Maria Lang

Maria Lang "Mein Tagebuch"

3. September 2019

Loslassen lernen


Was wir Eltern – besonders aber wir Mütter – als Begleiter auf dem Lebensweg unserer Kinder immer wieder lernen müssen, ist loszulassen. Und Loslassen lernen ist nicht einfach. Während der Schwangerschaft war das kleine Wesen in uns geschützt und geborgen im Mutterleib, ständig versorgt durch die Nabelschnur, die uns fest aneinander band.

Stück für Stück loslassen

Der erste große Loslassprozess fand durch die Geburt statt. Es war so bequem, das Baby sicher verpackt in meinem Bauch zu wissen, wenn da nicht ein gewisses Platzproblem gewesen wäre… Und die Sehnsucht, es endlich zu sehen und im Arm zu halten, wurde natürlich auch immer stärker. Doch dieser Prozess bedeutete auch, dass das kleine Baby plötzlich ein Stück weit unabhängig von mir als Mama war. Zwar brauchte es liebevolle Versorgung rund um die Uhr, die ich ihm gerne gab, doch das konnten nun auch andere Menschen machen. Die ausschließliche Abhängigkeit zwischen Mutter und Kind war vorbei. Stück für Stück baute das kleine Wesen Beziehungen zu anderen Menschen auf. Zuerst natürlich zu mir als Mama, war es doch ein Teil meines Körpers gewesen. Dann zu Papa, der auch mit verantwortlich war für seine Existenz. Dann wurde der Kreis erweitert, Geschwister, Omas und Opas, Verwandte, Freunde der Familie. Das Kind wurde Teil einer Gemeinschaft.

(c) iStock

Trennungsschmerz

Mit dem Kindergartenbeginn erweiterte sich sein soziales Umfeld noch weiter. Diesen Schritt haben meine beiden Jüngsten übersprungen, da sie ihre Kindergartenzeit und einen Teil ihrer Schulzeit zu Hause verbrachten. Deshalb war für uns der Schulbeginn heuer etwas Besonderes. Sowohl Gregor als auch Sara wagten den Schritt hinaus in die Welt, in den Schulalltag. Für mich als Mutter bedeutete dies einen wichtigen Schritt des Loslassens. Ich hatte sehr gemischte Gefühle dabei. Einerseits freute ich mich sehr mit meinen Kindern, dass sie nun „groß“ wurden und vieles ohne meine Hilfe selbständig erleben und erledigen würden. Andererseits wünschte ich mir, ich könnte sie weiterhin schützend mit Geborgenheit umgeben. Ich beobachtete am ersten Schultag einige Mütter, die unter dem Abschieds- und Trennungsschmerz litten und Tränen vergossen. Innerlich ging es mir genauso, auch wenn ich nach außen hin gefasst blieb. Wie froh war ich, als ich nach der Stunde, die die Schulanfänger gemeinsam in der Klasse verbrachten, meinen Siebenjährigen wieder in Empfang nehmen konnte!

Auch wenn dieser Neuanfang in erster Linie meine Kinder betrifft – für mich als Mama ist es auch ein wichtiger Schritt loslassen zu lernen. Und ich finde, wir haben diesen Schritt alle drei gut geschafft!

 



EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Niederösterreich im Erlauftal. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nach fünf Jahren Homeschooling sind nun alle vier Kinder in öffentlichen Schulen und ich bin Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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