Gottfried Hofmann-Wellenhof

Gottfried Hofmann-Wellenhof "Mein Tagebuch"

Osterzauber - meinefamilie.at
29. März 2016

Osterzauber bei uns zuhause


Ich muss gestehen, nicht zu jenen wahrhaft ehrlichen Eltern zu gehören, die ihre Kinder bereits im Vor-Kindergartenalter aufklären, dass der Osterhase lediglich ein unverzichtbarer PR-Manager der Süßwarenindustrie ist.

Vielleicht war ich als Kind glückhaft robust, sodass ich keinen seelischen Schaden erlitt, als am Ende meiner Volksschulzeit herauskam, dass der Osterhase mein Vater war. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, erinnere ich mich besonders gern an das Osterfest, das einen ganz eigenen Zauber hatte.

Eiersuche ist Papasache

Für den Vater bietet der Ostersonntag eine gute Gelegenheit, sich als Familienoberhaupt zu profilieren.

Ich kann nämlich den Ablauf der Eiersuche durch die Auswahl der Verstecke nachhaltig beeinflussen. Das Finden und Ausnehmen von Osternestern im Garten ist ein Akt professioneller Routine. Deshalb erweitere ich das Betätigungsfeld des Osterhasen um die Wohnräume, allerdings mit einer klar abgesteckten „Demarkationslinie“: Keller und Sanitärbereich sind gewissermaßen Tabuzonen.

Wenn meine Kinder spätabends, vom großväterlichen Osterfeuer sehr beeindruckt, müde ins Bett fallen, beginnt mein Auftritt. Gleichsam auf Hasenpfoten schleiche ich durchs Haus im Bemühen, Hasen, Lämmer und Eier an altbekannten und jährlich neu ausgedachten Orten zu platzieren.

Wenn ein Schokolämmchen fehlt…

Im vergangenen Jahr tat ich vielleicht des Guten zu viel: Von den neun friedlich da liegenden Schokoladelämmchen war eines auch nach penibelster Recherche nicht mehr aufzufinden, obwohl Vater, Mutter und neun Kinder auf allen Vieren die Wohnung durchkämmten.

Da der Osterfriede damals für kurze Zeit gefährdet schien – wer verzichtet schon gerne auf ein friedlich da liegendes Schokoladelämmchen? -, habe ich heuer ein zehntes gekauft, das in kritischen Situationen, gewissermaßen als Reserveschaf, mühelos ins Spiel gebracht werden kann.

Übrigens: Das verschollene Lämmchen wurde Monate später, arg ramponiert, am unteren Ende eines Stockbettpfostens von meiner zweijährigen Tochter gefunden, notgeschlachtet und auf der Stelle verspeist.

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EIN ARTIKEL VON
  • Gottfried Hofmann-Wellenhof

    Mit meiner Frau habe ich fünf Söhne, drei Töchter und einen Adoptivsohn aus Kamerun. Die Erfahrungen mit meiner Großfamilie teile ich in Kolumnen und Büchern. Meine Hobbys: Hometrainer, Fußballmatches meiner Söhne, Kochen und Lesen.


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