Maria Lang

Maria Lang "Mein Tagebuch"

Meine stille Zeit - meinefamilie.at
27. Februar 2017

Meine stille Zeit


Unsere Kinder haben neulich aus dem Kindergottesdienst ein Kärtchen mitgebracht, auf dem folgendes Gebet (nach Papst Franziskus) geschrieben stand:

“Heilige Familie von Nazareth, mache unsere Familien zu Orten der Gemeinschaft, der Stille und des Gebetes. Lehre uns, als Familien das Evangelium zu leben. (…)”

Das finde ich wunderschön. Ich liebe meine Familie und möchte, dass das Evangelium in dieser kleinen Gemeinschaft wirklich in die Tat umgesetzt wird.

Familie als Ort der Stille?

Und doch musste ich schmunzeln, als ich diese Zeilen las. Grund war das Wort “Stille”. Dieses Wort spricht eine tiefe Sehnsucht in mir nach etwas an, das ich nur sehr selten habe: einfach nur Stille. Wir haben viele wunderbare Dinge in unserer Familie: Wir leben intensive Gemeinschaft, beten gemeinsam, tauschen uns ehrlich aus, arbeiten gut zusammen. Aber wirkliche Ruhe ist bei uns sehr rar, da die Kinder ja den ganzen Tag zu Hause sind.

Natürlich gibt es den einen oder anderen ruhigen Moment. Es kommt vor, dass die Kinder etwas Ruhiges spielen oder lesend auf der Couch sitzen. Oder dass sie draußen herumtollen. Aber dann höre ich sie trotzdem. Absolute Stille, nach der ich mich oft so sehnen würde, gibt es in unserem Haus tagsüber nicht und auch abends selten. Unsere Großen sind oft schon sehr lange auf, wodurch der ruhige Abend wegfällt. Ich merke, dass ich dafür sorgen muss, stille Zeiten für mich zu finden. Ich brauche sie zum Nachdenken, zum Reflektieren und zum Reden mit Gott. Ich brauche sie zum Auftanken, zum Durchatmen, zum Mich-selbst-Spüren.

In der ständigen Gemeinschaft mit anderen Menschen brenne ich sonst nach und nach aus… So bin ich einfach gestrickt und das muss ich ernst nehmen.

Meine Stunde Stille in der Nacht

Meist suche ich Ruhe außer Haus, bei einem Spaziergang im Wald etwa. Das funktioniert ganz gut. Aber nicht immer kann ich einfach so weg. In letzter Zeit habe ich etwas ganz Neues versucht. Da unsere Kinder nun schon einige Jahre durchschlafen und ich nicht mehr um jede Stunde Schlaf ringe, habe ich mir ab und zu den Wecker mitten in der Nacht gestellt. Ich bin aufgestanden, habe mich mit einer Decke auf die Couch gesetzt und die Ruhe genossen. Es war ein unglaubliches Gefühl, die Wohnung mal ganz “für mich alleine” zu haben und die Stille förmlich zu hören!

Nach etwa einer Stunde ging ich wieder zu Bett und schmunzelte beim Einschlafen. Soooo gut hat mir das getan! Ich hatte “meine” Ruhe in meinen eigenen vier Wänden! Manche denken nun vielleicht, das ist echt krass. Doch mal ganz ehrlich: auch Jesus hat sich Auszeiten genommen, wo er nur ganz allein mit seinem Vater sein wollte. Er, der so viel für Menschen getan hat, zog sich immer wieder allein zurück. Stille Zeiten zu suchen gehört also zum Leben des Evangeliums dazu. Für mich ist meine nächtliche Auszeit nur einer der vielen verschiedenen kreativen Wege, meinen Alltag mit Freude zu füllen, sodass ich diesen Marathon, den das Elternsein darstellt, gut durchhalte!

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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