Elisabeth Lonski

Elisabeth Lonski "Mein Tagebuch"

15. Juli 2021

Unsere Leihoma als Rettung


Alles gut durchgeplant, aber manchmal geht’s rund! Normalerweise arbeite ich am Vormittag, aber hie und da gibt es Termine am Nachmittag. Normalerweise treffe ich die Kinder nach der Schule bei der Bushaltestelle und wir fahren gemeinsam nach Hause, nur manchmal fahren sie alleine. Normalerweise koche ich für sie, selten holen wir uns ein Leberkässemmerl. Normalerweise haben wir alles recht gut im Griff!

Letzten Dienstag hatte ich einen dieser Nachmittagstermine im Büro. Gut durchgeplant sollte sich alles bis 14:15 Uhr ausgehen, damit ich dann um 15:00 Uhr frisch und strukturiert ins Meeting starten kann.

Mein Plan

13:00 Uhr: Abfahrt Bus von der Volksschule

13:15 Uhr: Gleich anfangen zu kochen: Wurstnudeln gehen ruckzuck und sie essen sie anstandslos.

Ca. 13:30 Uhr: Essen

14:00 Uhr: Sieglinde (unsere Leihoma vom Katholischen Familienverband) kommt

14:10 Uhr: von zu Hause weg

15:00 Uhr: Meeting

Sitzt, passt und hat Luft!

Tatsächlich

13:00 Uhr: Ich stehe alleine (!) bei der Bushaltestelle und lasse den Bus fahren. Oje, wo sind sie?

13:05 Uhr: Die Kinder kommen. Unser Sohn wollte der Lehrerin nach dem Unterricht noch sein neues Lied auf der Gitarre vorspielen.

Angebot

Du suchst eine Leihoma?

13:18 Uhr: Abfahrt mit dem Bus, der 3 Minuten zu spät kommt.

13:37 Uhr: Oje, diese Zwiebeln haben sich bei dem heißen Wetter prächtig entwickelt! Kochen kann man die mit diesen Trieben aber nicht mehr. Notlösung: Nudeln mit Tomatensauce. Oh nein, da brauche ich ja auch Zwiebeln. Leberkäse? Nein, mit hin und retour geht sich das auch nicht richtig aus. Ok: Piccolinis – ernährungstechnisch nicht so toll, aber sie sollen halt dann noch einen Apfel essen

13:39 Uhr: Sie: „Lass mich in Ruuuuhe!“, er: „Maaamaaaah! Sie hat mir mein Lego-Raumschiff kaputt gemacht!!!“. Ich saus aus der Küche: „Kinder, das geht so nicht! Auseinander! Jeder in sein Zimmer! Fangt schon mal mit der Hausübung an.“ (Das mit der Hausi bleibt natürlich nur ein Vorschlag. Sie stampft ins Zimmer und schlägt die Tür zu, er setzt sich beleidigt auf die Couch. Naja, wenigstens streiten sie jetzt nicht mehr.)

13:44 Uhr: Endlich ist das Rohr heiß. Wie lange brauchen die nochmal? Aja, 12 Minuten.

13:46 Uhr: Weil ich mir so ja das Küche aufräumen spare, habe ich Zeit, eine Fuhr in die Waschmaschine zu schmeißen. Aber:

13:49 Uhr: Unsere Tochter kommt zu mir und muss ganz dringend erzählen, dass sich ihre zwei Freundinnen am Vormittag so gestritten haben, dass die eine direkt geweint hat. Die beiden konnten sich nicht einigen, in welche Stadt die Kinder in der Bildgeschichte mit dem Zug reisen, nach Linz oder Graz. Da wurde die erste so wütend, dass sie der zweiten an den Kopf geworfen hat, dass sie eh noch nie mit ihr befreundet gewesen sei und sie sie eigentlich überhaupt nicht mag. Unsere Tochter hat dann versucht, die zweite zu trösten, hofft jetzt aber, dass die erste nicht eifersüchtig ist. Ehrlich gesagt, verstehe ich den Streit auch nicht. Ich sage ihr, dass es ja völlig egal ist, in welche Stadt diese Kinder fahren, Hauptsache es steht was dort. Wenn sich die beiden Mädchen nicht einigen können, sollen sie halt eine andere Stadt nehmen! Vielleicht Wien. Außerdem sage ich ihr (während ich schon in die Küche düse, weil der Ofen angefangen hat zu piepsen), dass es gut war, dass sie sich um die traurige gekümmert hat.

13:56 Uhr bis 13:58 Uhr: Ich lege die (elendiglich) heißen Piccolinis auf ein großes Teller, ersuche die Kinder, währenddessen Teller und Gläser aufzudecken und den Wasserkrug zu füllen – Yes! Das passiert auch! – Und wir sitzen beim Essen.

Happy End

Und dann, Punkt 14:00 Uhr: DING DONG!

Gut! Unsere Sieglinde ist da! Die Kinder stürmen zur Tür und umarmen sie. Durch ihre liebe und aufmerksame Art und meine Schweißtropfen auf der Stirn erkennt Sieglinde unsere Situation, reagiert sofort, setzt sich entspannt zum Esstisch und unterhält sich gleich angeregt mit den beiden. Puh! Geschafft. Ich stopfe mir noch meine Piccolinis rein und komme rechtzeitig zu meinem Termin. (Ich kann mir vorher sogar noch die Haare richten und frisches Deo auftragen!)


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