Maria Lang

Maria Lang "Mein Tagebuch"

waldkindergarten - meinefamilie.at
8. April 2021

Kinderbetreuung in der Coronakrise: Zu Besuch im Waldkindergarten


Kinderbetreuung ist derzeit eine nicht ganz einfache Sache. Obwohl die Kindergärte und Volksschulen geöffnet sind, lassen viele ihre Kleinkinder und jüngeren Schulkinder zu Hause, um sie nicht unnötig einem Corona-Infektions-Risiko auszusetzen. Auch von Seiten mancher Kindergärten besteht zum Teil der Wunsch, die Kinder nur dann zu bringen, wenn es unbedingt notwendig ist. In den Volksschulen wird mehrmals wöchentlich ein Coronatest durchgeführt, ab und zu ist es allerdings notwendig, eine Klasse in Quarantäne zu schicken, wenn ein Kind positiv getestet wurde. Alles etwas kompliziert und unberechenbar, weit entfernt von der „Normalität„, die wir vor Corona gelebt haben. 

Viele Mütter und Väter, die berufstätig sind, versuchen deshalb, mit Homeoffice und guter Selbstorganisation ihren Job und das Homeschooling unter einen Hut zu bringen und kommen dabei sehr an ihre Grenzen. Seitens der Großeltern gibt es teilweise große Zurückhaltung, was die Betreuung ihrer Enkel betrifft. Manche sind vorsichtig, denn ab einem gewissen Alter bzw. mit Vorerkrankungen gehört man eben zur Risikogruppe.

Pädagogische Einrichtung Waldkindergarten

Alternativen im Bereich Kinderbetreuung sind rar, aber es gibt sie. Eine besondere Betreuungseinrichtung durfte ich vor kurzem kennenlernen, die mich sehr beeindruckt hat: einen Waldkindergarten. Gehört hatte ich schon öfters von solchen Kindergärten im Freien, doch so richtig mitbekommen hatte ich nicht, wie das so abläuft. Nun durfte ich an einem Vormittag den Waldkindergarten „WaldFreiRaum“ in Reinsberg besuchen, den ersten im Bezirk Scheibbs. Er besteht seit ca 2 Jahren. Ein Stück Wald der Fam. Sieland wurde dafür speziell gestaltet und geringfügig adaptiert. 

waldkindergarten - meinefamilie.atMehrköpfiges Pädagogenteam

Zwei Pädagoginnen betreuen die derzeit 8 Kinder gemeinsam, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Ab und zu helfen auch Ulla und Hannes Sieland mit, denen der Wald und der Biohof daneben gehört. Sie haben großes Interesse, den Kindern möglichst viel praktisches Wissen über die Natur, aber auch die Landwirtschaft zu vermitteln. Die Kinder sollen mit der großteils unveränderten Natur in Berührung kommen und diese jeden Tag beobachten, erkunden und bei (fast) jedem Wetter zu jeder Jahreszeit erleben können. Es geht also nicht nur um die Betreuung der Kinder und ein bisschen Spiel und Spaß im Freien, sondern auch sehr stark um Wissensvermittlung und Bewusstseinsbildung durch den achtsamen Umgang mit Pflanzen und Tieren. 

Lernen und Spielen im Wald

Die Kids werden Mo-Do um acht Uhr von den Eltern gebracht und bis zwölf Uhr betreut. Sie halten sich meist die ganze Zeit im Freien auf – ein großes Plus in Coronazeiten. Dafür sind sie natürlich dementsprechend warm angezogen. Falls es wirklich mal sehr kalt sein sollte, gibt es eine gemütliche Hütte zum Aufwärmen, wo auch Reservekleidung bereitliegt. Im Notfall, wenn Sturmwarnungen einen Aufenthalt im Wald unmöglich machen, darf sich die Kindergruppe in einem Ausweichraum aufhalten. 

Es gibt im Gegensatz zu einem klassischen Kindergarten kein Spielzeug. Gespielt und gelernt wird mit den Dingen, die man vorfindet – mit Stöcken, Zapfen, Blumen, Steinen… Im Wald gibt es verschiedenste „Stationen“, die durch Wege verbunden sind: einen Sitzkreis, eine Waldküche, einen Theaterplatz … Eine Brücke über den Bach führt zu einem windgeschützten Lagerfeuerplatz, wo auch Feste stattfinden. Laufend werden neue Projekte verwirklicht wie selbstgebaute Zäune und Tipis aus Holz. Die Kinder werden zu Mit-Gestaltern in „ihrem“ Waldreich.

Regeln für ein gutes Miteinander

Natürlich gibt es auch hier – wie in jedem Kindergarten –  einige Verhaltensregeln, die von allen beachtet werden sollen. Achtsamkeit im Umgang miteinander, aber auch mit den Pflanzen und Tieren ist sehr wichtig. Die Kinder dürfen z.B. frei spielen und sich frei bewegen, doch sie sollen immer in Sichtweite der Betreuer bleiben, auch zu ihrer eigenen Sicherheit. Zur Orientierungshilfe sind Markierungen an einzelnen Bäumen angebracht. Mutwilliges Zerstören oder Schlagen bzw. übermäßiges Lärmen sind verboten. Ein respektvolles Miteinander von Mensch und Natur wird tagtäglich geübt und auch von den Betreuern vorgelebt.

Kontakt bei Interesse

Wenn Eltern Interesse daran haben, ihr Kind beim WaldFreiRaum anzumelden, können sie gerne Kontakt aufnehmen mit Fr. Sieland ([email protected]). Die Anmeldung ist laufend möglich. Sie vereinbart ein erstes Treffen, um die Eltern und auch das Kind kennenzulernen und zu schauen, ob es für diese Betreuungsform geeignet ist. Da das Gelände sehr unterschiedlich ist, muss das Kind über eine gewisse Grundmotorik verfügen. Das kann man direkt vor Ort ausprobieren. Die Drei-bis Sechsjährigen treffen sich Montag bis Donnerstag. Einmal pro Woche gibt es zusätzlich auch ein elternbegleitetes Treffen für kleinere Kinder von 1-3 Jahren zum Kennenlernen. 

Beim Erstgespräch werden auch die finanziellen Aspekte besprochen. „Der Waldkindergarten ist privat und wird vom Verein „Naturfreiraum“ getragen. Die Eltern leisten einen monatlichen Beitrag.“, so Ulla S. „Derzeit haben wir die Kapazität, noch weitere Kinder aufzunehmen. Sowohl die Eltern als auch die Kinder, die wir derzeit haben, sind sehr glücklich über dieses Angebot. Wir freuen uns sehr, wenn unsere pädagogische Arbeit wertgeschätzt wird.“


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