Regina Magdalena Smrcka

Regina Magdalena Smrcka "Mein Tagebuch"

Als Mutter Effizienz üben - meinefamilie.at
4. Oktober 2017

Als Mutter Effizienz üben


In letzter Zeit werde ich immer unrunder. Die Uni ist nur mehr anstrengend und stressig. Spaß macht sie schon lange keinen mehr, und bei 300 Leuten im Hörsaal kann ich nicht einmal nette Leute kennen lernen. Um 8.25 Uhr läutet der Babysitter, punkt 8.35 Uhr hetze ich aus dem Haus, um pünktlich um 9.15 Uhr im Hörsaal zu sitzen. Da geht sich gerade noch ein „Hallo, warst du bei der letzten Vorlesung?“ zum Nachbarn aus. Kaum hat der Professor den letzten Satz gesprochen, rase ich aus dem Saal, im Kopf schon den Einkaufsplan fürs Mittagessen.

Denn Zeit ist etwas, das Mütter nicht haben. Wenn ich mir die jungen Studenten so ansehe, bin ich oft traurig darüber, dass ich nicht mehr in den Tag hinein leben kann wie früher als Single. Die
Organisation, welcher Babysitter bei welchem Tutorium Zeit hat, geht mir nur mehr auf die Nerven und ich frage mich, warum ich mir das überhaupt noch antue.

An einem Abend ein paar Wochen später führte mich mein Mann zum Essen aus, um mir etwas Gutes zu tun und wieder einmal gemeinsame Zeit zu verbringen. Doch beim Kaffee werde ich schon
unruhig und sehe dauernd auf die Uhr. Denn er zahlt das Essen, aber ich den Babysitter.

Muttersein stärkt das Selbstbewusstsein

Es ist echt stressig, wenn man die kleinsten Kleinigkeiten planen und organisieren muss.

Es ist echt stressig, wenn man das Essen nicht mehr genießen kann, weil man sich im Kopf schon ausrechnet, um wie viel mehr der Babysitter kostet, wenn ich jetzt noch einen Kaffee bestelle.

Und die geringfügige Beschäftigung, die man angenommen hat um nicht ganz weg vom Fenster zu sein, gerade mal so viel einbringt wie der Kindergarten kostet.

Das Gute daran: Ich habe auch keine Zeit mehr, um mich mit unnötigen Dingen zu verzetteln. Ich bin effizienter geworden, sogar beim Shoppen. Ich habe Dinge getan, die ich mich vorher nie
getraut hätte, einfach aus dem Gedanken heraus: Jetzt oder nie! In gewisser Weise stärkt Muttersein das Selbstbewusstsein.

Familie ist so viel mehr wert als Freizeit

Vielleicht hilft mir ja mein Sohn, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist für mich und was nicht. Welche Träume es wert sind verwirklicht zu werden und von welchen ich mich verabschieden muss. Vielleicht hilft er mir, endlich zu lernen, Aufgaben zu delegieren und nicht mehr alles selber zu machen. Nein zu sagen. Falsche Freunde loszulassen. Und die kostbaren Momente bewusster zu genießen. Die Augenblicke, die einen so berühren, dass man nach all der Anstrengung wieder weiß, man ist am richtigen Platz.

Wenn mein Sohn, der eigentlich schon viel zu groß für Bussis ist, einen plötzlich mit Liebesbeweisen überschüttet, und mein Mann es schafft mich am stressigsten Tag noch zum Lachen zu bringen. Dann spüre ich es wieder, diese Liebe und das 100-prozentige Wissen:

Diese Familie tausche ich um nichts in der Welt mehr ein, nicht um eine Milliarde Sekunden mehr Zeit und schon gar nicht gegen ein unbeschwertes Studentenleben.

Was ich mir vornehme: Auch einmal Nein sagen, effizienter werden, nur mehr die Dinge tun, die mir wirklich wichtig sind.

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EIN ARTIKEL VON
  • Regina Magdalena Smrcka

    Als Sozialarbeiterin spezialisierte ich mich auf die Betreuung von schwerstbehinderten Kindern. Als Ausgleich unterrichtete ich Kinderturnen. Jetzt unterstütze ich meinen Lebensgefährten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam haben wir einen Sohn.


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