Rebecca und Stephan Richter

Rebecca und Stephan Richter "Mein Tagebuch"

kirche mit kind - meinefamilie.at
4. Dezember 2020

Kirche mit Kind – Dieses Mal feiern wir zuhause


„Los geht´s!“, rufe ich laut. Eilig kommt meine Frau herbei, etwas nach ihr startet auch Noah zu uns. Schnell noch eine zumindest halbwegs fromme Haltung einnehmen und noch einmal tief durchatmen. Quasi „Besinnen für Eilige“. Da hören wir auch schon die Orgel: Laut ertönt feierliche Musik. Die Messe beginnt. 

Eigentlich ist so eine Online-Messe für Familien schon etwas Tolles, oder?

Noah macht es sich derweil auf dem Sofa bequem, streckt sich nach seinen Büchern und beginnt abwechselnd, Fernseher und Buch zu betrachten. „Eigentlich“, flüstere ich meiner Frau zu, während im Hintergrund noch immer die Orgel spielt, „ist so eine Online-Messe für Familien schon etwas Tolles, oder?“ 

Dabei schmerzt es uns sehr, diesen Gottesdienst heute nicht vor Ort miterleben zu können. Ein guter Freund feiert heute seine ewige Profess, also seine endgültige Aufnahme in den Orden. Wir hatten schon Wochen vor der Feier eine Einladung erhalten und prompt zugesagt. Ein Corona-Lockdown in unserem Bezirk hatte die Teilnahme an der Feier aber unmöglich gemacht. 

So sitzen wir drei eben vor dem Fernseher, über einhundert Kilometer entfernt vom Ort des Geschehens, um doch noch irgendwie „live“ dabei zu sein. 

Online statt vor Ort?

Wäre so eine Online-Messe nicht auch auf Dauer eine Lösung, besonders für junge Familien? Man muss nicht bei Wind und Wetter hinaus in die Kälte, spart sich die Anreise mit dem Auto und den Mundschutz in der Kirche. Gerade mit Kindern ist diese Form angenehm, schließlich muss man nicht vom Frühstück weghetzen, keine Büchlein einpacken und auch nicht so streng auf das Leise-Sein achten.

Als ob mehr Geist in der Luft läge.

Andererseits ist es einfach nicht dasselbe, das haben wir während des ersten Corona-Lock-Downs eindrucksvoll erlebt: Kein Palmsonntag, kein Kreuzweg, ja nicht einmal die Osternacht konnten wir gemeinsam mit unserer Gemeinde feiern. Die Online-Messen waren wundervoll gestaltet und brachten Ostern auf ganz besondere Art auch in unser Wohnzimmer – aber es war einfach nicht dasselbe. Umso schöner empfanden wir die ersten gemeinsamen Gottesdienste nach dem Lockdown: Als ob mehr Geist in der Luft läge.

Zuhause ist eben Zuhause

Noah rutscht auf dem Sofa so lang hin und her, bis seine Füße endlich den Fußboden berühren, und läuft durchs Wohnzimmer direkt auf seine Spielecke zu. „Rumms!“, fliegen schon die ersten Bauklötze in die Ecke. Zielgenau hatte Noah den einzig verbliebenen Bauklötze-Turm angesteuert und umgeworfen – und das gerade zu dem Zeitpunkt, als unser Freund sein Gelübte vor dem Erzabt und der anwesenden Gemeinde abgibt. „Geniales Timing!“, flüstert mir meine Frau zu. Ich muss schmunzeln. „Eigentlich“, flüstere ich zurück, „ist es vor dem Fernseher doch gar nicht so viel anders als in der Kirche: Noah spielt eben dann, wenn er will!“ Meine Frau nickt mir zu.

Jeden Sonntag also die Messe auf dem Sofa zu „feiern“ – das ist für uns keine adäquate Lösung. Es mag zwar Einiges „einfacher“ erscheinen und für manche Familien und Situationen genau richtig sein – aber für uns, das haben wir herausgefunden, ist es keine Dauerlösung. 

Mit Blick auf den beginnenden Advent überlegen wir heute schon, wie wir Weihnachten mit Noah feiern werden – und vor allem, ob wir dann in eine „echte“ Kirche gehen dürfen. Gerne würden wir mit Noah in eine Kinder-Christmette mit Krippenspiel gehen. Ob das in diesem Jahr wohl stattfinden darf? 



EIN ARTIKEL VON
  • Rebecca und Stephan Richter

    Wir leben mit unserem Sohn Noah im bayerischen Grenzgebiet. In unserem Blog berichten wir von unseren Erfahrungen im Gemeindeleben und erzählen viele kleine Anekdoten von Sonntagsmessen mit Kind und sind auf der Suche nach dem perfekten Gottesdienst für alle.


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