Regina Magdalena Smrcka

Regina Magdalena Smrcka "Mein Tagebuch"

plastikfrei - meinefamilie.at
20. September 2018

Leben und einkaufen ohne Plastik – Teil 1


Obwohl die meisten großen Konzerne damit werben auf Plastik zu verzichten und Papiertüten der neue Standard sind, entdecke ich immer öfter winzige Mengen an Lebensmitteln in riesige Plastikbecher verpackt. Vor allem der Markt für Singles ist in den letzten Jahren regelrecht explodiert. Letztens ertappte ich mich dabei, als ich in einem Wutanfall damit begann, heimlich Fotos von den Verpackungen zu schießen, als Beweismittel sozusagen. Denn manchmal frage ich mich wirklich, ob die großen Lebensmittel-Konzerne wirklich glauben, dass wir Konsumenten so naiv sind, diese Entwicklung nicht zu bemerken.

Schließlich überzeugt mich das ehrliche Eingeständnis und der Mut zu Kompromissen, den Versuch ebenfalls zu wagen.

In Erinnerung an einen Artikel über eine Familie, die probeweise einen Monat auf Plastik verzichtete, denke ich mir, „das mache ich auch!“ Hochmotiviert decke ich mich mit Waschnüssen und Haarwasch-Seife ein. Um nach dem nächsten Einkauf desillusioniert nach Hause zu kommen. Schließlich kosten die Taschentücher in Papierboxen verpackt dreimal so viel wie die 100ter Packung in Plastik verpackt. Und wenn ich ehrlich bin, dann kann das Projekt frühestens nach dem Geburtstag unseres Sohnes starten. Denn auf seiner Wunschliste stehen einige Playmobil-Artikel.

Doch meine Recherchen im Internet ergeben, dass besagte Familie in der Steiermark seit 2009 ohne Plastik lebt. Ihr als Projekt gestarteter Versuch 1 Monat ohne Plastik zu leben ist mittlerweile zur Lebenseinstellung geworden. Langsam, aber sicher dämmert mir, dass es hier um mehr geht als um eine bloße Boykottierung bestimmter Lebensmittelketten. Schließlich überzeugt mich das ehrliche Eingeständnis und der Mut zu Kompromissen, den Versuch ebenfalls zu wagen. Denn ein Kind der Familie Krautwaschl spielt unter anderem auch noch mit Playmobil.

Die einzige Bedingung, die mein Mann und ich an das Projekt stellen, ist es, das Vorhaben nicht zu extrem durchzuführen, sondern nur solche „Plastikteile“ beim Einkauf wegzulassen, die im Alltag langfristig auch durchhaltbar sind. Ebenso tauschen wir nicht gleich die gesamten Gebrauchsartikel gegen plastikfreie aus, sondern beginnen einmal damit, so wenig Plastik wie möglich bei Neueinkäufen „mit zu erstehen“.

Tag 1 ohne Plastik – Mülltrennung

Bis jetzt, das gebe ich unumwunden zu, war ich bei der Mülltrennung nicht so genau. Denn Biomüll Tonnen gibt es in unserem Bezirk keine mehr, Papier, Altöl, Glas und Batterien trennten wir sowieso bereits und Plastik gab ich einfach zum Hausmüll dazu. Jetzt sammle ich hochmotiviert den Biomüll in einem Plastikkübel (O.K. ich bin mir der Ironie bewusst), da wir bei unserem Gartenbeet-Projekt einen Komposter haben. Interessant wie hoch der Anteil an Biomüll ist. Doch bald wird auch diese Art Müll zu trennen zur eigenen Wissenschaft. Denn nicht alles darf in den Biomüll. Und wenn man den Biomüll nicht täglich leert, wird er schnell zur Geruchsprobe.

Tag 2 ohne Plastik – Wäsche

Beim zweiten Waschgang geht mir das Leinensäckchen mit den Waschnüssen auf. Abgesehen davon, dass die weiße Wäsche einfach nicht sauber wird, kleben nun lauter winzige Schalen auf den Wäschestücken. Ziemlich entnervt suche ich die einzelnen Schalen aus der Wäsche und beutle jedes Stück einzeln aus, bevor ich den ganzen Berg erneut in die Waschmaschine stecken kann. Also dieses System überzeugt mich überhaupt nicht. Dafür versöhnt mich die Haar-Wasch-Seife, mit der sogar mein Sechsjähriger ohne Probleme Haare wäscht. Einfach Wasser ins dazu erhältliche Glas mit der Seife geben, schütteln, über die Haare gießen und aufschäumen. Herrlich! Einziger Wermutstropfen ist der Preis dieser winzigen Seifen.

Tag 3 ohne Plastik – es geht ins Geld

Meine Wochenendbestellung beim Biohof Adamah geht echt ins Geld. Doch als ich beginne unsere (fast) täglich gekaufte Nachmittagsjause, inkl. 0,25/0,30Liter Plastikflasche um ca. € 1,50 auf einen Liter aufzurechnen kommen mir die Glasflaschen mit dem Bio-Saft gar nicht mehr so teuer vor. Letztendlich geht es nur um bessere Organisation und Vorbereitung. Die „anziehbare Glasflasche Emil“ besitzen wir ja schon lange in 3-facher Ausführung, doch bis jetzt kam sie nur bei Ausflügen zum Einsatz. So nehme ich mir vor, nicht in letzter Minute aus dem Haus zu stürmen, sondern vor dem Abholen vom Kindergarten die Glasflasche aufzufüllen und mitzunehmen. Der langsam beginnende Herbst kommt mir dabei zugute, da unser Sohn nun immer öfter nach Früchtetee verlangt und wir auf die Tetrapack Saft Packungen verzichten können.
Nähere Infos unter www.emil-die-flasche.de, erhältlich auch bei „Gewusst wie“.

Tag 4 ohne Plastik und weniger Papier

So, die bestellten Aufkleber „Bitte keine Werbung“ von der Umweltberatung sind angekommen und an Postkasten und Eingangstür angebracht. Ab sofort wird auch beim Papier gespart! Die Werbeflut war mir schon lange zu viel und landete immer sofort im Altpapier. Doch meist braucht es einen konkreten Anlass, in unserem Fall dieses Projekt, um sich endlich aufzuraffen und einige Dinge zu ändern.
Aufkleber erhältlich bei www.umweltberatung.at

Tag 5 ohne Plastik – alte Gewohnheiten

Am Beginn meines morgendlichen Einkaufes bin ich noch echt stolz auf mich. Beim DM landen alle Einkäufe (Saft und Marmelade in Glasflaschen) in meinem Stadtrucksack und im Blumenladen drapiert die Verkäuferin die Blumenstöcke – anlässlich unseres letzten Tages im Kindergarten – vorsichtig in meiner mitgebrachten Stofftasche. Außerdem entdecke ich, dass die Obst- und Gemüsesäfte in Glasflaschen im Geschäft „Gewusst wie“ noch billiger als beim Adamah Hof sind. Doch beim Fischhändler bin ich so ins Plaudern vertieft, dass ich gar nicht bemerke wie Fisch und Hühnerinnereien in einem Plastiksackerl landen. Interessant wie tief alte Gewohnheiten sind! Außerdem nehme ich mir vor, ab sofort immer zwei Stoffsäcke mitzunehmen. Denn selbst wenn ich dran gedacht hätte, wären meine Transportmöglichkeiten erschöpft gewesen. Ein schneller Blick in Google und ich bin echt überrascht, Auswahl an plastikfreien Einkaufsmöglichkeiten gibt es mittlerweile ja genug (Stoffsäcke, Netze).

Tag 6 ohne Plastik – Hygiene und Kosmetik

Die Mutter einer Kindergartenfreundin meines Sohnes ist auf freiberuflicher Basis im Vertrieb einer Kosmetikfirma tätig. Als sie mich zu einem Informationsabend einlädt und von der Möglichkeit einer Mitarbeit auf Provision erzählt, lehnte ich dankend ab. Denn abgesehen davon, dass ich absolut kein Verkäufertyp bin, interessiert mich auch das Thema an sich nicht. Zufällig entdecke ich jedoch nun in einem Facebook-Beitrag, dass diese Firma Kunden, die alte Glasfläschchen zurückgeben mit kostenlosen Produkten belohnt. Das finde ich einmal eine echt coole Aktion zum Thema Mehrwert. Meine Recherchen ergaben weiters, dass die Firma Preisträger des österreichischen Klimaschutzpreises sowie ein Klimabündnis Betrieb ist. Weitere Informationen auch unter www.frischmitmir.at.

Tag 7 ohne Plastik – wieder die Wäsche

Das neue Waschmittel AlmaWin in Pulverform, welches ich bei Adamah erstand wäscht einwandfrei. Die Außenverpackung ist aus Pappendeckel, das Waschpulver selbst jedoch noch in eine Plastikfolie verpackt. Zumindest ist diese vom Volumen her geringer als die Plastik-Verpackungen der Flüssigwaschmittel. Laut Website werden jedoch auch diese zu 95 -100% aus gesammeltem, geschredderten Kunststoffabfall, sogenanntem Recyclat hergestellt. Zusätzlich zur Hautfreundlichkeit und ökologisch korrekten Herstellung dieses Waschpulvers. Was mich trotz Auszeichnung durch die unabhängige Organisation GREEN BRANDS nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass dieses Produkt von Deutschland kommt. Denn abgesehen vom langen Transportweg sind wir prinzipiell bemüht mehr einheimische und regionale Unternehmen durch unseren Einkauf zu fördern. Nähere Infos unter www.almawin.de/258-0-Umwelthelden_news2.html

Wie die zweite Woche des Selbstversuches vorangegangen ist und welches Resümee ich ziehen kann, erfahren Sie im zweiten Teil meines Artikels “2 Wochen leben und einkaufen ohne Plastik”.

 

Für den Artikel “Selbstversuch ohne Plastik” habe ich von keinem der genannten Lebensmittelketten oder erwähnten Firmen einen Vorteil erhalten, und somit bewusst keine Werbung gemacht.

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EIN ARTIKEL VON
  • Regina Magdalena Smrcka

    Als Sozialarbeiterin spezialisierte ich mich auf die Betreuung von schwerstbehinderten Kindern. Als Ausgleich unterrichtete ich Kinderturnen. Jetzt unterstütze ich meinen Lebensgefährten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam haben wir einen Sohn.


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