Regina Magdalena Smrcka

Regina Magdalena Smrcka "Mein Tagebuch"

24. Mai 2019

„Mami, du hast die Muttertags-Feier verpasst!“


Ich verpasste meine erste Muttertags-Feier in der Krippe und machte die Erfahrung, dass ich meinem Kind ruhig mehr zutrauen und mir selbst verzeihen kann. Denn Kinder haben andere Blickwinkel und Prioritäten als wir, und was für uns wichtig ist, kann für sie völlig unwichtig sein.

Ich erinnere mich noch gut an meinen allerersten Muttertag in der Krippe. Stolz trug ich den Termin in meinen Kalender ein und war schon sehr gespannt auf die Lieder und Basteleien der Kinder. Dann war es soweit! Freitagvormittag, nur mehr zwei Tage bis zum Muttertag.

Wie immer saß ich im WIFI, wo ich gerade eine Ausbildung in der Karenz absolvierte. In der Pause der übliche Blick aufs Handy, alles in Ordnung zu Hause? Da entdeckte ich die SMS von meinem Mann: „Bitte dringend anrufen! Du hast den Muttertag verpasst!“ Absolut geschockt erfuhr ich, dass ich die Feier falsch in den Kalender eingetragen hatte. Da mein Mann trotz Einladung des Kindergärtners, vor der reinen Mütterrunde Reißaus nahm, war unser Sohn das einzige Kind ohne Bezugsperson auf der Feier. Ich hatte die SMS zu spät gelesen, die Muttertags-Feier war vorbei. So beschloss ich schweren Herzens in der Ausbildung zu bleiben, ging aber am Nachmittag früher als geplant, um unseren Sohn wenigstens selbst abholen zu können.

Als ich in großer Sorge und mit schlechtem Gewissen endlich vor der Krippentür stand, erwartete ich ein schwer traumatisiertes Kind. Doch stattdessen empfing mich unser Sohn strahlend und überglücklich. Es hätte Kuchen und Saft gegeben, sowie eine große Feier, erzählte er mir ganz begeistert. „Und stell dir vor, Mami, ich habe zwei Stück Kuchen bekommen!“ Da es sonst immer nur Wasser und gesundes, biologisches Obst gab, war dies für unseren Sohn eine größere Sensation als die Tatsache, dass ich nicht da war. Einen großen Dank an dieser Stelle an unsere ehemaligen Krippenbetreuer, die ihn zur Seite nahmen und sich um ihn kümmerten, sodass dieses Fest für ihn trotz allem eine schöne Erinnerung bleiben wird.

Wochen später machten wir uns immer noch Vorwürfe – Ich für den falsch eingetragenen Termin und mein Mann, weil er stellvertretend für mich nicht dort geblieben ist. Doch die Erfahrung, dass wir unserem Sohn ruhig mehr zutrauen dürfen, erlebten wir noch häufig. Mittlerweile sind wir um einiges gelassener geworden, können ihm mehr zutrauen und uns selbst verzeihen.

Situationen, wo wir als Eltern Fehler machen als Chance sehen, in denen unsere Kinder lernen können das Leben selbst zu meistern. Dadurch werden sie selbstständiger und ihr Selbstwertgefühl steigt enorm. Auch können wir üben den Betreuern unserer Kinder mehr zu vertrauen. Wir müssen nicht alles allein schaffen!


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