhalten des Kindes in Zusammenhang gebracht werden.
– Mit gutem Beispiel voran gehen, anstatt zum Sparen zu zwingen.

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at