Rafaela "Mein Tagebuch"

aufmerksam wie ein kind - meinefamilie.at
8. Dezember 2018

Sei frei und aufmerksam wie ein Kind


Sei  frei und aufmerksam wie ein Kind, dann wird’s geschehen,

je kleineres Ding Du nimmst in die Hand, desto mehr wirst Du darin sehen.

Sieh, verstehe, handle.

<OMG! Kinder fragen nach Gott>

 

Eine Prüfungsfrage, die mir während des Studiums der Sonderpädagogik gestellt wurden, lautete: „Was ist Pragmatismus?“. Der Pragmatismus bemisst Wert oder Unwert der Dinge anhand ihrer praktischen Nützlichkeit, er orientiert sich also am Nützlichen. Demnächst bedeutet pragmatisch sein anwendungs-, sachbezogen zu denken und zu handeln. Mir diese wissenschaftliche Definition anzueignen, war keine große Sache. Aber meine Antwort genügte dem Professor nicht. Er schmunzelte, drehte an seinem Schnurrbart und ‚bohrte‘ tiefer: „Können Sie ihre wohl korrekte Antwort anhand einer einfachen Alltagssituation aus dem Bereich Pädagogik nochmals erklären?“ „Na los!“, dachte ich, „Alltag… Alltag… das ist ja doch so einfach!“ Aber all mein Wissen schwand auf einmal aus meinem Gedächtnis und vor lauter Stress wurde ich sprachlos. Die Antwort kam erst später, spontan, nach der Prüfung.

Kinder und ihre Phantasiewelten

Als ich ca. 5 Jahre alt war, sammelte ich fast bei jedem Winter-Spaziergang, den ich sonntags mit meinem Vater machte, Tannenäste. Selbstverständlich brachte ich sie dann nach Hause. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen an dunkeln, winterlichen Abenden war es, sie auf verschiedenste Art zu schmücken. Meine Mutter hat sich meistens geärgert, weil die Äste schnell trockneten und überall die kleinen, stichigen Nadeln herumlagen. So verbot sie mir schließlich, die Äste mit nach Hause zu bringen. Damit verschwand auch mein geheimes ‚Wunderland‘. Denn das waren nicht einfach nur Äste, das heißt gewöhnliche Tannenäste. Oh nein, das waren Zauberstäbe, die die Kraft hatten, die Dunkelheit in Licht zu verwandeln oder die Kleiderfarben meiner Puppen beliebig zu ändern… Ihr Duft verursachte die schönsten Träume und selbst wenn sie trocken wurden, waren sie mit ihrem Schmuck immer noch schön. Auch der Spinne „John“, die in ihnen ihren Winter-Zufluchtsort fand, wurde dadurch das Leben gerettet. Ist das nicht eine Heldentat?

Doch meine Mutter war eben pragmatisch. Für sie gehörten Ordnung und Sauberkeit in der Familienwohnung zu den höchsten Prioritäten. Natürlich passten meine Zauber-Äste nicht in dieses Konzept und so landeten sie regelmäßig im Mistkübel. Auch die Spinne „John“ wurde beim Weihnachtsputz durch das Staubsauger-Monster eingesaugt. Mir blieb damals nur die Hoffnung, dass „John“ in einem Staub-Land ein neues Zuhause fand.

Kinder können aus wenig viel machen

Wenn ich heute daran denke, muss ich schmunzeln, klar. Doch diese ‚kleine Situation aus dem Alltag‘ ist nicht zu unterschätzen. Sie hat mich nämlich gelehrt, aufmerksamer und tiefer das Unauffällige und das Nicht-Nützliche, mit dem sich Kinder so gerne beschäftigen, zu betrachten. Denn das ist ihre Stärke: aus dem ‚Nichts‘ etwas Faszinierendes zu schaffen und somit ein Wunder geschehen zu lassen. Denn: Wie können wir Erwachsene Kindern das Wunder der Geburt Jesus erklären, wenn wir ganz grundsätzlich an ihre „Wunder“ nicht glauben?

 

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