Petra Schmied

Petra Schmied "Mein Tagebuch"

schwanger corona - meinefamilie.at
16. April 2021

Positive Seiten einer Corona Schwangerschaft


Mittlerweile ist es kein Monat mehr, in 21 Tagen erwarte ich unsere zweite Tochter. Natürlich war diese Schwangerschaft anders als die erste – nicht nur weil zweite Schwangerschaften bekanntlich ohnehin ganz anders wahrgenommen werden – sondern vor allem weil die gesamte Zeit von Corona geprägt war.

Natürlich könnte ich jammern. Es gibt vieles, was in dieser Zeit nicht toll war. Es hätte vieles anders laufen können. Zum Beispiel finde ich es immer noch entsetzlich, dass mein Mann kein einziges Mal zur Ultraschalluntersuchung zur Frauenärztin mitdurfte. Trotzdem frage ich mich, hat es nicht auch Gutes gegeben? Gab es Vorteile genau in dieser Zeit Schwanger zu sein? Ich habe es versucht, positiv zu sehen und zumindest ein paar Aspekte gefunden:

Die ersten Wochen

Diesmal waren sie einfacher: die verflixten ersten 12 Wochen der Schwangerschaft, in denen man einerseits seine Schwangerschaft noch nicht publik machen soll, andererseits an diversen Frühschwangerschaftssymptomen leidet, nicht leistungsfähig ist und vor allem mit dem Kopf vollkommen wo anders ist.

Einfache Geheimhaltung

In meiner ersten Schwangerschaft haben innerhalb kürzester Zeit unzählige Personen Bescheid gewusst – viele, denen ich es gerne deutlich später erzählt hätte. Ich wusste immer, dass es beim Sportverein die größte Herausforderung sein wird, dass meine Kolleginnen es zu einem für mich angemessenen Zeitpunkt erfahren. Da ich dort in der Doppelrolle als Jugendtrainerin und Spielerin bin, hatte ich den Konflikt, dass ich zwar das Jugendtraining halten konnte, selbst aber nicht am Training und an den Spielen der Damen teilnehmen durfte. Zwei Wochen habe ich es geschafft mich mit Ausreden, wie dass ich mich nicht fit fühle und verkühlt sei, herauszureden, und ich deswegen nach dem Jugendtraining nach Hause fahre. In der dritten Woche, wo ich von der Schwangerschaft wusste, flog ich auf. Eine Teamkollegin, selbst dreifache Mutter, rief mir quer durch die ganze Halle zu „Petzi, was ist mit dir los? Wieso bist du nicht im Training? Bist du schwanger?“. Scheinbar wurde schon in der Damenmannschaft gemunkelt. So wussten in der 8. Schwangerschaftswoche, vor meinen besten Freundinnen, meinen Arbeitgebern und Großteils der Verwandtschaft der gesamte Handballverein Bescheid.

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Diesmal war es einfacher. Es gab keinen Mannschaftssport, keine Partys und kaum soziale Verpflichtungen, an denen ich wegen der Frühschwangerschaft nicht teilnehmen konnte. Niemand hat mich skeptisch angesehen, weil ich mir kein Bier bestellt habe. Ich hatte es absolut selbst in der Hand zu entscheiden, wann es wer erfahren soll. Nachdem man sich so wenig sehen konnte, erfuhren es auch einige reichlich spät – anderen konnte ich überhaupt nicht persönlich von der Schwangerschaft erzählen. Trotzdem war es mir so deutlich lieber. Wenigstens musste ich niemandem etwas vorspielen oder vormogeln. 

Ein Mehr an Zeit

Ein weiterer Aspekt, den ich in dieser Corona-Lockdown-Schwangerschaft sehr zu schätzen weiß, ist, dass ich viel Zeit hatte mich auf die Schwangerschaft zu konzentrieren. Es gab weniger Termine und reichlich Zeit zu Hause. Gemeinsame Abende als Familie sind selbstverständlich geworden. So hat auch mein Mann viel Zeit mit unserer Tochter in meinem Bauch verbracht und wichtige Bindungsarbeit geleistet. Für uns als wachsende Familie war es eine besondere, prägende Zeit. Im normalen Alltagsstrudel wäre dies nicht so intensiv möglich gewesen, wir hätten uns viel mehr nebeneinander gelebt, jeder wäre seinen persönlichen Terminen und Verpflichtungen nachgegangen. Natürlich hätte es auch ohne Corona Familienzeit gegeben, aber sicherlich nicht in dem Ausmaß.

Ruhe tut gut

Und zu guter Letzt bin ich gespannt was die Corona-Regelungen für die Geburt und die Wochenbettstation bedeuten. Gott sei Dank, sind die Beschränkungen nicht mehr so streng wie zu Beginn der Pandemie. Ich werde nicht mit Mund-Nasen-Schutz entbinden müssen und es wird auch mein Mann dabei sein dürfen. Er ist allerdings auch der Einzige, der mich anschließend aus der Wochenbettstation besuchen dürfen wird. Mittlerweile habe ich viel Positives darüber gehört, dass dies auf der Wochenbettstation deutlich weniger Stillprobleme und Komplikationen gibt, weil die Ruhe dort einfach guttut.

In der ersten Schwangerschaft habe ich auf Rat hin sämtliche Familienbesuche im Krankenhaus empfangen. Mir wurde empfohlen den Besuch dort zu bekommen, weil wenn alle erst zu Hause auf Besuch kommen, sei dies mit mehr Arbeit und Aufwand für mich verbunden. Nachdem das Zeitfenster für Besuch im Krankenhaus aber ohnehin sehr kurz gesetzt ist, waren diese Stunden jeden Tag äußerst intensiv und anstrengend. Ich habe mich zwar riesig über den Besuch gefreut, aber es war auch mühevoll.

Diesmal werden wir also ein paar Tage Zeit haben als Team zusammenzuwachsen, bevor wir in die große weite Welt hinauskommen und auch dann werden die Babybesuche nicht alle gleichzeitig möglich sein. Diesmal wird es einfach dauern, bevor wir unsere kleine Lotta unserer großen Familie und unserem großen Freundeskreis vorstellen können. Ich denke, das ist gut so. 

Kurz nachdem der Beitrag veröffentlicht wurde, kam die kleine Lotta gesund und munter auf die Welt.


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