Mirka Huber

Mirka Huber "Mein Tagebuch"

konsum - meinefamilie.at
16. September 2018

Konsumgesellschaft und falsche Werte


Neulich las ich eine Diskussion im Internet und im ersten Moment dachte ich, ich hätte die Frage der dreifachen Mutter nicht verstanden. Denn sie fragte die Forum-Gemeinschaft, was für Geschenke die Geschwister des Geburtstagskindes kriegen. Und was den Gästen geschenkt wird. Ich war schockiert und überrascht gleichzeitig.

Ich dachte, ein Geburtstag ist dafür da, dass das Geburtstagskind beschenkt wird. Und nicht alle um ihn herum. Ich dachte, ein Geburtstagskind soll sich besonders fühlen, einen Tag im alleinigen Mittelpunkt stehen und sich so von den anderen abheben. Tja. Falsch gedacht! Ich fragte mich nur, wann ist das passiert? Seit wann sind alle Feiertage und Geburtstage dazu da, um möglichst vielen Menschen möglichst viele Geschenke zu machen? Werden Geschenke überhaupt noch geschätzt? Und verliert damit so ein Geburtstag nicht am Wert? Dazu fiel mir der Geburtstag unseres Sohnes ein.

Völlige Überforderung eines Kindes

Es war sein erster Geburtstag. Unser Sohn ist ein paar Tage nach Weihnachten zur Welt gekommen. Das macht die Sache mit zu vielen Geschenken noch schlimmer. Dennoch waren mein Mann und ich uns einig: wir wollen kein überfülltes Kinderzimmer. Doch schon vor dem ersten Geburtstag hatte mein Kind mehr Spielzeug, als ich wollte. Dabei haben wir ihm nichts davon gekauft! Es waren alles Geschenke von Freunden und Verwandten. Bestimmt nett gemeint, doch in meinen Augen war es zu viel. Aber zurück zu seinem Geburtstag. Wir haben ihm ein Geschenk zu Weihnachten und ein Geschenk zum Geburtstag gekauft. Ähnlich haben wir es mit den Großeltern ausgemacht. Als Alternative haben wir angeboten, auf sein Sparkonto etwas einzuzahlen. Damit wird er in der Zukunft seinen Führerschein oder sein Studium finanzieren können.

(Böse) Überraschung

Wir hatten die Situation ganz gut im Griff. Bis meine Schwester aus Deutschland kam. Wir haben völlig vergessen sie zu informieren, dass wir keine Unmengen an Geschenken wollen und weil sie die Taufpatin von unserem Kind ist, hat sie es völlig übertrieben. Ich habe 8 Geschenke gezählt! Man will ja nicht undankbar sein, aber es war wirklich zu viel. Also standen wir da: unser Kind mit vielen schönen Päckchen und alle um ihn herum. „Mach mal auf!“, klang von jeder Seite. Das arme Kind wusste nicht, was wir von ihm wollen. Wir zeigten ihm wie er ein Geschenk auspacken kann, doch er wollte das Geschenk gar nicht. Er fing an zu weinen und wollte zu mir. Ich holte ihn aus der stressigen Situation raus und ärgerte mich, dass wir überhaupt eine Feier gemacht haben. Denn sie war nur für uns gemacht. Für den Kleinen war es nur ein Moment völliger Überforderung. Ein Paar Minuten später, als er im Nebenzimmer nur mit einem Spielzeug stand, war er bestens gelaunt und spielte zufrieden. Ich glaube, alle haben verstanden, dass es zu viel war und ich hoffe, dass es für alle auch eine Lehre war.

Konsum ohne Ende

Leider beobachte ich immer wieder, wie sich Geburtstage und Weihnachten verändert haben. Anstatt sich darauf zu freuen, beginnen viele Kinder mit ihren Eltern zu verhandeln: „Ich wünsche mir ein neues Handy und auch noch ein Fahrrad dazu. Ja, es ist recht teuer, aber dafür werde ich das nächste Mal weniger wollen.“ Natürlich wird so ein Versprechen vergessen und Eltern haben auch nicht das Herz beim nächsten Mal nur eine Kleinigkeit zu schenken. Von Großeltern werden großzügige Päckchen oder große Geldbeträge erwartet. Nur 20 Euro? Das ist nichts mehr wert! Weihnachten als Zeit des Zusammenseins? Von wegen! Ich habe in der Schule nach Weihnachten immer erzählt, dass meine Schwestern aus dem Ausland anreisten und wie viel Besuch wir hatten. Geschenke wurden nur am Rande erwähnt. Heutzutage werden hauptsächlich Geschenke verglichen.

Ich mache nicht mit!

Ich habe bereits vier Neffen und eine Nichte und nach dem letzten Geburtstag meines Neffen habe ich beschlossen, auf materielle Geschenke zu verzichten. Ab jetzt verschenke ich gemeinsame Momente in Form von Ausflügen, verschiedenen Aktivitäten und Erlebnissen. Ich bin gespannt, wie es ankommen wird. Vielleicht werde ich zum Vorbild für alle in meiner Familie und anstatt materielle Dinge zu kaufen, werden wir schöne Zeiten miteinander verbringen. Ich freue mich schon auf  Weihnachten und auf die nächsten Geburtstage!

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EIN ARTIKEL VON
  • Mirka Huber

    Ich bin Journalistin und seit 2016 Mama von einem Jungen. Seitdem ist mein Leben erfüllter denn je. Meine kleine Familie ist wie eine Ruheinsel, denn neben Beruf und Familie betreue ich noch eine Pfadfindergruppe. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit Lesen, in der Natur, mit Freunden oder Sport.


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1 Kommentare
  • Julia, 20. September 2018, 15:04 Antworten

    Meine Tochter ist 4 Jahre alt und bekommt (leider auch von uns) immer einige Geschenke. Allerdings finde ich es immer wieder toll den Unterschied zu sehen zwischen den gewünschten Geschenken und den “gut-gemeinten”. Denn immer, wenn sie ein Geschenk auspackt, dass sie sich wirklich gewünscht hat, beginnt sie zu strahlen und freut sich ganz echt. Jetzt muss nur noch ich lernen, die anderen Geschenke weg zu lassen🙈

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