Regina Magdalena Smrcka

Regina Magdalena Smrcka "Mein Tagebuch"

Vorkehrungen im Notfall - meinefamilie.at
2. September 2018

Kreislaufkollaps der Mutter – Was tun im Notfall?


Sonntagabends, 30 Grad, mir wird schwindlig, Kreislaufkollaps. Alleine mit meinem Sechsjährigem unterwegs, keine Hilfe in der Nähe. Mit letzter Kraft schleppe ich mich zum nächsten Gasthaus. Doch was wäre passiert, wenn ich ohnmächtig geworden wäre? Notfallkontakte im Handy, Kinderarmbänder mit Namen, was hilft im Fall der Fälle wirklich?

Als ich nach dem Gießen unseres Gemüsebeetes mit meinem Sohn Richtung Spielplatz unterwegs bin wird mir plötzlich schwindlig. Niedriger Blutdruck, denke ich mir noch, kein Wunder bei der Hitze. Noch dazu nach der körperlichen Arbeit beim Beet. Langsam gehen, durchatmen, das schaffe ich schon. Doch plötzlich wird mir so schlecht, dass ich mich auf den Boden legen muss. Die Beine hochgelagert erkläre ich meinem erschrockenen Sohn, dass es mir bald besser geht, nur mein Blutdruck ein wenig nieder ist. Dann drücke ich ihm € 20,- in die Hand und bitte ihn zu den beiden Männern zu gehen, die in Sichtweite auf einer Bank sitzen. Ich brauche nur etwas zu trinken, denn geht es mir bald besser.

Womit ich nicht gerechnet habe ist die völlige Überforderung meines Sohnes mit dieser Situation. In seiner Vorstellung nehmen die fremden Männer das Geld und laufen davon ohne uns zu helfen. Weinend steht er in der Mitte des Weges zwischen mir und den Männern und schafft es nicht hinzugehen, sie anzusprechen und um Hilfe zu bitten. Und obwohl ersichtlich ist, dass wir Hilfe benötigen, würdigt uns keiner der beiden eines Blickes. Meinen Mann anrufen, bringt nichts, er ist in der Arbeit und würde eine Stunde benötigen um herzukommen. Die Rettung anzurufen ist mir peinlich, so schlecht geht es mir ja auch nicht, rede ich mir ein. Ironischerweise bringen mir meine Vorkehrungen für den Notfall – wie die Nummer meines Mannes als ICE im Handy einzuspeichern, und den Namen meines Sohnes in seine Wäsche zu kleben – in diesem Fall absolut nichts.

Mit letzter Kraft stehe ich – nach einer gefühlten Ewigkeit des Zuredens auf meinen Sohn – auf und schleppe mich zum nächsten Gasthaus. Essen und Trinken, Kind beruhigen. Am nächsten Abend bespreche ich mich mit meinem Mann. Ich bin betroffen und fühle mich hilflos. Denn all die Vorkehrungen die Eltern treffen, sind auf bestimmte Notfälle abgestimmt und nicht für jede Situation geeignet.

Dieser Zwischenfall macht mir bewusst, dass ich mehr auf mich schauen, und unterschiedlichste Szenarien an Notfällen mitbedenken muss.

  • So mache ich mir mit meinem Sohn ein Codewort aus, das der Abzuholende in der Schule zu ihm sagen muss, falls ich/mein Mann ihn in einem Notfall nicht selbst abholen können. Unser Sohn weiß täglich Bescheid, wer ihn wann abholt und dass er nicht mit Fremden mitgehen darf, wenn sie das Codewort nicht wissen. Im Kindergarten war diese Gefahr noch nicht gegeben, da die Kindergärtnerinnen Kinder nur an bestimmte Personen mitgeben dürfen und diese extra schriftlich festgehalten werden müssen.
  • Als mein Sohn die Unart meines Mannes annimmt bis zum letzten Moment sitzen zu bleiben, um anschließend noch schnell aus dem Autobus auszusteigen, bespreche ich mit ihm die Vorgehensweise sollten wir einmal getrennt werden. Sein Vorschlag zum Busfahrer zu gehen, um ihm zu sagen, er muss noch einmal anhalten, ist zwar nett, aber unrealistisch. Schließlich machen wir aus, dass er bei der nächsten Haltestelle aussteigt, auf mich wartet und ich nachkomme.
  • Als ich mit anderen Müttern bespreche, ab wann ihre Schulkinder Handys bekommen, bin ich überrascht, denn die meisten haben immer noch keines. Jedoch werden sie unterstützt darin zu lernen, sich im Fall der Fälle unterwegs Hilfe holen zu können, in einem Geschäft, Lokal oder einer Tankstelle.
  • Schließlich übe ich noch mit meinem Sohn Rettung und Polizei auf meinem Handy anzurufen und trage immer die Nummern auf einem Zettel in meiner Geldbörse, falls er in der Aufregung einmal darauf vergisst. Ebenso trage ich einen Zettel mit dem Vermerk “Notfallkontakte” darin, mit den Telefonnummern aller Babysitter, Nachbarn und verfügbaren Omas.

Zu guter Letzt bleibt nur noch darauf zu vertrauen, dass wir immer genug Schutzengel dabeihaben und dieses Zutrauen in die göttliche Hilfe auch unseren Kindern mitzugeben.

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EIN ARTIKEL VON
  • Regina Magdalena Smrcka

    Als Sozialarbeiterin spezialisierte ich mich auf die Betreuung von schwerstbehinderten Kindern. Als Ausgleich unterrichtete ich Kinderturnen. Jetzt unterstütze ich meinen Lebensgefährten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam haben wir einen Sohn.


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