Karin Roth

Karin Roth "Mein Tagebuch"

oma weiß wo es langgeht – oder auch nicht.
27. November 2019

Oma weiß wo es langgeht – Oder auch nicht.


In diesem Fall bin ich die Oma, zugegeben eine relativ junge Oma, aber trotzdem. Die Mutter meiner Töchter und Söhne und Oma meiner Enkelkinder. Und ich habe unglaublich viele gute Ideen, wie diese ihr Leben gestalten sollten beziehungsweise was gut für sie wäre!

Zusätzlich bin ich in der Beratung tätig, lösungsorientiert, eher offen und kommunikativ. Wir wohnen noch dazu alle im gleichen Haus, das heißt, es geht sehr schnell, dass meine vermeintlich guten Ideen auch bei den anderen landen. In manchen Bereichen oder Situationen habe ich vielleicht sogar recht – mag sein, aber darum geht es gar nicht! Das ist nicht der Punkt!

Zieh deine eigene Spur

Es geht um ein Miteinander, wo jeder er selbst sein darf. Meine Kinder dürfen, sollen, müssen ihre eigenen Spuren ziehen, Herausforderungen meistern, ihre eigenen Fehler machen. Meine Aufgabe ist vielmehr an sie zu glauben und sie auf ihrem Weg zu unterstützen.

Es erfordert von mir auch immer wieder einen Schritt zurückzutreten, den anderen Raum zu geben und mir die Kostbarkeiten und das Potenzial der anderen Person in Erinnerung zu rufen.

Oft stelle ich mir die Frage: „Gott wie siehst du diese Person, wie siehst du die Situation?“ Das hat natürlich nur Sinn, wenn mein Bild von Gott das eines liebenden Gottes ist, der mich und andere ansieht und begeistert ist über uns, einfach nur deshalb, weil wir seine Kinder sind.

Im „Licht“ des anderen stehen

Der einzige Sohn von Maya Angelou, einer amerikanischen Schriftstellerin, wurde einmal gefragt, wie es war, im Schatten dieser berühmten Person zu stehen. Seine Antwort darauf war: „Ich bin nie in ihrem Schatten gestanden, sondern in ihrem Licht.“

Eine Haltung von der ich lernen möchte – andere in meinem Licht stehen lassen, das heißt mein Sein hebt andere hoch, ermutigt, erlaubt den anderen groß zu sein.

Das klingt ja jetzt wirklich wunderbar, aber klappt das auch immer?

Nein, natürlich nicht! Es ist immer wieder ein Bemühen, Aufstehen und Hinfallen im Beziehungsalltag. Wenn ihr mich fragt, ob sich die Mühe lohnt: auf jeden Fall! Wenn es gelingt, wird man wirklich zum Segen füreinander.

Ideenkorb

Aber zurück zu meinen wirklich guten Ideen, die ich für andere habe. Das Bild vom „Ideenkorb“ hat sich bei uns als hilfreich erwiesen. Gedanken, Ideen, Vorschläge werden – bildlich gesprochen ­–  in einen Korb gelegt, der dem anderen respektvoll übergeben wird und die andere Person entscheidet, was davon brauchbar ist und was ruhig im Korb bleiben kann. Diese Verantwortung bleibt ganz und gar bei der anderen Person.

Drei Tipps

Und hier noch drei ganz praktische Tipps, die mir und meinem Umfeld bei meinen oft so „guten Ideen“ helfen. Vielleicht ist ja auch etwas für andere dabei:

  • Frage nach, ob der andere deine Sicht oder Idee hören will und sei nicht beleidigt, wenn das nicht der Fall ist.
  • Sei einfach da für den anderen, ohne zu vermitteln, was er oder sie besser machen könnte.
  • Frage nach wie du dem anderen helfen kannst, und stelle Zeit zur Verfügung, über die die Schwiegertochter, Tochter, Freundin verfügen kann.

Es würde mich freuen, mit euch über dieses Thema ins Gespräch zu kommen und eure Gedanken darüber zu hören, wie es euch geht mit Müttern, Schwiegermüttern, Töchtern, Söhnen usw.

Und was tun, wenn das alles nicht funktioniert? Darüber erfährt ihr mehr im nächsten Blog.



EIN ARTIKEL VON
  • Karin Roth

    Mein Name ist Karin Roth, ich bin Mutter von vier erwachsenen Kindern und habe fast fünf Enkelkinder und einen Hund. Wir leben in einem Haus mit drei Generationen, ein turbulentes und spannendes Leben – mein geringstes Problem ist Langeweile. Beruflich leite ich die Ombudsstelle der Erzdiözese Salzburg für sexuellen Missbrauch und Gewalt, habe eine Praxis für Lebens- und Sozialberatung und halte Seminare und Trainings.


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