Julia Pass

Julia Pass "Mein Tagebuch"

skepsis religion - meinefamilie.at
3. November 2018

Skepsis gegenüber religiösen Eltern


Religiöse Eltern werden von vielen Menschen der Gesellschaft mit Vorbehalt wahrgenommen. Manchmal werden sie sogar als potenzielle Gefahr betrachtet; als jene, die ihre Kinder manipulativ in innere und äußere Abschottungsburgen drängen. Eine gesunde Skepsis hat meiner Meinung nach durchaus ihre Berechtigung. Es gibt gläubige Eltern, egal welcher Religionszugehörigkeit, die ihren Kindern auf autoritäre Art und Weise einen autoritären Glauben anerziehen. Eine generell negative Bewertung von religiös Erziehenden finde ich jedoch auch falsch. Alle Eltern, egal ob gläubig oder nicht, haben Weltanschauungen, Ideale, Werte. Alle Eltern haben eine Identität und Kinder lernen diese unweigerlich kennen. Sie lernen Lebenskonzepte kennen, die bestenfalls liebevoll gelebtes Angebot statt aufoktroyiertes Dogma sind.

Freie Entfaltung vs. Indoktrination

Als ich zum ersten Mal Mutter geworden bin, ist mir recht schnell klar geworden, dass ich (neben Liebe, Fürsorge etc.) vor allem dafür verantwortlich bin, dass mein Kind sich entfalten kann. Das klingt so plakativ, und dennoch war und ist das ein ganz unmissverständliches Gefühl. Ich möchte, dass meine Kinder meine Glaubensidentität erfahren, mich aber nicht als Glaubensautorität wahrnehmen.

Meine Kinder sollen keine Hülle erhalten.

Ich möchte sie wissen lassen, dass ich an den christlichen Gott der Bibel glaube, aber ihnen keinen absoluten Durchblick vorheucheln. Ich habe keine fix-fertige Weltsichthülle und finde das ganz okay so. Hüllen sind meist nicht sehr wachstumsfördernd. Sie sind schalldicht, was kritische Fragen des Kindes betrifft. Sie halten andere Menschen auf Abstand. Meine Kinder, so bin ich überzeugt, sollen keine Hülle erhalten. Sie sollen sich in einer Atmosphäre bewegen, in der sie ihre von Gott gewollte Denkfähigkeit ernst genommen sehen.

Mit Glauben erziehen

Selbstverständlich werden unsere Söhne wissen, was uns wichtig ist. Worauf wir vertrauen. Sie nehmen bereits jetzt Teil an unseren Gebeten, besuchen mit uns den Gottesdienst und den Hauskreis. Sie werden unser Werteverständnis mit den Jahren immer deutlicher begreifen, und wahrnehmen, was wir tun und lassen. Und warum wir es tun oder lassen. Sie werden Fragen stellen und wir werden ihnen sagen, wie wir es sehen. Und wir werden ihnen Fragen stellen und sie fragen, wie sie es sehen. Ich möchte Teil einer Familie sein, in deren Leben der Glaube leuchtet. Aber ich möchte keine Mutter sein, die die Saat von Besserwisserei, Hochmut und Schwarz-Weiß-Denken in ihren Nachwuchs streut. Als Eltern sind wir Glaubende. Und doch auch Suchende. Manchmal auch Irrende. Diese Komplexität ist einem Kind, das dazu angehalten werden soll, dereinst ein freies und überzeugtes „Ja“ zu einer Lebensform zu formulieren, zumutbar. Und dass ich mir wünsche, dass dieses „Ja“ Gott gilt, ist kein Geheimnis. Was ich tun kann? Natürlich dafür beten! Und ein authentisches Christsein vorleben.

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EIN ARTIKEL VON
  • Julia Pass

    Beruflich bin ich als AHS-Lehrerin tätig, derzeit jedoch bei meinen kleinen Söhnen zuhause. Meine Kinder sind die fantastischsten Geschenke, die ich jemals bekommen habe, und mit ihnen entdecke ich vieles neu: mich, Gott und die Welt. Auf meinem Blog www.vielfaltigkeit.at schreibe ich neben anderen christlichen Themen über gelebten Glauben mit Kindern.


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