Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

mit kindern im reich der haustiere
17. Februar 2020

Mit Kindern im Reich der Haustiere


Im Fachjargon nennt man es Anthropomorphisierung. Darunter kann man, etwas vereinfacht, die Vermenschlichung von Tieren. Den Tieren werden damit menschliche Eigenschaften zugeschrieben. In Fachgeschäften für Haustiere sind diese Mechanismen jedenfalls voll im Gange.

Vor kurzem haben wir jedenfalls Kind und Kegel zusammengepackt und sind mit dem Auto dazu aufgebrochen, alles Notwendig und Nicht-Notwendige für unseren Kater zu kaufen. Letzteres war uns bewusst, dann mit Kindern geht man äußert selten in Geschäfte und kommt dann lediglich mit dem wieder heraus, was man an sich kaufen wollte.

Im Tiergeschäft

Was uns aber im Tiergeschäft erwartete überraschte uns durchaus. Die Auswahl an kulinarische Köstlichkeiten übertraf selbst unsere kühnsten Erwartungen. Sie stand der „Menschennahrung“ womöglich in Sachen Qualität nach – wobei selbst das in angebracht von so manchem Fertiggericht der „Menschenküche“ zweifelhaft ist – aber nicht in Sachen Quantität. Es gibt „kulinarischer Weltreisen“, Gourmet-Linien und generell für jede Katzenrasse ein eigenes Futter. Eine vergleichbare Differenzierung wäre bei Menschen so in dieser Form kaum denkbar.

Doch damit nicht genug. Die Wahl des richtigen Kratzbaumes ist eine Challenge sondergleichen, das Finden des passenden Katzenklos ein Spießroutenlauf und die Auswahl des adäquaten Spielzeugs ein mittelgroßes Abenteuer.

Besonders bei letzterem hat man das Gefühl, dass die Produzenten dieses Spielzeuges und Shop-Inhaber (sprich: Maus, Ball, Kugel, Kreisel und was weiß ich noch alles) davon ausgehen, dass Kinder beim Ersteinkauf für die Katze mit am Start sind. Es ist definitiv fast undenkbar, ohne einen ganzen Sack von Spielsachen das Geschäft zu verlassen. In ihrem Kopf haben die Kinder schon, wie süß es sein wird, wenn die Katze mit diesem oder jedem Spielzeug durch die Gegen tollt. Ausrufe der Entzückung sind der ständige Begleiter, wenn man sich mit Kindern durch das Spielzeugsortiment wühlt.

Vermenschlichung der Tiere

So weit so gut. Besonders aussagekräftig sind aber die Aufschriften auf den Packungen, die für „besondere Momente“ gemacht zu sein scheinen. Nicht nur, dass der Katze Köstlichkeiten aus aller Welt kredenzt werden können, ist es auch noch so, dass man seiner Katze „ein kleines Dankeschön“ angedeihen lassen kann und „eine kleine Aufmerksamkeit“ zukommen lassen könnte.

Das ist natürlich an sich legitim. Aber es zeigt auch, dass Katze und Tiere hier schon fast wie Menschen behandelt werden, die vollkommen intelligent und rational „brav“ sind und damit eine Belohnung verdient haben. Nun möchte ich nicht die Intelligenz von Haustieren oder von Katzen anzweifeln, aber es darf ihnen doch eine gewisse Tendenz dazu unterstellt werden, dass sie instinktiv und nicht immer intentional und vollkommen willentlich handeln.

Tier oder Mensch?

Beim Verlassen des Geschäftes waren wir uns nicht mehr sicher, ob wir nur ein Haustier oder doch ein neues, fast schon menschliches Familienmitglied dazu gewinnen.

Natürlich ist eine Hauskatze, die unser Tier nun mal sein wird, etwas anders als eine Katze, die am Bauernhof frei herumläuft. Ob ihr deshalb so viele menschliche Eigenschaften zugeschrieben werden müssen, ist dennoch fraglich.

So oder so: Wir sind gespannt und freuen uns auf unseren neuen Mitbewohner! Und es wird wohl nicht der letzte Artikel zu diesem Thema gewesen sein.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


    Zum Tagebuch des Autors

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

meinefamilie.at ✰