Maria Lang

Maria Lang "Mein Tagebuch"

Kleiner Unfall, Erste Hilfe - meinefamilie.at
15. August 2017

Kleiner Unfall: Ich sage meinem Sohn die Wahrheit


Neulich hatte unser Jüngster einen kleinen Unfall. Er stieß mit dem Kopf an die Kante des Couchtisches und blutete stark. Ich war gerade unterwegs, als mein Mann mich anrief. Er kann kein Blut sehen und mag solche Zwischenfälle gar nicht. Schnell gab ich ihm kurze Anweisungen für die Erstversorgung und beeilte mich, heimzukommen. Als gelernte Krankenschwester und langjährige Mama von drei wilden Jungs und einem nicht ganz so wilden Mädchen bleibe ich bei solchen Anlässen mittlerweile ziemlich gelassen. In unserer Hausapotheke habe ich immer spezielle Pflasterstreifen aufbewahrt, mit denen man kleine Schnitte und Platzwunden kleben kann. Einige Male konnte ich so unseren Kindern und auch einigen Bekannten den Weg zum Arzt ersparen.

Als ich endlich ankam, um mir die Wunde anzusehen, hatte sich die Lage schon beruhigt. Gregor lag bei meinem Mann auf der Couch und weinte gar nicht mehr. Auf den ersten Blick sah es nicht so schlimm aus, ein Cut von ca. 1,5 cm. Doch es war tief und lag direkt an der Schläfe. Ich desinfizierte die Wunde und verklebte sie dann behelfsmäßig. Dann bereitete ich Gregor darauf vor, dass wir ins Krankenhaus fahren würden. Sofort verzog sich seine Miene.

Ich schaute ihm in die Augen. “Gregor, die Wunde ist nicht groß, aber zu heikel, um sie einfach nur zu kleben. Du bist ein tapferer Kerl. Wir schaffen das gemeinsam.”

Beruhigen, aber nicht anlügen

Und dann erklärte ich ihm, dass die Wunde wahrscheinlich genäht werden würde. Ich spürte, dass er sich fürchtete, doch trotzdem wollte ich ihm die Wahrheit nicht verschweigen. Meiner Meinung nach hat es keinen Sinn, den Kindern das Blaue vom Himmel zu erzählen, um sie zu beruhigen und dann aus dem Hinterhalt einen Überraschungsangriff zu starten. Auch als ich noch im Krankenhaus arbeitete, habe ich Kindern immer die Wahrheit gesagt. Und meiner Erfahrung nach haben die meisten das positiv aufgefasst.

Es ist besser, wenn ich weiß, dass ich kurz einen Schmerz aushalten muss, als zu glauben, es tue nicht weh, und dann negativ überrascht zu werden.

Man fühlt sich sonst wirklich betrogen. Und betrügen wollte ich meinen Sohn auf keinen Fall. Ich wollte den Mut wecken, der in ihm steckt.

Positive Erfahrung im Spital

So verbrachten wir gemeinsam einige Zeit im Krankenhaus – natürlich mit seinem Lieblingsbären. Zuerst wurde die Stelle geröntgt, wie es üblich ist. Gregor war nervös, er wollte die Prozedur endlich hinter sich haben. Als wir nach längerer Wartezeit drankamen, merkte ich seine Spannung. Ich blieb dicht an seiner Seite. Die behandelnde Ärztin meinte, es sei keine Naht nötig. Sie versuche es mit einem speziellen Kleber. Also wurde die Wunde letztendlich doch verklebt, zuerst mit Fibrinkleber von innen, dann nochmal außen. Sehr erleichtert nahm Gregor zur Kenntnis, dass er nun nur fünf Tage lang nicht baden dürfe. Es war also halb so schlimm!

Als wir auf dem Nachhauseweg im Auto über den Vorfall redeten, meinte Gregor, er hätte auch das Nähen ausgehalten. Er sei ja schon groß. Wie tapfer! Ich sagte ihm, dass ich stolz bin auf ihn. Somit wurde unser Ausflug ins Spital für ihn zu einer positiven Erfahrung. Und er trägt heute, einige Wochen danach, mit Stolz seine Narbe zur Schau.

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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