Henny Lang

Henny Lang "Mein Tagebuch"

Papperlapapp - meinefamilie.at
8. April 2017

Papperlapapp – wie Kinder die Welt sehen


Kindermund tut manchmal… Ihr wisst schon. Kann ja oftmals ganz lustig sein.

Aber wenn mir meine 3-Jährige staunend beim Schminken zusieht und plötzlich ganz ernst die Frage stellt: „Mama, bist du blind?“, weiß ich nicht, ob ich lachen oder zornig werden soll. Tapfer mal ich mit dem schwarzen Kajalstift weiter dunkle Lidstriche unter jedes Aug und denk mir meinen Teil.

Was ich hingegen sehr liebe, das sind unsere interessanten Dialoge, dieser Wissensaustausch, das gegenseitige Zuhören, da vergeht die Autofahrt wie im Flug. Das hört sich in etwa so an:

Ich: „Schau Schatz, da ist ein großes Schiff auf der Donau.“

Mia: „Ja, ich kenn die Donau.“

Ich: „Aber da schwimmt jetzt grad ein Schiff.“

Mia: „Wale schwimmen auch manchmal im Wasser.“

Ich: „Eigentlich immer, Mia.“

Mia: „Ja, aber auch manchmal immer öfter.“

„Ist das jetzt der Urlaub?“

Bleiben wir bei uns im Auto. Was genau Urlaub ist, das haben wir den Zwergen am Rücksitz offenbar nicht gut genug erklärt, sonst hätte folgende Frage wohl nie stattgefunden.

Papa und ich suchen laut diskutierend im Dunkeln den Weg zum Hotel. Zwei Navis, zwei Wege, keiner stimmt. Wir fragen Passanten, die wir durch unsere Scheinwerfer beim Eisserln mit dem Hund erschreckt haben, der Hund kläfft, die Kinder im Auto schreien „Hunger“ und „wie weit ist es noch?“. Wieder wenden wir den Wagen. Auf in die nächste Einbahnstraße. Papa und ich sind wütend, wir drehen die Handys im Uhrzeigersinn, aber die Navis haben uns am Radar verloren. Wir streiten. Da sagt Mia: „Mama, ist das jetzt der Urlaub?“

Von wegen Einschlafen im Auto

Ich gehöre ja zu der Sorte Mutter, die beim Autofahren mehr mit den anderen Autofahrer keppelt, obwohl sie mich nicht hören können (glücklicherweise), als mit den Kindern hinter mir. Zündschlüssel umdrehen und die Kleinen schlafen. Ruhe. Wunderbar. Bis vor kurzem.

Denn seit sie 3 und 5 Jahre alt sind, ist es mit dem Einschlafen im Auto schwieriger geworden.

„Mama, Kinderlieder!“, brüllen sie schon beim Anschnallen. Die Seitenfächer unserer Familienkutsche beinhalten mitunter nun schon an die 20 CDs, Kinder-CDs wohlgemerkt. Erwachsenenmusik Fehlanzeige. Einzig um Punkt und um Halb darf ich gnädigerweise den Radio aufdrehen, um kurz die Nachrichten zu hören. Danach schmerzen meine Ohren wieder von „Leo Lausemaus singt“ oder „Disneys schönste Prinzessinnen-Songs“.

Ich kann und ich will es nicht mehr hören. Ich bin der Boss. Ich bin die Mama. Ich bin die, die fährt.

Also Radio an, Ö3. Kurze Pause am Rücksitz. Haben sie aufgegeben? Diesmal kein Streit? Hab ich gewonnen? Haben sie Mitleid mit mir?

Ich schau in den Rückspiegel, zwei wutrote Gesichter, sie pressen die Lippen aufeinander. Die Kleine drückt ganz fest ihre Puppe an sich, bis es aus ihr herausplatzt:

„Also wenn ich groß bin, dann werd ich auch Mama. Und wenn meine Kinder dann Kinderlieder wollen, dann kriegen sie die auch!“ Basta.

Allen Mamas, denen es so geht wir mir, sei dieser Spruch ans Herz gelegt: „Ein Tag, der ohne Lächeln war, bringt schnell die Schönheit in Gefahr. Er macht dir Falten ins Gesicht. Drum lächle viel, vergiss das nicht!“

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EIN ARTIKEL VON
  • Henny Lang

    Ich bin Mutter zweier Mädchen (5 und 7 Jahre alt), lebe in Wien und arbeite seit 2001 als freie Journalistin und TV-Redakteurin. Hobbymäßig bin ich Malerin, veranstalte Vernissagen zu meinen Bildern und Bastelnachmittage mit Kindern ganz privat bei mir zuhause.


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