Gottfried Hofmann-Wellenhof

Gottfried Hofmann-Wellenhof "Mein Tagebuch"

Papa, bitte hoppa - meinefamilie.at
4. Mai 2016

Papa, bitte hoppa!


Meine kleinste Tochter bewegt sich ihrem Alter entsprechend sehr geschickt – allerdings mit einer kleinen Einschränkung: Wenn ich in ihr Blickfeld trete, streckt sie ihre zierlichen Arme aus, bleibt wie angewurzelt stehen und fordert mich mit einer (für ein Kleinkind) erstaunlich festen Stimme auf: „Papa, hoppa!“ Was so viel heißt wie: „Papa, bitte trag mich!“

Lange Zeit war ich mächtig stolz, dass Sophie nur von ganz wenigen Auserwählten getragen werden wollte: Ich zählte (und zähle heute noch) gewissermaßen zum engsten Favoritenkreis. Wenn andere näher oder auch weiter entfernte Verwandte mit sanften Fingern nach ihr zu haschen versuchen, kann es vorkommen, dass unsere entzückende Tochter panikartig auf mich zustürzt und unter Schluchzen den rettenden Hilfeschrei ausstößt: „Papa, hoppa!“ Ich nehme sie also – nicht ohne einen gewissen Vaterstolz – zu mir herauf, um sie ganz fest an mich zu drücken: Hier bist du in Sicherheit.

Um ehrlich zu sein: In wirklich kritischen Situationen – wenn etwa die freundliche Gemüsefrau ihr nur ganz leicht über ihre blonden Locken streicheln will -, läuft sie nicht zu mir, sondern zu ihrer Mutter.

Hoppa beim Gehen, Stehen und Sitzen

Nun leuchtet mir ein, dass Gehen ebenso wie längeres Stehen anstrengend sein kann. Warum aber will Sophie auch nicht allein sitzen? Kaum nehme ich meinen Platz am Mittagstisch ein, klettert sie in Windeseile von ihrem nahezu ungebrauchten Hochstuhl herunter und auf meinen Schoß hinauf: „Papa, hoppa!“

Es liegt schon einige Zeit zurück, dass ich meine Mahlzeiten in einer physiologisch korrekten Körperhaltung zu mir genommen habe. Mit ein bisschen Übung vermag man jedoch relativ bald – sozusagen im Blindflug – Löffel, Gabel und Messer handzuhaben.

Wirklich mühsam wird die Nahrungsaufnahme für mich erst, wenn Sophies kleinster Bruder, von Eifersucht gebeutelt, ebenfalls auf mir hocken will:

„Immer darf die Sophie bei dir hoppern und ich nie!“

Auf mein Angebot, dass er an geraden und seine Schwester an ungeraden Wochentagen drankomme, antwortete er mit einem Gegenvorschlag: „Warum können wir nicht beide gleichzeitig? Schließlich hast du doch zwei Knie …“

P.S.: Gestern aß ich in einem Restaurant. Nur mit meiner Frau. Es war sehr entspannend – und meine Knie waren frei.

Nächsten Mittwoch in Gottfried Hofmann-Wellenhofs Tagebuch: “Bussi auf Kommando“.

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EIN ARTIKEL VON
  • Gottfried Hofmann-Wellenhof

    Mit meiner Frau habe ich fünf Söhne, drei Töchter und einen Adoptivsohn aus Kamerun. Die Erfahrungen mit meiner Großfamilie teile ich in Kolumnen und Büchern. Meine Hobbys: Hometrainer, Fußballmatches meiner Söhne, Kochen und Lesen.


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