Gottfried Hofmann-Wellenhof

Gottfried Hofmann-Wellenhof "Mein Tagebuch"

Wenn Kinder Sprechen lernen, Kinderspielzeug - meinefamilie.at
17. Juni 2017

Wenn Kinder Sprechen lernen


Mittwoch ist Danieltag. Das bedeutet, dass ich unseren Ältesten vor der Garage erwarte, wo er seinen Sohn nebst Kinderwagen, Dreirad und Nachmittagsbrei auslädt und ich die ganze Ladung mit immer noch geübten Handgriffen übernehme. Es hat sich bewährt, das Übergabesetting so zu gestalten, dass nicht der heißgeliebte Vater aus dem Gesichtskreis seines bereits zu heftigem Protestgeschrei ansetzenden Sohnes verschwindet, sondern Daniel und ich uns gleich zu einer Runde in der Nachbarschaft aufmachen.

Mit Opa Hunde anschauen

Unser Enkel liebt Hunde. Besonders ihr Bellen fasziniert ihn. Am liebsten gehen wir zu einem Haus, dessen Garten von einem riesigen Schäfer bewacht wird, der nach Kräften anschlägt, sobald wir uns nähern. Der Schäfer bellt, Daniel lacht – das ist Kinderglück. Ich bleibe natürlich nur so lange stehen, wie ich es dem braven Wächter zumuten kann, ohne ihn in seinem Selbstwertgefühl zu kränken, das ja darunter leiden könnte, in Ausübung seines Dienstes von einem Einjährigen ausgelacht zu werden.

„Wwu-wwu“ ist das erste Wort, das Daniel einwandfrei verständlich artikuliert. In Kleinkindmanier generalisiert er freilich und dehnt diese lautmalerische Silbe auf alle Säugetiere aus, die ihm begegnen: Happy begrüßt er mit „wwu-wwu“ unsere Katzen, die Zwergkaninchen, deren Gehege im Garten Sophie mit ihm nach der Jause besucht, ja sogar die Eisbärenmama aus der Duplo-Zoolandschaft, die Daniels Tante Anna vor vielen Jahren bekommen hat.

Ein Wagerl mit brumm-brumm

Wenn ich Daniels Plapperversuche höre, muss ich an den ersten Geburtstag meiner ältesten Tochter denken. Nach drei Buben fieberten Eltern, Großeltern und Urgroßeltern Antonias erstem Geburtstag entgegen. Nach all den Rollern, Traktoren und Tretautos („brumm-brumm“) stand erstmals ein entzückender Puppenwagen auf dem Gabentisch. Sobald Tony die Kerze auf ihrer Torte ausgeblasen hatte, nahm sie behutsam die kleine Puppe aus dem Wagerl und legte sie meiner Frau in den Schoß, ergriff beherzt die Lenkstange und brauste mit fröhlichem „brumm-brumm“ durch das Zimmer. Sehr zum Wohlgefallen ihrer großen Brüder, die diese Nutzungsweise des seltsamen Geschenks durchaus vernünftig fanden.

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EIN ARTIKEL VON
  • Gottfried Hofmann-Wellenhof

    Mit meiner Frau habe ich fünf Söhne, drei Töchter und einen Adoptivsohn aus Kamerun. Die Erfahrungen mit meiner Großfamilie teile ich in Kolumnen und Büchern. Meine Hobbys: Hometrainer, Fußballmatches meiner Söhne, Kochen und Lesen.


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