Regina Magdalena Smrcka

Regina Magdalena Smrcka "Mein Tagebuch"

plastikfrei2-meinefamilie.at
28. September 2018

Leben und einkaufen ohne Plastik – Teil 2


Tag 7 – Neues entdeckt

Vor ca. einem Monat entdeckte ich in der Zeitung einen winzigen Artikel über ein neues Sortiment bei Lego, der mir jetzt wieder in die Hände fällt. Laut Pressemitteilung bringt Lego erste Sets aus pflanzlichem Kunststoff auf den Markt. Genauere Recherchen ergeben, dass botanische LEGO Elemente wie Blätter, Büsche und Bäume in Zukunft aus Polyethylen, einem weichen, langlebigen und flexiblen Kunststoff auf Zuckerrohrbasis gefertigt werden. Derzeit sind alle Spielelemente (Blätter, Büsche, Bäume) im freien Handel, bereits aus diesem Material gefertigt. Auch ist der Plan langfristig alle Legoprodukte auf Polyethylen umzustellen. Den Zeitraum, an dem das neue Set in LEGO Geschäften verschenkt wurde haben wir leider gerade verpasst, die Aktion an sich finde ich jedoch großartig.

Tag 8 – Ich muss ehrlich sein

Ich kann Sie, liebe Leser, nun anlügen, den Kopf in den Sand stecken und diese Projekt für beendet erklären oder offen dazu stehen. Wir waren bei IKEA. Das Trofast-Kastensystem, welches mein Mann für unseren Sohn zum Schreibtisch umbaut, beinhaltet Aufbewahrungsboxen aus Plastik. Und zu allem Unglück behauptet unser Sohn beim Probesitzen, dass der Schreibtischsessel aus Plastik der bequemste von allen ausgestellten Drehstühlen ist. Zu meiner Verteidigung kann ich nur anbringen, dass dieses Schreibtischprojekt bereits vor Monaten geplant und durchdacht wurde, als von unserem Versuch noch keine Rede war. Und es handelt sich nicht um ein Einwegprodukt, das sofort wieder weggeschmissen wird, sondern hoffentlich ein paar Jahre hält und weitervererbt wird. So wie die Holzmöbel, die mein Mann bis jetzt für unseren Sohn gebaut hat, alle an Verwandte mit Kleinkindern weitergegeben wurden.

Tag 9 – Man muss flexibel bleiben

Der Gang durch diverse Diskonter beim Einkaufen wird immer schwieriger, zumindest bei Verdünnungssaft, Obstsäften und Tomatensoße gelingt es uns konsequent von Tetrapack auf Glasflaschen umzusteigen. Obst und Gemüse nehme ich nur mehr offen oder in Papier/Pappe verpackt und Brot wird vom Bäcker geholt. Doch bei Nudeln und allen Milchprodukten muss ich noch Kompromisse machen. An der Wursttheke sage ich bereits seit Monaten „Bitte nur stapeln, nicht legen“, da mich die vielen Folien zwischen den hauchdünnen Schinkenscheiben echt angehen. Auch haben wir auch bereits seit längerer Zeit keine Plastikdosen mehr, sondern bewahren Wurst und Käse im Kühlschrank, in Glasdosen auf. Schließlich entdecke ich bei der
Wursttheke noch offene Knackwürste, die doppelt so groß wie jene in der Plastikverpackung sind und auch viel besser schmecken.

Tag 10 – Überall Plastik?

Wir sind zu einem Kindergeburtstag eingeladen und wie meistens bei einem Picknick gibt es Plastikbecher zum Trinken, wenigstens sind die Teller aus Pappendeckel. Doch ich möchte niemanden verurteilen, denn vor ein paar Monaten machten wir es noch genauso und schleppten literweise Mineralwasser und Verdünnungssaft in Plastikflaschen in den Park zur Geburtstagsfeier unseres Sohnes. Und das war schon anstrengend genug. Es stimmt mich jedoch nachdenklich, dass es noch so wenige alternative Angebote gibt. Als ich mit einer befreundeten Mutter über unser Projekt spreche meint sie, dass der übermäßige Plastikkonsum nur durch ein generelles Plastikverbot eingedämmt werden kann. Mein Mann dagegen ist der Meinung, dass die übermäßige Verpackungsflut mit den neuen Hygienevorschriften zusammenhängen. Es beginnt ja schon damit, dass wir keinen Kuchen mehr backen dürfen, sondern nur gekaufte Torten zur Geburtstagsfeier in den Kindergarten bringen dürfen.

Tag 11 – Auch mein Sohn macht mit

Was mich heute positiv überrascht, ist die Bereitschaft meines Sohnes unser Projekt mitzutragen, vorausgesetzt, dass ich ihn und seine Bedürfnisse ernst nehme. Zum Beispiel haben wir im Internet nach Unterlagen für seinen neuen Schreibtisch gesucht und schnell sein Lieblingsmotiv gefunden, die Weltkarte. Auf dem Weg zu einem Termin schauten wir spontan bei einem LIBRO vorbei und entdeckten erfreut, dass die Schreibtischunterlage mit Motiv Weltkarte in Pappkarton zu haben ist. Die Motive Paw Patrol und Lightning McQueen, welche ihm spontan auch sehr gut gefallen, sind jedoch auf Kunstleder gedruckt. Mit dem Hinweis, dass er ja ursprünglich sowieso die Weltkarte wollte kann ich ihn jedoch ohne größere Probleme zur Pappversion überreden.
Am Heimweg unseres Termins beim BILLA eine ähnliche Situation. Er möchte Nektarinen, doch diese sind Kiloweise in Plastik verpackt. Ein kurzer Hinweis auf unser Projekt und wir begeben uns auf die Suche nach offen ausgestellten Nektarinen, schnappen uns einen Brotsack aus Papier – mit zugegeben kleiner Plastikfolie – und wiegen sie darin ab. Funktioniert doch einwandfrei denke ich mir, nicht einmal die Kassiererin kommentiert unseren ungewöhnlichen Obst Sack.

Wir achten mehr auf unsere Lebensmittel und versuchen sie rechtzeitig aufzubrauchen.

Tag 12 – Glasbehälter

Mein Vorhaben für heute: Die gesamten Vorräte (Mehl, Zucker, Reis, Haferflocken, Nudeln, etc.) von meinen Plastikdosen in Vorratsbehälter aus Glas umzufüllen. Langfristig erhoffe ich mir dadurch auch eine Verringerung der jährlichen Lebensmittel-Motten-Plage. Vorratsbehälter aus Glas gibt es am Flohmarkt, beim BILLA und in größeren Größen auch bei IKEA.

Resümee

Wenn man bereit ist Kompromisse einzugehen und auch einmal ein wenig Organisationsarbeit in Kauf nimmt, ist es sehr wohl möglich bewusster einzukaufen. Wir kochen wieder mehr, mein Mann trinkt statt Saft und Kaffee auch wieder öfter Tee. Wir achten mehr auf unsere Lebensmittel und versuchen sie rechtzeitig aufzubrauchen. Unsere Kiste für Glasflaschen muss statt monatlich nun alle zwei Wochen geleert werden, dafür ist der Restmüll weniger geworden. Wir haben viele Kompromisse gemacht, aber die Kleinigkeiten, welche umgesetzt wurden, werden wir auch in Zukunft beibehalten. So gesehen sind wir unserem Ziel ein großes Stück nähergekommen.

Verpackungsfrei einkaufen

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http://www.der-greissler.at/
www.warenhandlung.at
http://www.zerowasteaustria.at/verpackungsfrei-einkaufen-in-wien.html

Verpackungsfrei einkaufen in St. Pölten
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Verpackungsfrei einkaufen in Linz:
https://www.blattgruen.blog/verpackungsfrei-einkaufen-in-linz/

Verpackungsfrei einkaufen in Graz
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Lieferservice
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https://www.adamah.at

Allgemeine Informationen
www.energieleben.at

Literatur für Interessierte

  • PLASTIK FREIE ZONE Wie meine Familie es schafft, fast ohne Kunststoff zu leben, von Sandra Krautwaschl, erschienen 2012 beim Wilhelm Heyne Verlag, München
  • Plastik im Blut: Wie wir uns und die Umwelt täglich vergiften, von Heike Schröder, erschienen 2017 bei der VAK Verlags GmbH, Kirchzarten bei Freiburg
  • Green Parenting: Wie man Kinder groß zieht, die Welt rettet und dabei nicht verrückt wird, von Kate Blincoe, erschienen 2016 beim Oekom Verlag, München
  • Besser leben ohne Plastik, von Anneliese Bunk und Nadine Schubert, erschienen 2016 beim Oekom Verlag, München
  • Statt Plastik: Schöne Sachen zum Selbermachen – das Ideenbuch für Einfälle statt Abfälle, von Jutta Grimm, erschienen 2017 beim Pala Verlag, Darmstadt

 

Für den Artikel “Selbstversuch ohne Plastik” habe ich von keinem der genannten Lebensmittelketten oder erwähnten Firmen einen Vorteil erhalten, und somit bewusst keine Werbung gemacht.



EIN ARTIKEL VON
  • Regina Magdalena Smrcka

    Vor meiner Karenz meines Sohnes war ich in der direkten Pflege, aber auch im Leitungsteam, für die Betreuung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen verantwortlich. Als Ausgleich dazu unterrichtete ich Kinderturnen. Derzeit vertrete ich als Texterin & Grafikerin EPUs bei ihrem Firmenauftritt. Jetzt unterstütze ich meinen Lebensgefährten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam haben wir einen Sohn.


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