Petra Schmied

Petra Schmied "Mein Tagebuch"

schwanger und allein - meinefamilie.at
10. November 2020

Schwanger und allein


Nein, ich bin nicht alleinstehend, nicht vom Kindesvater sitzen gelassen worden und trotzdem bin ich nun in meiner zweiten Schwangerschaft allein. Schuld daran ist nicht mein Mann, nein, er möchte Teil der Schwangerschaft sein. Schuld daran ist Corona.

In unserer ersten Schwangerschaft waren wir immer zusammen: vom gespannten Warten auf das Ergebnis vom Schwangerschaftstest, bei allen Mutter-Kind-Pass Untersuchungen, auf der gynäkologischen Ambulanz bei einer Blutung bis hin über die 24 Stunden bei der Geburt. Die spannenden 9 Monate haben wir gemeinsam erlebt. Wir haben unser Kind in meinem Bauch heranwachsen erleben können. Ich hatte immer jemanden an meiner Seite, in den schönen Zeiten der Schwangerschaft, wie auch in den schweren. 

Erster Termin alleine

Begonnen hat die Schwangerschaft mit derselben Aufregung und Vorfreude wie die erste. Doch diesmal ist alles ganz anders. Schon bei der ersten Frauenarztuntersuchung, bei der es um die Feststellung der intakten Schwangerschaft geht, erfuhr ich, dass zurzeit leider keine Begleitperson mitkommen darf. So saß ich allein und verunsichert im Wartezimmer. Die Gedanken überschlugen sich mit „was wäre, wenn Fragen“. Die Aufregung wurde natürlich noch größer, als ich dann endlich auf dem gynäkologischen Stuhl saß. Gott sei Dank passte alles und ich konnte stolz ins Auto zu meinem wartenden Mann steigen und ihm mitteilen, dass wir wirklich unser zweites Kind erwarteten. Ich zeigte ihm auch das Ultraschallbild, das mir mitgegeben wurde – doch das Foto löste eher Enttäuschung aus. Nicht über die Schwangerschaft, aber wie soll so ein kleines Foto, auf dem in der 6.Schwangerschaftswoche ohnehin nur ein „Fleck“ zu erkennen ist, das Erlebnis, mit dabei gewesen zu sein, ersetzen?

Bauch und Verbindung wachsen

Wenn einmal der Babybauch ersichtlich ist und man als Vater die ersten Tritte nach außen spürt, wird es einfacher eine Verbindung zu seinem Kind aufzubauen. Doch anfänglich hat man als Vater nichts Greifbares. Gerade deswegen empfinde ich es als so wichtig, dass man mit zum Ultraschall geht und sein eignes Kind sehen kann. Als Mutter spürt man die Veränderungen im Körper. Da ist der Verbindungsaufbau einfacher – aber auch da empfinde ich Untersuchungen beim Gynäkologen immer wieder als bindungsstärkend.

Auch jetzt sitze ich immer noch nervös mit zahlreichen „was wäre, wenn Fragen“ im Wartezimmer. Solange die Schwangerschaft komplikationsfrei verläuft, ist es für die Frau okay allein zu sein. Doch was, wenn nicht?

Was ist, wenn mir die Frauenärztin sagen muss, dass der Herzton nicht mehr da ist, dass das Kind nicht lebensfähig ist oder eine schwere Beeinträchtigung hat? In so einem Moment möchte ich wirklich nicht alleine sein und ich möchte auch nicht diejenige sein müssen, die so eine Hiobsbotschaft ihrem Mann überbringt. In einer Schwangerschaft weiß man nie, ob alles gut geht – es gibt eine Grundunsicherheit. Wenn man sein ungeborenes Kind, das man noch nicht wirklich kennt, so sehr liebt, hat man besondere Angst es wieder zu verlieren

Erstes Kennenlernen

Auch in Kürze werde ich wieder allein, nervös im Wartezimmer meiner Gynäkologin Platz nehmen. Ich hätte schon mal nachgefragt, wie es denn aussieht, wenn mein Mann einen aktuellen, negativen Corona-Test vorweisen könnte – ich dachte das wäre es uns allemal wert, damit er dabei sein darf – aber auch da wird keine Ausnahme gemacht. Zur Mutter-Kind-Pass Untersuchung muss ich also allein gehen.

schwanger und allein - meinefamilie.atNach etwas Herumtelefonieren habe ich nun aber Gott sei Dank einen Arzt gefunden, bei dem mein Mann selbstverständlich zum Organscreening mitkommen kann. Unsere Vorfreude ist riesig – endlich wird er einmal dabei sein dürfen.

Ich habe absolutes Verständnis für die Sicherheitsmaßnahmen im medizinischen Bereich. Ich verstehe, dass die Ärzte keine vollen Wartezimmer haben wollen und die Zahl der Kontaktpersonen möglichst gering gehalten werden muss. Ich verstehe, dass keine Bekannten aus einem anderen Haushalt als Begleitpersonen in Frage kommen. Ich verstehe, dass Kinder nicht mitgenommen werden dürfen. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob der im selben Haushalt lebende Ehemann wirklich so ein erweitertes Risiko mit sich bringt. Dieser könnte außerhalb der Ordination warten, dann direkt in den Ordinationsraum kommen und zum behandelnden Arzt viele Meter Abstand halten.

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Ich befürchte leider, dass die derzeitige Regelung mehr Schaden als Sicherheit mit sich bringt. Gerade für werdende Väter, die sich nicht sicher mit ihrer neuen Rolle sind, die Bedenken haben, was auf sie zukommt und ob sie dafür wirklich bereit sind, gerade für diese wäre es umso wichtiger, mehr dabei sein zu dürfen. Aber auch jedem anderen Vater, der sich mit viel Liebe auf sein Kind freut, sollte es nicht verwehrt sein, die Schwangerschaft voll begleiten zu dürfen.



EIN ARTIKEL VON
  • Petra Schmied

    Nach meinem Lehramtstudium in Biologie- in Geographie habe ich bis zu meiner Karenz als Hortpädagogin an einem der wunderschönsten Ort in Salzburg gearbeitet. Es gibt nichts Schöneres als mit Kindern zu basteln, zu spielen und die Welt zu erkunden. Zudem bin ich als Sexualpädagogin tätig – einem Thema, das mich schon seit meiner Schulzeit begleitet. Mein Ehemann ist ein Jugendfreund von mir, mit dem ich die Leidenschaft des Handballsportes teile und gemeinsam als Jugendtrainer aktiv bin. Unsere kleine Tochter soll erst der Anfang unseres Familienglückes sein.


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