Maria Lang

Maria Lang "Mein Tagebuch"

9. Juli 2019

„Mama, vergiss dich nicht selbst!“


Mutter sein ist eine wunderbare Aufgabe und es ist faszinierend zu beobachten, wie Mamas über die Jahre immer mehr zu fast selbstverständlich liebenden und umsorgenden Wesen werden. Nicht mehr die eigenen Interessen stehen im Mittelpunkt, sondern die der Kinder. Wenn es unseren Kindern gut geht, geht es auch automatisch uns Mamas gut. Geht es den Kindern schlecht, wenn sie etwa krank sind, geht es auch uns schlecht. Wir leiden mit, leben mit, fühlen mit und tun alles, bringen jedes Opfer, das notwendig ist, um unsere Schätze wieder gesund und munter zu sehen. Diese Selbstaufgabe und Opferbereitschaft, die bis zur Selbstvergessenheit führt, ist etwas ganz Besonderes, das ich bisher hauptsächlich bei Müttern beobachtet habe. Väter können auch sehr fürsorglich sein, aber sie vergessen nicht so leicht auf sich selbst.

Träume müssen warten

Und genau das ist es, was wir Mamas nicht aus den Augen verlieren dürfen. Wir haben eine natürliche Tendenz, die eigenen Bedürfnisse und Interessen so sehr zurückzustellen und zu verdrängen, dass wir uns selbst regelrecht vernachlässigen.

(c) iStock

Das klappt eine Weile ganz gut, denn es erfüllt uns ja auch mit Kraft, wenn wir sehen, wie unsere Kinder gedeihen. Wir geben gerne und investieren mit ganzer Kraft in den Familienalltag. Aber auf längere Sicht ist solch ein Verhalten nicht gesund. Wir dürfen, ja, wir sollen auch auf uns selbst achten und ab und zu Dinge tun, die uns einfach gut tun, egal ob sie dem Wohl der Familie dienen oder nicht. Sonst schleicht sich irgendwann das frustrierende Gefühl ein, gelebt zu werden anstatt selbst zu leben. Es kann sogar so weit gehen, dass wir irgendwann nicht mehr wissen, was wir eigentlich selbst wollen. Wenn die Kinder groß sind, fallen manche Mütter in ein tiefes Loch. Sie erleben eine Krise, die zu einer richtigen Sinnkrise werden kann. Sie haben ihre ganze Kraft in ihre Kinder investiert und wenn sie dann als Mama nicht mehr gebraucht werden, gähnt plötzlich eine große Leere in ihrem Inneren. Um das zu verhindern, ist es wichtig, mit unseren Interessen, Wünschen und Träumen in Verbindung zu bleiben. Natürlich müssen manche Träume während der Baby- und Kleinkinderphase ein wenig warten. Alles hat seine Zeit. Aber manch ein Traum lässt sich auch mit Kindern leben bzw. kann man sich, wenn die Kids dann größer werden, ab und zu Auszeiten nehmen, um sich einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen.

Sich selbst einen Wunsch erfüllen

Ich hab mir z.B. zu meinem 30. Geburtstag einen Fallschirmsprung gewünscht. Eigentlich hatte ich schon mit 20 davon geträumt, aber es nie gemacht. Mit 30 hatte ich dann zwei kleine Kinder und eine Stimme in meinem Inneren mahnte mich zur Vorsicht. Man weiß ja nie, was passieren kann. Und Fallschirmspringen ist nicht unbedingt risikofrei. Ich besprach die Sache mit meinem Mann und er war einverstanden. Schließlich fuhren wir als Familie ins Waldviertel zu dem Ort, wo Tandemsprünge angeboten wurden.

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Die beiden Jungs, damals drei und ein Jahr alt, waren mit dabei, als ich in den Anzug schlüpfte und von meinem Tandempartner angeschnallt wurde. Ich verabschiedete mich von den Kindern und sagte ihnen, dass ich in ein paar Minuten wieder da sein würde. Ich hatte nie auch nur die leiseste Angst, nicht heil herunterzukommen. Für mich war das Ganze nicht so sehr ein Suchen nach dem ultimativen Adrenalinkick, sondern eher ein Vertrauensschritt, mich ganz in die Arme Gottes fallen zu lassen. Natürlich war der Kick auch genial, die paar Sekunden im freien Fall werde ich nie vergessen. Aber ich fühlte mich auch geborgen und getragen und kam mit einem neuen Bewusstsein wieder auf den Boden, dass Gott seine schützende Hand über mir hält.

Vielleicht haben nicht alle Mamas solche verrückten Träume. Manche möchten vielleicht einfach nur mal zwei Tage allein in einem Wellnesshotel verbringen. Oder eine Shoppingtour mit einer Freundin unternehmen. Oder mal einen Abend lang so viel Schokolade essen, bis sie fast platzen. Was immer es ist, das Ihre Batterien auflädt und Sie aufleben lässt – Lassen Sie es nicht zu kurz kommen. Ihr Leben ist Ihr Leben, auch wenn Sie Mama sind. Es ist Ihre Entscheidung, was darin Platz findet. Bitte vergessen Sie nicht auf sich selbst. Und letztendlich wird es auch den Kindern zugute kommen, wenn Sie wieder neue Begeisterung versprühen und spürbare Freude am Leben haben.



EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Niederösterreich im Erlauftal. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nach fünf Jahren Homeschooling sind nun alle vier Kinder in öffentlichen Schulen und ich bin Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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