Maria Lang

Maria Lang "Mein Tagebuch"

22. Juli 2019

Wie meine Kinder die Großfamilie schätzen lernen


Ich komme aus einer sehr großen Familie, für heutige Maßstäbe eher ungewöhnlich. Meine Mutter hat sieben Geschwister, ich selbst habe sechs. Auch von der anderen Seite kommen noch einige dazu, plus Partner. Das macht dann insgesamt eine ziemlich große Verwandtschaft.

Es ist gar nicht so einfach, den Kontakt zu so vielen Leuten zu pflegen. Ich kann mich erinnern, dass wir als Kinder immer wieder Großfamilientreffen hatten, meist zu Weihnachten und im Sommer oder aber zu runden Geburtstagen.

Mit der Tante auf derselben Schule

Es war für uns Kinder spannend, mit den verschiedenen Cousins zu spielen und sich Geschichten über diverse Verwandte anzuhören. Einige meiner Tanten und Onkeln waren nicht sehr viel älter als ich, und genauso ist es heute bei meinen Kindern. Meine jüngsten Brüder sind gerade mal ein paar Jahre älter als mein ältester Sohn.

Ich hab das als Kind irgendwie witzig gefunden, dass meine Tante in die gleiche Schule ging wie ich, nur eben ein paar Klassen höher.

Neulich war ich mit unseren beiden Jüngsten bei meiner Oma und meinem Opa zu Besuch, das heißt also, bei ihrer Uroma und ihrem Uropa. Das ist nicht für jedes Kind selbstverständlich, noch Uroma und Uropa zu haben. Die Generationsabstände sind heute deutlich größer als früher, da die Frauen durchschnittlich später Kinder bekommen. Aber da meine Mutter die älteste Tochter ist und ich die älteste Enkelin bin, geht es sich aus, dass unsere Kinder noch in den Genuss kommen, ihre Urgroßeltern erleben zu dürfen.

Ich finde es sehr wertvoll, die eigenen Wurzeln zu kennen.

Beziehungspflege in der Großfamilie - meinefamilie.at
Beziehungspflege in der Großfamilie © iStock

So viel von den Generationen vor uns bekommen wir weitervererbt. Manche Talente tauchen nur in jeder zweiten oder dritten Generation auf. Es ist spannend, solche Dinge zurückzuverfolgen und Teile der eigenen Identität zu finden.

Familie auf der ganzen Welt

Meine Verwandtschaft ist sehr kreativ, doch jeder lebt seine Kreativität anders aus. Es gibt viele Musiker, Künstler, Pädagogen und Schriftsteller. Ein buntes Potpourri. Ich finde es schön und wichtig, dass die Kinder ihre Verwandten kennen.

Auch wenn nicht jedes Treffen für sie super spannend ist (Teenies mögen das ja bekanntlich nicht besonders), so bekommen sie doch etwas Wichtiges mit: Sie sind Teil eines größeren Familienverbandes, der weit über die Kernfamilie hinausreicht. Bei uns ist die Großfamilie sogar auf einige Kontinente verteilt, was dem Ganzen zusätzliche Würze verleiht.

Wir fragen Uroma: Wie war das Leben früher?

Was wir besonders gerne tun, ist Uroma oder Uropa zu fragen, wie das Leben früher war. Sie haben viel erlebt und wissen eine Menge zu erzählen. Kinder lieben „echte“ Geschichten. Es ist einfach etwas ganz anderes, ein Buch über eine gewisse Zeit zu lesen oder aber von einem Zeitzeugen zu hören, wie das Leben damals war.

Ich bin dankbar, diese Erfahrungsschätze in unserer Großfamilie zu haben und daraus für unsere eigene Zukunft lernen zu können.



EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


    Zum Tagebuch des Autors

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at