Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

23. August 2019

Paarzeit: Ohne Kinder auf große Reise gehen


Es war unser erstes Mal. Zuvor waren es nur ein paar Tage gewesen. Und meist nicht weit von zu Hause entfernt. Dieses Mal aber wagten wir uns ohne Kinder in die USA – Zeitverschiebung & Co. inklusive.

Der Abschied war tränenreich. Schließlich hatten wir unsere Mädels auf unsere anstehende, große Reise vorbereitet. Ihnen war also völlig bewusst, was diese bedeutet. Es bedeutet, unter anderem, dass Mama und Papa jetzt mehr als zwei Wochen weg sein würden. Aber nicht nur. Vor allem aber bedeutet es, dass die Eltern, allein schon wegen der Zeitverschiebung viel schlechter zu erreichen sein werden. Das tägliche, kurze Gespräch inklusive Gute-Nacht-Bussi aus der Ferne würde sich also nicht ausgehen.

Gewissensbisse?

(c) iStock

Nach dem tränenreichen Abschied bekamen wir Gewissensbisse. War es die falsche Entscheidung? Oder einfach nur zu früh – immerhin waren sie „erst“ 7 und 11 Jahre alt. Innerlich legten wir uns aber schnell zurecht, dass sie bei Oma und Opa bestens betreut sind. Dass sie dort ja schon immer mal wieder über mehrere Tage blieben und sich stets pudelwohl gefühlt haben. Die Autofahrt von Osttirol nach Innsbruck fiel uns also zunehmend leichter.

Zu Hause entspannte sich die Situation vorerst aber nicht. Stunden nach dem Abschied rief unsere Älteste, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon hätte schlafen sollen, in Tränen aufgelöst an und sprach davon, wie sehr sie uns jetzt schon vermisse und dass sie nicht wisse, wie sie es ohne uns aushalten solle. Ein entspannter Beginn eines gemeinsamen Paarurlaubes sieht irgendwie anders aus.

Grenzen richtig setzen

Wir entschieden uns dazu klare Grenzen zu ziehen. Natürlich auf einfühlsame Weise. Wir gaben unserer Tochter zu verstehen, dass wir uns schon sehr lange auf diesen Urlaub und die gemeinsame Paarzeit gefreut hatten und dass uns ihre „Stimmung“ und die damit verbundene Sorge den Urlaub vermiesen würde. Obwohl wir danach Sorge hatten, doch etwas zu hart und „egoistisch“ gewesen zu sein, verstand sie und lenkte ein. Während der ganzen USA-Reise gab es, bis auf ein paar kleinere Vermissens-Nachrichten, keine diesbezüglichen „Zwischenfälle“ mehr.

(c) iStock

Kommunikation in der Paarzeit

Das gelang uns wohl, neben der klaren Grenzziehung, auch damit, dass wir die Kommunikation nicht abbrechen ließen, sondern sie in gewisser Weise auf eine veränderte Weise sogar noch intensivierten. Wir richteten eine WhatsApp-Gruppe ein, über die wir mit unseren Töchtern (die große hat ein Smartphone) und anderen an unserer Reise Interessierten kommunizierten. Quasi live wurden Bilder Sehenswürdigkeiten New Yorks und Bostons in die Gruppe gestellt, auch Selfies waren Teil des Packages. Man konnte unsere Ziele und unsere Stimmung vor Ort also sehen. Für alle, und natürlich auch für unsere Kinder war ersichtlich, dass es uns sehr gut ging. Aber auch, dass sie diese großen Städte, New York allemal, überfordert hätte.

Auch eine weitere Art der Kommunikation hatten wir uns ausgedacht, damit das Vermissen erst gar nicht Überhand nehmen konnte. Jeden Abend bekamen unsere Mädels, natürlich personalisiert und außerhalb der allgemeinen WhatsApp-Gruppe, eine Sprachnachricht, bei der wir unsere aufregenden Erlebnisse unseres Tages schilderten.

So gelang es uns schließlich auch, die Zeit zu zweit zu genießen. Es war schön, natürlich neben den zum Teil atemberaubenden Einblicken, Zeit zu zweit zu haben. Für lange Gespräche oder einfach nur zum Paar-Sein, jenseits der Rolle als Mama und Papa.

 



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


    Zum Tagebuch des Autors

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das Portal für junge Familien › meinefamilie.at