Karina Muhr

Karina Muhr "Mein Tagebuch"

Nachbarschaftsstreit - nicht jeder Mensch mag Kinder - meinefamilie.at
23. September 2018

Nachbarschaftsstreit – nicht jeder Mensch mag Kinder


Ich habe schon oft davon gehört, leider musste ich es diese Woche am eigenen Leib erfahren: Nicht jeder Mensch mag oder versucht gut mit Kindern auszukommen. Zu dieser Einsicht bin ich gekommen, nachdem mir diese Woche sowohl der Vermieter, die Polizei und sogar das Jugendamt von einem Nachbarn geschickt wurden. Es hat sich eine Art “Nachbarschaftsstreit” entwickelt. Nur “eine Art Nachbarschaftsstreit” sage ich deshalb, weil es nie zu einem wirklichen Streit, einer Konfrontation geschweige denn zu einem Streitgespräch oder überhaupt zu einem Gespräch gekommen ist.

Eigentlich hat alles damit begonnen, dass wir in eine Wohnhausanlage mit vielen Kindern zogen, die (zu unserer Freude) eine große, schöne Grünfläche bietet die zum Fußballspielen und Herumtollen einlädt. Von unserer Wohnung aus sind diese Grünflächen sehr gut zu überblicken. Aus diesem Grund dürfen meine zwei älteren Söhne manchmal auch alleine in den Garten spielen gehen. Bis vor kurzem trafen sich hier regelmäßig bis zu 8 Kinder, die gemeinsam gespielt, gelacht und getobt haben.

Für mich als Mutter war dies natürlich perfekt. Meine Buben mussten nicht dauernd in der Wohnung spielen sondern konnten auch an der Frischen Luft sein. Währenddessen konnte meine kleine Tochter Celeste ihren Mittagsschlaf halten und ich vom Balkon aus meine großen Kinder beim Spielen und Toben beobachten.

Für uns war die Situation wirklich ideal – die Buben spielten alleine aber ich war trotzdem immer nahe genug bei ihnen um im Notfall eingreifen zu können oder von ihnen gerufen zu werden falls sie mich bräuchten.

Eine idyllische Sache für alle?

Leider nein. Einigen der Nachbarn dürfte es nicht gefallen haben, dass die Kinder den Nachmittag bei Sonnenschein draußen verbringen. Meistens spielten die Kinder von 13 bis 16 Uhr im Garten, nicht etwa am Abend wenn Leute schlafen und Ruhe angebracht ist. Wie sich herausstellte, waren einigen Nachbarn die spielenden Kinder allgemein ein „Dorn im Auge“. Sie waren mit vielen Dingen unzufrieden und riskierten daher lieber einen Nachbarschaftsstreit – sie riefen gleich Vermieter und Polizei – anstatt zuerst die Eltern auf die Probleme anzusprechen um gemeinsam eine Lösung zu finden.

Kritikpunkte

Die Kritikpunkte unserer Nachbarn waren folgende:

  1. Kinder unbeaufsichtigt im Garten
  2. Lärm durch die spielenden Kinder
  3. Kinder verrichten ihre Notdurft in den Büschen
  4. Malen mit Straßenmalkreide
  5. “Herumlungern”

Verständnis haben

Ich kann nicht sagen, dass alle Punkte ungerechtfertigt sind. Ich verstehe, dass man sich durch manche Dinge gestört fühlen kann. Mir liegt viel an einem guten Verhältnis zu meinen Nachbarn, ich hätte mich gerne darum gekümmert, dass wir gut miteinander auskommen. Ich möchte für ihre Anliegen Verständnis zeigen und versuchen Probleme so zu lösen, dass alle Parteien zufrieden aus dem Konflikt heraus gehen.

Dass man es nicht OK findet, wenn Kinder in die Büsche im Gemeinschaftsgarten pinkeln verstehe ich. Ich verstehe  auch, dass es die Nachbarn stört weshalb ich meinen Kindern klar gemacht habe, dass sie das nicht tun dürfen.

Dass spielende Kinder oft laut sind, auch das kann ich nicht abstreiten. Auch ich habe meine Kinder schon öfter um Ruhe gebeten. Natürlich kann das störend sein, wenn man gerade am Balkon liegt und ein wenig entspannen möchte. Aber ist es so schwierig geworden, miteinander zu sprechen und aufeinander zuzugehen? Die Nachbarn können jederzeit bei mir klingeln und mich um ein Gespräch bitten! Muss es wirklich sein, dass man sofort sämtliche Behörden kontaktiert und einen Nachbarschaftsstreit riskiert? Besser für alle Beteiligten wäre es, wenn man das Problem zuerst persönlich anspricht. Dann könnten wir Eltern darauf achten, dass die Kinder nicht zu laut sind – denn auch mit Kindern kann man vernünftig reden, ihnen klar machen, dass sie manchmal zu laut sind und sie darum bitten, auf ihre Nächsten Rücksicht zu nehmen.

Ungerechtfertigte Kritikpunkte

Den Vorwurf, dass die Kinder unbeaufsichtigt sind muss ich strikt zurückweisen. Sie sind immer im Blickfeld von Erwachsenen – wie erwähnt, ist die Spielwiese vom Balkon gut einsehbar, nicht nur von meiner Wohnung aus. Sie sind in Rufweite. Man kann sofort und umgehend mit der Rasselbande Kontakt aufnehmen wenn dies nötig ist. Wenn man es so streng sieht wie einige unserer Nachbarn, nun, dann dürfte man die Kinder auch nicht in den eigenen Garten lassen wenn man beispielsweise ein Haus hat. Aber ich bin sicher dass viele Hausbesitzer ihre Kinder alleine im Garten herumlaufen lassen und dabei selbst vielleicht auf der Terrasse sitzen und ihrem Nachwuchs zusehen oder im Haus Arbeiten erledigen. Nicht anders läuft es bei uns oder besser gesagt ist es bei uns gelaufen. Weil hier sind sofort die Nachbarn eingeschritten – denn das kann ja nicht sein, dass man seine Kinder in den Garten schickt.

Ein Kritikpunkt den ich ebenfalls nicht nachvollziehen kann ist, dass Leute sich daran stören, wenn Kinder mit Straßenmalkreide zeichnen und ihnen dies mit allen Mitteln verbieten möchten. Vor allem, da ich darauf achte dass sie nur den Boden im Freien bemalen und ich ihre Kunstwerke nach der Vollendung wieder abwasche. Das ist das tolle an Kreide, man kann solche Spuren schnell und gründlich entfernen! Leider genügt dies anscheinend nicht, die Nachbarn möchten, dass mit solchen Kreiden gar nicht gemalt wird und schickten mir prompt den Vermieter.

Geht aufeinander zu, redet miteinander, sucht gemeinsam nach Lösungen!

Ein weiterer Vorwurf ist, dass die Kinder „herumlungern“. Bei diesem Problem, so traurig ich es finde, muss ich allerdings auch etwas schmunzeln – meine Kinder und ihre Freunde lungern nämlich in der „gefährlichen“ Zeit zwischen 13 und 16 Uhr herum. Danach löste sich die Kinderschar nämlich im Normalfall auf. Sie “lungern” nicht im Dunkeln herum oder zu Zeiten zu denen kleine Kinder nicht alleine im Freien sein sollten.
Was bedeutet eigentlich “lungern” ? Natürlich laufen Kinder nicht immer nur herum, sie sitzen auch mal im Gras oder liegen in der Sonne oder spielen mit Matchboxautos! Als “herumlungern” würde ich es jedoch nicht bezeichnen. Eine so tolle Wiese und die Kids dürfen nicht mal darauf sitzen?? Wozu gibt es diese Wiese dann überhaupt – nur um sie zu gießen und einmal wöchentlich den Rasen zu mähen? Wieso sollte sie nicht auch zum Spielen genützt werden?

Das Problem ansprechen oder gleich die Polizei rufen?

In unserem Fall wurde leider nicht das Gespräch gesucht sondern gleich die Polizei gerufen. Die Polizisten kamen, sahen und fuhren wieder ohne ein Wort zu sagen. Nach Rücksprache mit der Polizei erfuhren wir, dass hier auch nichts mehr nachfolgen wird – offiziell dürfen die Kinder also spielen. Die Hausverwaltung sieht die Sache schon etwas anders. Ihr Ratschlag lautet, mit den Kindern auf Spielplätze zu gehen.
Logisch gehen wir als Eltern mit den Kindern so oft es geht auf Spielplätze, aber ab und zu muss man auch daheim sein. Nämlich wenn man selbst einiges zu tun hat oder wenn eines der drei Kinder krank ist, oder oder oder… Soll ich die Kinder dann etwa in der Wohnung „einsperren“, wo wir doch eine so tolle Wiese zum spielen in Sichtweite haben!

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Haben wir verlernt, ehrlich miteinander zu sprechen?

Insgesamt enttäuscht mich am meisten, dass die Mitmenschen nicht mehr sprechen. Ist es wirklich so schwierig auf jemanden zuzugehen und zu sagen, dass man ein Problem hat und gemeinsam nach einer Lösung suchen möchte?

Ich möchte nicht, dass diese Ereignisse die Stimmung zwischen den Nachbarn und uns Eltern negativ beeinflussen. Als Lösungsansatz habe ich daher im Haus, für alle gut sichtbar, einen Zettel angebracht. Einen offenen Brief. Leider wissen wir nicht, welche Nachbarn die Beschwerden bei der Hausverwaltung und der Polizei eingebracht haben, die Behörden dürfen uns darüber natürlich keine Auskunft geben. In meinem Brief bitte ich die betreffende Person darum, sich mit mir in Verbindung zu setzen. “Sprechen wir in Ruhe miteinander und finden eine Lösung”, heißt meine Message. Ich hoffe für meine Kinder und ihre Freunde in der Anlage, dass diese Nachricht bei der richtigen Person ankommt, dass wir uns zusammensetzen und Wege finden, miteinander gut auszukommen.

Außerdem hoffe ich, dass Eltern mit ähnlichen Problemen oder sogar betroffene Nachbarn sich an meiner Geschichte ein Beispiel nehmen. Geht aufeinander zu, redet miteinander, sucht gemeinsam nach Lösungen anstatt sofort zu streiten!

Zum Schluss noch: Unser Termin beim Jugendamt ist (wie erwartet) gut ausgegangen. Auch die Behörde sieht kein Fehlverhalten darin, dass Kinder spielen und toben.

Mich interessiert, welche Erfahrungen andere Mütter und Väter diesbezüglich gemacht haben? Wie werden solche Probleme in anderen Wohnhausanlagen gehandhabt? Ich würde mich sehr über Vorschläge, Tipps und Ideen freuen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Karina Muhr

    Ich bin ich alleinerziehende Mama von drei kleinen Kindern. Durch meine Erfahrungen in der Tourismusbranche weiß ich, dass ich jeder Herausforderung gewachsen bin - auch denen, vor die mich meine Rasselbande noch stellen wird. Als Mama muss man manchmal auch abschalten - mit einem guten Buch, Ausflügen mit Freunden oder einem netten Nachmittag im Kreise der Familie.


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