Elisabeth & Johannes Hackl

Elisabeth & Johannes Hackl "Mein Tagebuch"

30. August 2019

Nachhaltig leben als Familie: Erholung und Entspannung


„Entspann dich – aber sofort!“ Erholung im Alltag, das klingt wie ein Märchen. Auch für uns war es nicht leicht, Momente der Entspannung als Familie zu finden. Aber wie ist uns das (nachhaltig) gelungen?

Kennt ihr das? Endlich alleine zu Hause, ein freier Vormittag oder Abend oder gar ein ganzes Wochenende ohne Kinder und es gibt ein einziges Ziel: Entspannung!

Aber da sind noch unzählige Kleinigkeiten zu erledigen: der Geschirrspüler muss ausgeräumt werden, die letzte Wäsche sortiert, das nächste Geburtstagsgeschenk verpackt, das Telefon läutet… und ist man als Eltern „nur“ zu zweit zu Hause, müsste man eigentlich dringend besprechen, wer zum Elternsprechtag geht, wie man Kind Nr. 1 dazu bringt, mehr zu trinken und Kind Nr. 2 die Lautstärke hinunter zu fahren. Und schwupps, schon ist die freie Zeit vorbei und, ehrlich gesagt, fühlt man sich gestresster als vorher! Von Erholung keine Spur!

Pausen gar nicht erst versuchen?

Traut man sich tatsächlich, neben den Kindern kurz ein paar Minuten Pause zu machen, passiert mit hoher Wahrscheinlichkeit genau dann irgendetwas. Kaum in der Badewanne im Schaum versunken, braucht Kind Nr. 2 Hilfe am Klo. Wieder zurück im warmen Wasser, zwickt sich Kind Nr. 1 den Finger ein. Das Wasser ist nun eher lauwarm, aber mit einem lauten Krachen fällt ein Bücherstapel genau auf den Zeh von Kind Nr. 2. Die routinierten Eltern verschieben den Wellnessteil auf den Abend, wenn die Kinder bereits im Bett sind – aber wetten, genau an dem Abend kann die Stoffgiraffe nicht schlafen, der Bauch drückt oder der Leuchtstern fällt hinunter? Also lieber gar keine Pausen machen und gar nicht erst versuchen, ein bisschen Erholungszeit nebenbei einzuplanen?!

(c) iStock

Sind die Kinder dann in dem Alter, wo sie vormittags in Kindergarten und Schule sind, sind beide Elternteile oft wieder berufstätig. Ein freier Vormittag wird dann zur geschenkten Zeit, in der man viel schneller und ohne Unterbrechung den Haushalt versorgen kann. Ein Kaffeetratscherl mit der Nachbarin ist mit schlechtem Gewissen verbunden, weil eigentlich könnte man ja in dieser Zeit das Haus auf Vordermann bringen…

Wir brauchen ein Ladegerät

Irgendwann waren dann unsere Batterien leer. Wir hatten wenig Energie und noch weniger Geduld mit unseren Kindern und merkten auch, dass unsere Ehe auf der Strecke blieb. Abends waren wir oft zu müde, um noch Qualitätszeit miteinander zu verbringen, und die Wochenenden waren gefüllt.

Zum Erholen und Entspannen blieb einfach zu wenig Zeit – und wie gut Entspannung krampfhaft unter Zeitdruck funktioniert, wissen wir ja… Wir waren frustriert und einfach erledigt und merkten: so geht’s nicht weiter! Und außerdem fühlte es sich einfach falsch an, immer auf kinderfreie Zeit zu warten, um sich wieder einmal zu entspannen. Wir zogen gemeinsam die Notbremse und fingen an zu überlegen, wie wir das eigentlich handhaben wollen.

Ein Tag nur für uns

Für uns war schnell klar: Wir möchten am Wochenende zumindest einen Tag haben, der nur uns als Familie gehört. Nach einem gemütlichen Frühstück wird der Tag nach den gemeinsamen Bedürfnissen geplant – und wir haben gelernt, dass Erholung nichts Punktuelles ist, das durch eine einzelne Aktivität bewirkt wird. Es ist viel mehr die Summe aus Haltung und Entscheidungen! Diese Familientage haben wenig „Muss“ und viel „Kann“. Das heißt, wir erwarten nicht bestimmte Erlebnisse oder Ergebnisse, sondern versuchen darauf zu achten, dass alle zufrieden sind. Für unsere Kinder ist es sehr wichtig, dass sie Bewegung machen können, also bieten wir ihnen die Möglichkeit dazu. Genau so wichtig ist es, dass sie merken: wir hören ihnen besonders an diesen Tagen bewusst und geduldig zu und erledigen nicht nebenbei noch fünf andere Sachen. Beim Radfahren, Spazieren gehen oder in der Hängematte im Garten entstehen lockere und auch intensive Gespräche. Wir erfahren, was in den Kindern vorgeht, was sie gerade witzig finden und wo es vielleicht auch Nöte und Sorgen gibt. Natürlich kommt dabei das Kuscheln auch nicht zu kurz!

Den Haushalt mal links liegen lassen

Auch wenn wir die sonnigen Tage besonders genießen, fühlen wir uns bei Schlechtwetter nicht eingesperrt. Mittlerweile haben wir ein großes Spielerepertoire und unsere Kinder freuen sich besonders, wenn Papa die Gitarre auspackt und wir die Lieblingslieder gemeinsam singen. Natürlich schauen wir auch manchmal eine DVD an, aber das steht interessanterweise auf der Wunschliste unserer Kinder ziemlich weit unten. Vielleicht, weil wir da nichts gemeinsam „tun“ können?

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Es ist wichtig für uns, dass an diesen Tagen der Haushalt, die Mahlzeiten und Pflichten nur eine kleine Rolle spielen. Es gibt meist nur schnelle Küche, im Garten wird gemeinsam gegossen (wobei das für unsere Kinder keine Pflicht, sondern Vergnügen ist!) und die Hundehaare am Boden dürfen liegen bleiben.

Aber auch unter der Woche nehmen wir uns zwischendurch immer wieder ein paar Minuten um zu entspannen – mit den Kindern. Das ist nach dem Mittagessen kurz kuscheln auf der Couch, ein paar Minuten nach der Hausübung um über den Tag zu reden, ein Buch vor dem Abendessen, miteinander den Geschirrspüler ausräumen, still werden zum Abendgebet. Das sind keine neuen Erkenntnisse oder großartige Ideen, aber für uns bedeutet es: Atempause, Beziehung pflegen, Liebestank aufladen, gestärkt weiter machen.

Nachhaltig leben als Familie

Aber – was hat das eigentlich mit Nachhaltigkeit zu tun?! Bisher haben wir uns ja eher über Ernährung, Konsum und Leben im Rhythmus der Natur geäußert.

Es gibt zwei Gründe, warum wir dieses Thema gewählt haben:

  1. Wenn wir entspannt sind, haben wir mehr Energie uns um die alltäglichen Dinge zu kümmern. Gesundes Kochen und Essen, Gartenpflege, das Stoffsackerl beim Einkaufen nicht vergessen fällt dann einfach leichter.
  2. Nachhaltig leben als Familie heißt für uns auch, das zu pflegen, was langfristig bestehen bleibt: die Beziehung zu unseren Kindern, ihr seelisches und geistiges Wachstum, ihre Entwicklung als ganz besondere und einzigartige Menschen. Das geht nur, wenn sie – mit uns! – lernen, Zeiten der Ruhe und Erholung haben und wertschätzen. Noch dazu sind wir als Christen davon überzeugt, dass Gott uns den siebten Tag zum Innehalten und Ausruhen geschenkt hat.


EIN ARTIKEL VON
  • Elisabeth & Johannes Hackl

    Elisabeth und Johannes Hackl leben mit ihren Kindern, Hunden und Hühnern in Niederösterreich. Sie sind begeisterte Familienmenschen, Kindergartenpädagogen, Referenten für Natürliche Empfängnisregelung, Teilzeit-Selbstversorger, im Glauben verwurzelt und noch immer sehr verliebt ineinander!


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